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Forum - BDSMler unter sich - BDSM-Beziehungen

Provokationen

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27.08.2020 um 10:41 Uhr

In dem Thread haben sich ja jetzt verschiedenen Themenkomplexe herauskristallisiert,  daher fange ich mal von vorne an:

Das Erwähnen von Verfehlungen gegenüber dem dominanten Part ist für mich Bestandteil im BDSM. Es gehört zu den Provokationen. Sie dienen dazu, eine Reaktion zu erzielen.

Wessen Verfehlungen? Die des dominanten Parts? Oder meinst Du, daß der submissive Part seine Verfehlungen beichtet?

Der erste Fall wäre für mich untragbar, wenn es ein Dauerzustand wäre. D.h. meine Partnerin jeden Fehler an mir sucht und ihn mir vorhält. Da würde ich den Respekt vermissen. Andererseits möchte ich mich auf der dominanten Seite auch weiterentwickeln und wünsche mir daher - respektvoll vorgetragen - durchaus gelegentlich Feedback.

Das beichten Ihrer Verfehlungen gehört für mich eigentlich zum guten Benehmen einer Sub/Sklavin. Es zeigt nämlich, daß sie einsieht das und warum gewisse Regeln und Aufgaben wichtig sind. Damit kann man dann arbeiten. Und zwar in dem Sinne, daß man schaut, was die Erfüllung der Aufgaben erschwert und ggf. einen Schritt zurück machen um Lernprozesse zu intensivieren.

Zur Provokation. Das geht in meinen Augen gar nicht. Wenn es dazu dient eine Reaktion zu provozieren ist das für mich ein Zeichen, daß die Kommunikation in der Beziehung irgendwo gestört ist. Das Bedürfnis kann dann oft eben nur durch Provokation oder andere indirekte Methoden ausgedrückt werden, anstatt klar zu sagen: "Herr, mir juckt gerade das Fell." Gerade die indirekten Kommunikationsmittel sind fehleranfällig. Beim Beispiel der Provokation hat es Hekate in meinen Augen sehr deutlich - wenn auch unbewußt - beschrieben:

Provokationen des Sub sind Regie, ebenso die Unzufriedenheit der Lady. Beides führt zum Lauf der Session.

Die Provokation führt zu einer Unzufriedenheit auf der anderen Seite. Und ganz ehrlich? Ich möchte meine Sessions, bzw den Umgang mit meiner Sklavin nicht auf einem Gefühl der Unzufriedenheit basieren. Oder gar weil ich durch die Provokationen von ihr genervt bin. Das ist nicht meine Idee einer D/s Beziehung.

Abschließend vielleicht zum Verständnis: es gibt Provokationen und es gibt spielerische Kabbeln oder necken. Beides unterscheidet sich von der zugrunde liegenden Stimmung und dem Kontext.

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Tek Wolf

Autor.

09.09.2020 um 09:20 Uhr

Hallo Devana, ich bin eher selten im Forum unterwegs, aber dieser Beitrag hat mich sehr interessiert, weil mich das Thema gerade beschäftigt. Erst mal - das hast du wirklich sehr schön ausgedrückt. Ich habe mir deinen Beitrag mehrmals durchgelesen, weil er so eingängig ist und eine interessante Sache endlich mal ausspricht. Auch habe ich das Gefühl, viele Subs stimmen dir hier zu.

Ich frage mich also, ob sich viele Subs ihre Rolle so wünschen, wie Mai es gleich im Anschluss beschrieben hat. Das (natürlich begeisterte) "Opfer" eines willkürlichen, dominanten Partners, der tut, was ihm gefällt und sich in keinster Weise nach der Sub richtet (aber es natürlich doch tut). Wunscherfüller, sanfte Männer oder gar leicht zu manipulierende Doms (hier sind wir wieder beim Thema) sind ihnen zuwider. Sie möchten sich keine Gedanken machen müssen, was ihr Dom wünscht, denn er nimmt es sich einfach. Und sie wollen auch nicht, dass sich der Dom über sie Gedanken macht, denn dann erhalten sie eine Bedeutung und Aufmerksamkeit, die eine unterwürfige Seele gar nicht haben möchte. Sie wollen befreit werden vom Geben und Nehmen und nur geben, weil sie sich dann ganz auf sich selbst konzentrieren können, losgelöst von der Last eigener Bedürfnisse. Habe ich das so gut zusammengefasst? Was denkt ihr?

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Gelöscht.

09.09.2020 um 16:34 Uhr

Tek Wolf

Sie möchten sich keine Gedanken machen müssen, was ihr Dom wünscht, denn er nimmt es sich einfach. Und sie wollen auch nicht, dass sich der Dom über sie Gedanken macht, denn dann erhalten sie eine Bedeutung und Aufmerksamkeit, die eine unterwürfige Seele gar nicht haben möchte

Da widerspreche ich, das sehe ich anders.

Wenn ich mir keine Gedanken machen würde, was mein Herr wünscht, was ihm gefällt und was er von mir erwartet, weil er sich sowieso nur nimmt, was und wenn er will, käme ich mir vor wie ein beliebiges austauschbares Spielzeug, das er aus dem Schrank holt, wenn er gerade mal Lust drauf hat, und was irgendwann auch mal uninteressant wird.

Ich sehe mich mehr als die Sklavin oder Sub, die sich darum müht, zu gefallen und zu Gefallen zu sein. Die sich um ihn müht. Ob er dann zugreift oder nicht, das wiederum ist seine Entscheidung. Aber ich wollte deswegen nie aufhören, zu geben, um nur noch eine willfährige graue Maus zu sein.

Viele Grüße

Folgsame

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Devana

Autorin. Lektorin. Teammitglied.

09.09.2020 um 22:01 Uhr

Tek Wolf

Sie möchten sich keine Gedanken machen müssen, was ihr Dom wünscht, denn er nimmt es sich einfach. Und sie wollen auch nicht, dass sich der Dom über sie Gedanken macht, denn dann erhalten sie eine Bedeutung und Aufmerksamkeit, die eine unterwürfige Seele gar nicht haben möchte. Sie wollen befreit werden vom Geben und Nehmen und nur geben, weil sie sich dann ganz auf sich selbst konzentrieren können, losgelöst von der Last eigener Bedürfnisse. Habe ich das so gut zusammengefasst? Was denkt ihr?

Lieber TekWolf,

jetzt bin ich froh, dass die Folgsame schon vor mir geantwortet hat, denn ihr kann ich bereits in vielen Punkten zustimmen. Wie du es formuliert hast, fühlt es sich eher nach "Wort im Mund herumdrehen" an. Eine Beziehung ist aber immer ein Geben und Nehmen. Oder sollte es jedenfalls sein.

So möchte ich natürlich nicht das Gefühl haben, von unten zu lenken. Aber natürlich möchte ich auch, dass auf mich geachtet wird, dass Dom weiß, was man mit mir machen kann und was nicht. Aber was mir am absolut wichtigsten ist: Ich beziehe meine Befriedigung nur aus der Tatsache, dass Dom das macht, worauf er Lust hat. Tut er mir es nur mir zuliebe, kann er es eigentlich gleich sein lassen, denn das gibt mir rein gar nichts. Ich möchte wissen, ich möchte fühlen, ich möchte hören, dass es ihn anmacht. Dann macht es auch mich an (wenn man meine Grenzen respektiert). Idealerweise macht mir das auch Spaß, was wir dann machen. Aber es geht eben auch mal aus dieser Erduldenperspektive heraus.

Oder wenn ich eine Kurzanleitung für Doms schreiben müsste: Dom soll machen, worauf ER Lust hat bzw. das einfordern, was er möchte, aber unter Berücksichtigung der Grenzen von Sub. Und idealerweise gibt es eben eine möglichst große Schnittmenge, was beiden Lust macht, sonst geht das auf Dauer wohl auch nicht gut.

Und Sub muss eben auch ein Stück aufmerksam sein, was da von ihr gewünscht wird. Das ist von Paar von Paar unterschiedlich. Von ganz passiv bis ganz aktiv kann da alles dabei sein. Und es muss eben auch passen. Beide Partner müssen sich in ihrer Rolle wohl fühlen. Aber natürlich muss man sich da auch erst finden.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu wirr formuliert. Falls doch, schiebe ich das auf den Rotwein neben mir.

Viele Grüße

Devana

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Tek Wolf

Autor.

09.09.2020 um 22:15 Uhr

Tja, was lernen wir daraus? Diese Dom Sub Sache sieht jeder anders und sie ist komplexer als man denken möchte. Auf einen gemeinsamen Nenner und man sich wohl nie einigen können. Danke für eure Kommentare. Es sind schöne Denkanstöße.

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dienerin

Autorin. Förderer.

09.09.2020 um 22:18 Uhr

Wobei, Tek Wolf

ich hatte den Eindruck, dass du ähnliches mit anderen Worten ausgedrückt hast.

Es kann aber auch sein, dass ich es anders verstanden habe, da wir darüber schon gesprochen haben.

Es ist ein Geben und Nehmen

Sub gibt und Dom gibt und jeder nimmt auch

und das ist gut so, Grenzen sind besprochen und innerhalb dessen wird gelebt und ausgelebt

Ggf können sich Grenzen aber auch verschieben

Wichtig ist, in meinen Augen, dass es ein gemeinsamer Weg ist

Dienerin

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Lanika

Lektorin. Förderer.

09.09.2020 um 22:34 Uhr

Lieber Tek Wolf,

mit Vergnügen lese ich Deine Beteiligung an dieser Diskussion. Ich muss bekennen, dass ich viel - oft ohne nachzudenken - provoziere. Das geht meistens mit Worten. Ich will nie verletzen oder beleidigen, am wenigsten meinen Dom.

Aber eine Provokation erfordert eine Reaktion - oder eine bewusste Nichtreaktion. Der Dom wird manipulierbar und vorhersehbar, wenn er stets auf die gleiche Provokation genauso reagiert und mit der Strafe im Wohlfühlbereich bleibt.

Mir geht es besser, wenn ich nicht provoziere. Aber das setzt genauere Kommunikation voraus und den Mut, die eigenen Wünsche zu benennen, statt sie nur halbherzig mit Provokationen anzudeuten, in der Hoffnung, dass der andere Gedanken lesen kann.

Wenn sich in eine Beziehung dauerhafte Provokationen einschleichen, läuft etwas schief. Mir hat gefallen, was Devana geschrieben hat. Das klang nach einem zu erstrebenden Ideal.

Lanika

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Gelöscht.

09.09.2020 um 22:48 Uhr

Devana

Idealerweise macht mir das auch Spaß, was wir dann machen. Aber es geht eben auch mal aus dieser Erduldenperspektive heraus.

Wie weit geht die? (Oder ist das besser ein Thema für die sub-Gruppe? Dann bitte verschieben...)

Viele Grüße

Folgsame

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Tek Wolf

Autor.

11.09.2020 um 10:29 Uhr

Danke für die Reaktionen auf meine Gedanken. Ich hatte gehofft irgendwo auf einen gemeinsamen Nenner zu stoßen, eine universelle Antriebskraft für das Vergnügen der Subs. Aber offenbar gibt es hier auch wieder verschiedene Richtungen. Geben und Nehmen, Provokation oder Hingabe, Dienen versus benutzen lassen. Die Orientierung ist schwer, die Zeichen, die Dom von seiner Sub empfängt nicht einfach zu deuten. Da wäre eine Richtschnur sehr hilfreich. Was bleibt, ist einfach auszuprobieren, was meine Sub möchte, wenn sie mich provoziert. Und vielleicht ist das ja der Spaß an der Sache.

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Gelöscht.

11.09.2020 um 12:38 Uhr

Gut gesagt, Tek Wolf. So eine Richtschnur wäre doch langweilig, wenn man die nur abarbeiten bräuchte, wären wir doch alle gleich und austauschbar.

Viele Grüße

Folgsame

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