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Forum - Schreiben - Übungen

Übung: Ich-Erzähler

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Hans Bergmann

Autor.

10.01.2021 um 08:04 Uhr

Thematische Schreibübungen sind einerseits zur Verbesserung des eigenen Stils hilfreich, andererseits helfen sie, das eigene Schreiben zu disziplinieren, denn wenn ich es schaffe, mich an eine klare Vorgabe zu halten, gelingt mir auch Konsequenz in eigenen Texten.

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Hans Bergmann

Autor.

10.01.2021 um 08:20 Uhr

Ich gehe den gepflasterten Weg hinüber zum Haus. Die Tür finde ich angelehnt. Leichtsinn? Absicht? Zögernd trete ich in den Raum, stehe still. Die Fenster vergittert und die Tür geöffnet? Sichtbar, all die verruchten Dinge. In der Ecke zwei Käfige. In einem kann ein Mensch mit Mühe kauern, im anderen stehen. Was für wunderbare Ausführungen. Einsperren und Beobachten. Spiel ohne Mühe. Damit sollte man beginnen. Der Fußboden aus Holzdielen, benutzt. Natürliches Material, Holz zu Haut. Da bist du, mit Seilen an die eingelassenen Eisenringe gebunden. An der Holzbalkendecke ein Flaschenzug. Ein altes Stück mit Kette und Ratsche. Geschmiedete Haken. Rechts an der Wand eine Leiste. Da hängen sie, in verschiedenen Längen, allesamt in Leder gearbeitet. Ich kann ihre Strenge fühlen, das Leder glatt, geflochten, in mehreren Streifen. Ich liebe die Dicken, glänzend Glatten, sehe dich, auf der Haut die Fenstergitter, Schatten der späten Sonne, trete hinter dich, höre es, Leder auf Haut.

Ein Tisch, lange, schwere Bohlen, benutzt, das Holz gedunkelt von vielen Händen. Wie zur Ansicht breite Bänder aus Leder. Ich lege sie um deine Waden, schließe sorgsam die Schnallen. Dieser unverwechselbare Geruch, Frau und Leder. Dort, das breite Halsband, mehrere Verschlüsse, dazu Ringe, kunstvoll im Leder verankert. Gepolsterte Manschetten für die Handgelenke. Lange Hängespiele.

Rechts vor der Wand die Pranger, aus Holz zum Stehen, aus Metall für die Hundestellung. Du kniest auf dem Boden, fixiert durch Stahl, bewegungslos, wehrlos. Auf einem Regal Lederbänder, Klammern aus Holz und Metall. Ein Knebel aus Leder, nur für dich, schnell durchfeuchtet, nicht austauschbar. Ob ich den Raum mieten kann? Nur für mich und dich? Eine Woche lang, jeden Tag? Der Meister wird freundlich abwinken. Er braucht die Feuerstelle, den Blasebalg, den Amboss, die Nadeln und Werkzeuge. Wo findet man einen Handwerker, der sich gleichermaßen auf das Schmieden und Sattlern versteht?

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Jona Mondlicht

Autor. Lektor. Teammitglied.

10.01.2021 um 11:47 Uhr

Hans Bergmann:

Schön umgesetzt, mitten hinein in die Gedanken (und Fantasien!) des Protagonisten. Danke! Auch wenn es dann nicht der BDSM-Raum war.

Viele Grüße

Jona

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Nachtasou

Autor.

10.01.2021 um 17:22 Uhr

Sie hat mir geholfen, die zwei Zentnersäcke Kartoffeln in meinen Wagen zu hieven. Dann klingelte ihr Handy und sie meinte, es sei wichtig, müsse dringlich zurück ins Büro, ob ich bitte warten kann.

Die Wege sind weit und es ist kalt, Kühlhaus eben. Welche der Türen war der Ausgang? Hinter dieser strömt warme Luft. Ich luge hinein und sehe im Dunkel einen Flaschenzug. War da ein Gerüst inmitten der etwa 30 Quadratmeter, ein Sofa? Einmal noch öffnen, um Licht hineinzulassen. Wieder ein Schnappschuss. Das gibt es nicht! Hängen an der Wand Gurte? Ich leuchte mit dem Telefon und stoße mit der Hüfte gegen eine Liege, mit Aussparungen und Ösen an den Rändern. Das ist kein Techno, sondern mein Herz, das schlägt. Wie lang habe ich Zeit, bis die Eigentümerin zurückkommt? Ein Augenblick, bitte. Das spärliche Licht streicht an der Ziegelwand entlang und zeigt Holzbalken. Ich bin mir sicher in dem, was ich sehe. Die Panikhäken an den Ketten, die von oben still warten … Ich schäme mich. Ich kann schnell umkehren und mich für die verirrte Tür entschuldigen. Meine Sohlen kleben jedoch fest. Noch ein Schritt hinein. Wie langweilig sind Kartoffeln. Die Fahrt hierher versinkt ins Nichts, die Abfahrt nachher, der Rest des Tages, ich inbegriffen, lahm; will stattdessen mehr von dieser Luft einatmen, eintauchen in das Offensichtliche … wer hier schon lag? Sie selbst? Was trug sie für Schmuck vorhin, was habe ich übersehen? Ich bin schlagartig von ihr angezogen. Welche Ausrede habe ich, um wieder zu kommen? Ist sie allein? Blödsinn. Ich habe hier nichts zu suchen. Ich bin … Eindringling! Zögerlich blase ich zum Rückzug. Der Hof ist leer, wie mein Hirn; warte brav. Du Idiot! Du weißt es jetzt! So wird das nichts. Sie wird lächeln, kassieren und Ende.

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Jona Mondlicht

Autor. Lektor. Teammitglied.

10.01.2021 um 17:32 Uhr

Nachtasou:

Danke für die spannende Momentaufnahme! Besonders gut gefallen hat mir, dass Du Deinen Protagonisten mit sich selbst reden lässt, das macht seine Gedanken lebhaft (und glaubhaft, oder widersprecht mir, wenn Ihr noch nie mit Euch selbst geredet habt). 

Solche Dinge wie "Ich leuchte mit dem Telefon ..." hätte ich gern ebenfalls in Gedanken verpackt gesehen.

Viele Grüße

Jona

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Katika

Autorin. Förderer.

11.01.2021 um 10:03 Uhr

Nun mein 2.Versuch. Ich habe so oft den Text gelesen, immer wieder Fehler gefunden. Nun hoffe ich, er entspricht nun den Vorgaben:

Genauso hätte ich den Raum auch eingerichtet. Die spärliche Beleuchtung mit den Fackeln wirkt täuschend echt, es läuft mir kalt den Rücken hinunter. 

Mein Herr hat sich wirklich viele Gedanken gemacht. Die dunklen großen, nicht verputzten Steine der Wände lassen den Raum dunkel und etwas mystisch wirken. Sie geben mir den Eindruck eines Verließes. Er hat es bestimmt so gewollt. Auch er liebt das Flair eines Folterkellers in Burgen und Schlössern.

Genau, ein Pranger darf dabei natürlich auch nicht fehlen. Wo hat er nur das wunderschöne alte Stück her? Er war oft in letzter Zeit unterwegs, hat eBay und andere Verkaufsplattformen studiert. Schließlich sind jetzt durch Corona keine Flohmärkte mehr, wo er immer das eine oder andere für unsere Kellerräume gefunden hat.

Wir haben kurz nach Kauf des Hauses die Kellerräume als erstes gut isoliert, schalldichte Fenster eingebaut und eine Fußbodenheizung verlegt. Ich denke noch an den Heizungsmonteur und den Fliesenleger, der die groben Steine verlegen sollte. Sein Gesicht war sehenswert, verraten haben wir ihm aber nicht, wie wir die Räume nutzen werden.

Dies ist nun der erste Raum, den mein Herr ganz alleine eingerichtet hat. Sogar Stroh hat er sich gestern anliefern lassen wie ich zufällig mitbekommen habe. Eigentlich dachte ich, dass es für die Kaninchen ist.

Wird er mich darauf knien lassen? Nackt, barfuß, an die Sprossenwand  mit dem Körper gefesselt, die Arme nach oben mit dem Flaschenzug gezogen. Da sind auch noch Ösen im Boden befestigt. Wenn ich mir vorstelle, er fixiert mich auch dort. Ich wäre völlig bewegungsunfähig, ihm völlig ausgeliefert. 

Ich sollte besser wieder nach oben gehen. So viele Gedanken toben gerade in mir. Vorfreude, Angst? Die Aufregung macht mir jetzt schon eine Gänsehaut. Was hat er wohl vor, vielleicht verbindet er mir ja die Augen. Ich liebe es, nur zu fühlen.

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Jona Mondlicht

Autor. Lektor. Teammitglied.

11.01.2021 um 11:26 Uhr

Katika:

Deine Mühe mit dem Text hat sich wirklich gelohnt - er ist richtig gut geworden! Danke!

Viele Grüße

Jona

PS.: Und warum liegt hier Stroh?

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Meister Y

Autor. Förderer.

11.01.2021 um 18:58 Uhr

Ihr Lieben, eine spannende, tolle Übung, das kann ich nicht anders sagen. Eure Beiträge haben mir allesamt gefallen und hier merkt man besonders, dass thematisches Üben eine echte Herausforderung ist. Katika Stroh hat was, das kann mich nicht anders sagen .

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12.01.2021 um 03:53 Uhr

Ich blicke mich um, aber der weite Gang liegt ruhig und leer. Ich schaue auf den Zettel. Das richtige Symbol, die korrekte Tür.

Ich muss kräftig ziehen, damit mir die alte Holztür, träge ihr Geheimnis preisgibt. Doch hinter der Schwelle liegt bloß Dunkelheit. Nur langsam wollen sich meine Augen, an das fehlende Licht gewöhnen. Irgendwo dort drinnen ist leise ein Atmen zu vernehmen, leicht gepresst, leicht aufgeregt.

Jetzt erst verstehe ich, warum man mir, mit diesem Zettel, die Streichhölzer überreicht hat. Der Zettel, das gezogene Los, auf dem ein schwarzer Engel zu erkennen war.

Ich entzünde ein Holz und erkenne im aufbrennenden Schein, nur grob den Raum. Ein Gebilde liegt in der Raummitte, aber zunächst will ich, mehr Licht an herumstehenden Kerzenständer entzünden.

Der orangene Schein flackert in den Raum und schält Konturen aus der Dunkelheit.

Im Zentrum steht einer Art Tisch, nein, zwei Diagonalen kreuzen sich und bilden ein großes X, ein liegendes Andreaskreuz.

Ich umrunde das Gebilde und entzünde weiteren Kerzenständern.

Ausgestreckt vor mir, liegt dieser gefallene Engel. Ein knappes Lederkorsett bedeckt nur das Nötigste, ihres schönen geschwungenen Körpers und präsentiert volle Brüste. Eine Augenmaske hallt sie weiterhin in der Dunkel- und Unwissenheit, vor dem was passieren wird.

Ihre Glieder wurden streng mit dunklen Ledergurten auf die große Holzbalken fixiert. Ihre gespreizten Arme, erscheinen wie Flügel. Schwarze Schwingen aus denen die Dunkelheit in den Raum blutet.

Sie hat sich verschenkt, hat ihren Körper in dieser Nacht verlost. Sich wehrlos und bereitwillig ergeben und ausgeliefert. Sie will dienen, wem auch immer das Los bestimmt.

In dieser Nacht, mir.

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habitus

Förderer.

12.01.2021 um 18:09 Uhr

Nun versuche ich mich mal. Ich hoffe, ich bin nicht zu sehr ins Fabulieren gekommen. Die Szene war ab einem bestimmten Moment sehr real im meinem Kopf ...

Habe ich die falsche Tür erwischt? Katrin sagte doch, das Bad wäre am Ende des Ganges links? Als ich nochmals den Flur entlang blicke, merke ich, dass ich mich nicht vertan habe.

Was soll das?

Trotzdem bin ich sicher, hier absolut richtig zu sein. Ein erregendes Kribbeln schießt von meinem Hirn in die Lendengegend, als ich in den Raum sehe. Mein Blick fällt in ein Zimmer mit BDSM-Utensilien und Spielsachen. Hier, bei meiner Kollegin Katrin, hätte ich damit nicht gerechnet. Wir haben offenbar mehr Gemeinsamkeiten, als ich ahnte.

Ich lasse den Blick schweifen und begreife, dass hier, in diesem Zimmer, Katrins innerstes Wesen sein Zuhause findet. Dass sie hier ihrer Lust, Triebhaftigkeit und Sinnlichkeit einen Raum geschaffen hat. Kollegin Katrin – im Beruf stets selbstbewusst, hat sie doch in stillen Momenten eine stark sinnliche Art, die Welt zu betrachten. Und dann noch ihre subtile Neigung, bei mir nach Schutz und Geborgenheit zu suchen. Eigentlich hätte ich es etwas merken müssen.

Katrin erscheint mir in einem ganz neuen Licht.

Und in diesem Licht reizt sie mich sehr!

Ein leicht würziger Geruch steigt in meine Nase, als ich eines der Hanfseile neben der Tür nehme und durch meine Finger gleiten lasse. Ich erinnere mich an eine Oberkörper-Bondage, die ich ein paar Mal geknotet hatte. Katrin würde darin hinreißend aussehen. Kniend, in ihrer aufrechten und stolzen Haltung. 

Ich stelle mir vor, wie die Seile um ihre Schultern und Flanken fließen, sie umarmen und dabei ihre Brüste hervorheben. Erhaben und ästhetisch. Bisher habe ich meine Kollegin nur ganz adrett, im aparten Büro-Kleidungsstil bewundern dürfen. Jetzt wäre der richtige Moment, eine neue Tür aufzustoßen. Im wahrsten Sinne … 

Ich solle mir das Licht anmachen, ruft Katrin aus dem Wohnzimmer. 

Meine Werteste. Genau das habe ich gerade eben getan …

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