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Forum - BDSMler unter sich - Ledersofa

Hast du Ideen, was ich machen könnte

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Jona Mondlicht

Autor. Lektor. Teammitglied.

05.05.2022 um 13:53 Uhr

Ihr Lieben,

ich werde ganz oft - meistens im Chat - gefragt nach Ideen für BDSM- Spiele, Sessions oder wie immer Ihr das nennen möchtet.

Manchmal sind es Sklaven, die angeblich im Auftrag der Herrin Vorschläge machen sollen und denen nichts einfällt. Oder es sind Männer, die angeblich in einer wunderbaren BDSM-Beziehung leben, aber von ewiger Wiederholung geplagt sind und nicht wissen, was sie noch so alles Dominantes anstellen könnten. Eher selten sind es Frauen, das kam aber auch schon vor.

Es fällt mir unfassbar schwer, mir vorzustellen, sich gegenüber zu stehen, mit den Schultern zu zucken und nicht zu wissen, was man miteinander tun kann. Als gäbe es eine Liste aller denkbaren Dinge, nach deren Abarbeitung nichts mehr bliebe als Langeweile oder Beginn von vorn.

Kennt Ihr solche Situationen? Ist es so schwer, sich von den eigenen Fantasien und Neigungen treiben zu lassen? Und wenn ja, wie fühlt sich das an, nach Plan die "Idee" eines Anderen nachzuspielen?

Viele Grüße 

Jona

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Drachenlady

Autorin. Förderer.

05.05.2022 um 16:18 Uhr

Hallo Jona,

ja, ich kenne solche Situationen durchaus. Mittlerweile nicht mehr so häufig wie "am Anfang". Das liegt aber nicht daran, weil mir nichts einfallen würde. Sondern an vielen anderen Faktoren.

Da wäre zum einen erstmal die eigene Unsicherheit. Als Anfänger, zu Beginn der BDSM-Reise mit meinem Mann wusste ich nicht wirklich, was, wie, wann, wieviel, wie anfangen, wann bzw. warum aufhören und so weiter.

Nachdem ich von Natur aus neugierig bin und - in jeder Hinsicht - gerne und viel ausprobiere, hab' ich mich zum einen von meinem Gefühl leiten lassen, und zum anderen natürlich nachgelesen, wie man eine Session "korrekt" aufzieht. Schließlich wird niemand als perfekte(r) (Fem-)Dom geboren, auch wenn mich beim Lesen mancher Beiträge manchmal das Gefühl beschleicht, dass viele Subs, egal welchen Geschlechts und welcher Orientierung, das glauben.

Deshalb hab mir auch viel (Ratgeber-)Literatur zu dem Thema reingezogen. So Dinge wie "111 SM-Spiel-Ideen" & Co. Nicht wirklich viel brauchbares dabei, zumindest nicht für mich. Bei den Ratgebern reichte es häufig schon, bei der einen oder anderen Handlung einen kleinen Finger abzuspreizen, um eine neue "Spielvariante" zu erzeugen. Die Bücher von M. Grimme, wie "Das Session-Kochbuch" waren dabei noch am hilfreichsten. Von all den Vorschlägen hab' ich mir das passende herausgesucht und für mich, für uns bei Bedarf modifiziert.

Viel von dem Gelesenen habe ich deshalb ehrlich gesagt dann auch nicht umgesetzt. Außerdem bin ich im Laufe der Zeit zu der Erkenntnis gekommen, dass es für mich einfach keine allgemein gültige Bedienungsanleitung für perfektes Gelingen gibt. Trotzdem kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es hier eben Informationsbedarf gibt.

Als weiteren Grund für die Fragen könnte ich mir auch noch etwas anderes vorstellen. Nämlich den Zeitfaktor. Häufig hat man einfach keine Zeit für aufwändige, stundenlange Sessions. Oft genug frisst einen der Alltag, Beruf, Familie, einfach alles auf, einschließlich der Lust. Jetzt noch als dominanter Part "performen" zu müssen, kann einem schlicht zu anstrengend sein. Obwohl man "eigentlich" schon Lust hätte. Dann wiederholt man halt, weil bequemer. Hier jetzt ein paar Tipps und Vorschläge für kurze Intermezzi von alten Hasen zu erhalten, oder wie man vielleicht mehr Abwechslung ins Spiel bringt, kann ich mir schon hilfreich vorstellen. Nicht jeder, nicht jede kann aus dem Stegreif heraus und jederzeit mal so eben dominant agieren. Nicht jeder hat eine solch blühende Phantasie, wie Autoren zum Beispiel ), da ist es doch ok, wenn man nach Anregungen sucht und bei Profis ) nachfragt.

Dass es bei Paaren hin und wieder auch mal zu Situationen kommen kann, in denen man gerade nicht weiß, was man mit seinem Gegenüber anstellen soll, vielleicht weil man ihn (oder sie) gerade auf den Mond oder noch weiter weg wünscht, der Kopf mit anderen Dingen geflutet und partout nicht frei zu bekommen ist, oder tatsächlich mal Flaute in der Beziehung herrscht, ist aber auch völlig normal. Das kennen die meisten doch irgendwie. Ich finde es dann aber tatsächlich besser, wenn man sich nach Möglichkeiten der Belebung erkundigt, fragt, was man denn zum Beispiel variieren könnte, als die Beziehung weiter vor sich hin dümpeln zu lassen. Das zeigt zumindest, dass einem am Partner und der Beziehung noch etwas liegt. Schlimm, tragisch wird es meines Erachtens nach erst dann, wenn es einen nicht mehr interessiert und man sich nicht mehr kümmert.

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Yuria

Förderer.

05.05.2022 um 18:40 Uhr

Bei mir als Anfängerin hakt es wenn, dann immer mal an der praktischen Umsetzung einer bestimmten Idee, könnte ich mir vorstellen. Das wäre für mich ein Grund, bei einem der erfahrenen Hasen oder Häsinnen mal anzuklopfen, um zu erfahren, wie man etwas handhaben könnte. An Ideen mangelt es bei mir in der Regel nicht. Vielleicht ereilt mich das später. Ich bin allerdings auch jemand, der zig Mal das Gleiche (vielleicht mit kleinen Variationen) tun kann und trotzdem noch genauso viel Spaß daran hat wie zu Beginn. Leider ist es wohl heute oft so, dass die Menschen etwas oder jemandem schnell überdrüssig sind und nicht genug Geduld oder Ambitionen da sind, um sich gemeinsam etwas auch zu erarbeiten. Bestimmt nicht alle, aber viele. Dann muss schleunigst neuer Input zum Streamen verfügbar sein, sonst wird es langweilig. Schade, gerade das „Tüfteln“ kann ja auch reizvoll sein und Möglichkeiten bieten.

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Nachtasou

Autor. Lektor.

05.05.2022 um 19:11 Uhr

Das ist ein echtes Luxus-Problem, Jona.

Es setzt voraus, dass ein Paar bereits viel und über lange Zeit miteinander »praktizierte«.

Ich verfüge zwar über keine haltbaren Statistiken, aber für die Mehrheit dürfte das »viel und über lange Zeit als Paar« ein eher erstrebenswerter Zustand sein, für den man zeitweilige Rat-, Einfalls- oder gar Lustlosigkeit gern in Kauf nähme.

Nichtsdestoweniger hat die Frage ihre Berechtigung; wie jede ernsthafte Frage.

Ich glaube gar, dass sich diese Zustände notwendig in jeder Form von Sexualität einstellen. Je spezifischer die Neigungen sind, desto früher. Vermutlich gehören sie zur Paarsexualität sogar dazu, ich nenn´s mal »biologische Aufgabe«. Der Grund ist, dass Sexualität eben nicht nur dem Lustgewinn dient, sondern der Beziehungsqualität. Gemeinsam bewältigte Problemzeiten lassen näher zusammenrücken. Senioren, wenn man sie befragt, wissen davon zu berichten. Manche sagen sogar, sie hätten mit ein und derselben Person mehrmals wieder beginnen müssen, weil alles darnieder lag. Zumindest war das »früher« so, als Trennung nicht Allzweck-Problemlöser war.

Am besten dürften »Polyperverse« fahren (*g), also solche, die in ihren Neigungen wenig festgelegt sind. Die haben, logisch, das breiteste Sortiment zur Auswahl und müssen am wenigsten die Phantasie bemühen, sondern einfach offen sein für Neues. Ein BDSM-ler kämpft nicht nur um Offenheit (was schwer genug ist), sondern darum, ob es denn erregt, wenn es fern der Neigung ist. Einem Nylonfetischisten ist die Wollsocke zwar neu, aber zu fern. Sie kommt nicht näher, da kann er sich auf den Kopf stellen, sonst wäre er kein Fetischist.

Eine D/S-Beziehung ist spezifisch. Schon ein »Rollenwechsel« könnte das Fundament in Frage stellen. Wenn sich eine Sub nach 20 Jahren auf einmal als Dommse probieren will, bräucht´s mehr als Offenheit beim Gegenüber. Und so eine/n Nolens-Volens-Sex will man ja auch nicht.

Stressphasen im Leben gibt es unausweichlich, beruflich, finanziell, familiär, wie auch immer. Dieser legt Kreativität von Natur aus lahm. Einfallslose Zeiten sind vorprogrammiert. Anstatt vom aktiven Part dann das Unmögliche zu erwarten, kann eine Weile Geduld oder gar Verzicht seitens des Gegenübers eine Lösung sein, ohne ihn noch mehr unter Druck zu setzen.

Jetzt komme ich zum Genuss-Thema. Der träge Bratkartoffel-Sex als Einschlafhilfe erspart das Mirtazapin oder ein Work-Out. Das ist wie beim Essen. Jeden Tag ein Mehrgänge-Menü verdirbt den Appetit. Das ist leicht gesagt, ich weiß. Aber schon nach zwei Wochen tollem Sex stellt sich bei mir eine Form des Bedauerns ein, weil das Wünschen halt auch so schön ist, und nachlässt, und die Gegenwart nicht mehr zu toppen ist. Das ist ein blöder, nicht abschaltbarer Vorgang. Da hilft nur Pause machen und mal wieder hungern. Außerdem ist die (Über)-Sättigung auch dem Gegenüber anzumerken und kränkt dann das eigene Ego (weil man ja selbst appetitlich sein möchte *g).

Ich kenne das von Schreibblockaden. Wenn ich mir beim Tippen auf einmal sage: »Och nee, nich das schon wieder«. Unter dem Strich sind es halt doch nicht die Techniken, sondern der Trieb, der die Energie zur Lust liefert. Da nutzt die schönste Verpackung nicht, das Viech krepiert. Dann heißt es warten und keine Panik kriegen. Vielleicht gilt das auch für die Partnerschaft. Lösung: Das Gegenüber ein paar Tage zur Schwiegermutter oder auf Reha schicken. Oder selbst den Garten umgraben.

Das mit der Ratgeber-Literatur, die Drachenlady anführt, ist keine Schande. Auch wenn nur 2% verwertbar sind, die eine oder andere Anregung ist immer drin. Das ist kein Zeichen eigener Gedankenarmut.

Verlustangst bekomme ich dann:

Ich: »Aber das hat Dir doch immer gefallen.«

Sie: »Jetzt aber nicht mehr.«

Dann setzt diese Lawine im Denken ein: Jetzt geht alles den Bach runter.

Tatsächlich ist es Ausdruck von Veränderung. Gesunde Menschen verändern sich. Wenn ein Interesse schwindet, keimen neue auf. Die sind dem Betroffenen selbst nicht immer parat. Ich meine, da hilft experimentieren mehr als fragen.

Zumindest in der Theorie. Andernfalls ist wirklich der Wurm drin und die Beziehung stimmt nicht mehr. Ich fand das schwer zu unterscheiden. Denn sexuelle Probleme, und Routine ist eines, können Anzeiger sein von grundlegenderen Beziehungsmüdigkeiten. In dem Fall nutzt ein Aufpolieren der Sexualität nicht.

Die Frage an eine Partnerin in dieser Form: "Hast Du Ideen, was ich machen könnte?" geht natürlich gar nicht und würde ich so nur stellen, wenn ich kränken will.

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Tek Wolf

Autor. Förderer.

06.05.2022 um 11:59 Uhr

Eine gute Frage und nicht ganz unberechtigt. Als Dom möchte man ja seine geliebte Sub bespaßen und ihr gefallen. Ganz zu schweigen, dass man ihr etwas Gutes tun will. (Ich spreche jetzt exemplarisch von Maledom – Femsub um mich nicht im Gendern zu verheddern; gilt natürlich umgekehrt und in jeder Kombination genauso.) Besonders will ich da Drachenlady zustimmen. Oft ist man erschöpft, die Zeit fehlt, oder die Stimmung will sich einfach nicht einstellen. Da ist Routine ein guter Helfer und auch nicht schlecht, wenn man ein Ritual gefunden hat, das beiden dauerhaft gefällt.

Aber genug mit den Hürden, ich will versuchen etwas Konstruktives beitragen: Manche Geschichten inspirieren mich zu Neuem. Nicht, dass sich viel eins zu eins umsetzen ließe, aber es regt den Fantasie-Muskel an. Manchmal kommen dann eigene Geschichten dabei raus und manchmal eine gute Session. Um ehrlich zu sein, ich mag es, mir neue Dinge auszudenken; das passiert bei der Busfahrt oder beim Spazierengehen fast wie von selbst. Manchmal mache ich mir dann Notizen, natürlich möglichst unauffällig, falls die jemand findet.

Ein anderer Rat, den ich geben kann, der aber mit Vorsicht zu genießen ist: die Sub auch mal aus ihrer Komfortzone herauszuholen. Schließlich sind ja Überwindung, Vertrauen und Aufregung wichtige Komponenten in einem Spiel. Ich habe schon mehrmals erlebt, dass Subs bei Techniken, denen sie mit viel Skepsis begegnet sind, am Ende begeistert waren. Voraussetzungen sind natürlich ein sensibler Dom und die wirklich einfühlsame Durchführung.

Ganz früher, bei den ersten Gehversuchen im BDSM, habe ich und meine Partnerin Szenen aus Büchern, Filmen oder andern Quellen nachgespielt. Wir wollten einfach wissen, was das mit uns macht, wie es sich körperlich und seelisch anfühlt. Da wurde selbst Furcht oder (eingebildete) Gefahr zu etwas Spannendem. Mit der Zeit hat sich leider dieses Unbefangene aufgelöst. Aber vielleicht ist es hin und wieder angebracht, wieder etwas mehr Fantasie und Spieltrieb zu wagen.

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Sophie Amalia

Autorin.

06.05.2022 um 17:11 Uhr

Als ich angefangen habe, war das eine meiner ersten Befürchtungen: Was ist, wenn mir mal nix einfällt und ich ins Stocken gerate?

Ich hatte mir dann schlichtweg vorgenommen, tatsächlich einfach nichts zu tun, anstatt etwas zu erzwingen und damit fahre ich seither sehr gut.

Aber... "Nichts" bedeutet in meinem Fall, ich lasse mir beispielsweise die Füße massieren, genieße ein Getränk, komme auch kopfmäßig zur Ruhe. Und mir ist währenddessen immer etwas eingefallen, was ich tun könnte, ohne großes Grübeln.

Ich bin an sich nicht so der Planer. Bin ich verabredet, überlege ich mir schon, welche Werkzeuge und Spielsachen ich mitnehme, hab Ideen im Hinterkopf, aber ohne den Anspruch, dass es genauso durchgezogen werden muss. Ich mag lieber den Flow, der sich ergibt. In diesem Zusammenhang fällt mir das Wort "Reaktionsfetischist" ein.

Ich persönlich denke, durch eigene Phantasie, Austausch miteinander, Austausch mit anderen, durch das Lesen von Geschichten, findet sich immer eine neue Idee. Manchmal sind es nur veränderte Kleinigkeiten, mit denen man eine große Wirkung erzielen kann. Möglicherweise besteht bei einigen nur eine gedankliche Blockade für neue Sachen, weil der Anspruch besteht, sich selbst immer mehr zu übertrumpfen. Da ist für mich vorstellbar, dass dann der Kopf leer bleibt.

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06.05.2022 um 22:06 Uhr

Einfälle erzwingen zu wollen, ist nach meiner Erfahrung zwecklos. Ich habe mir angewöhnt, spontane Gedanken in ein kleines Buch zu schreiben, das ich zumeist bei mir führe. Ist das nicht zur Hand, Notiz im Handy. Mir genügen da in der Regel einzelne Schlagworte, um den Gedanken später zu reproduzieren. Ganze Romane als Notizen lehne ich schon aus einem einfachen Grund ab, aus Faulheit.

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