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Ursachen unterschiedlicher Sexualpräferenz

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Ambiente

Autorin. Förderer.

10.05.2019 um 08:46 Uhr

Hallöchen,

ich habe mich das bisher nie gefragt, aber jetzt, wo die Frage im Raume steht, habe ich das mal getan.

Ich habe 35 Jahre nichts von meinem Hang zu BDSM gewusst, ihn auch nicht vermißt, denn was man nicht kennt, vermißt man nicht.

Ich glaube bei mir traf der richtige Mann im richtigen Augenblick in mein Leben und führte mich in diese Welt, durch die ich derart intensive Gefühle erleben kann, wie nie zuvor.

Also mein Ergebnis ist, dass es schon immer in mir war und nur geweckt werden musste. Und das war gut so!

wir lesen uns

ambi

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10.05.2019 um 11:07 Uhr

Ist mir piepegal warum ich so bin... Ich find es gut

Griche: Ich dich auch!

Ich denke der überwiegende Teil BDSMer sind einfach so rein geboren. So wie die Sexualpräferenz allgemein mitgegeben wurde. Dann gibt es einen kleineren Teil der das durch Traumatas oder schwierige Konstellationen in der Kindheit erworben hat. Und viele Mischtypen

Für mich besteht das Spannendste tatsächlich darin, jene Mischung von hinten nach vorne (also von Heute Richtung Geburt) auseinanderzudröseln und sich seinen eigenen Reim drauf zu machen; nicht so sehr auf das "Warum" sondern auf das "Wie" und das "WAS wurde dadruch wiederum ausgelöst".

Kann sein, dass es mich im Augenblick die Wirkung mehr als die Ursache fasziniert, weil die Erkenntnis "DAS bin also ich...!"  für mich noch relativ frisch ist.

Das "Warum" erinnert mich zu sehr an sich ewig dahinschleppende und absolut erfolglose Psychotherapien, die mir die Frage Frage danach eingebracht hat

Kein Wnder, dass die Wissenschaft da nicht weiterkommt...

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Mai

Autorin.

10.05.2019 um 12:39 Uhr

Ich hab das für mich getan und bin mir sehr bewusst, wie es dazu kam. Ist aus mehreren Komponenten zusammengesetzt. Ich für mich weiß, wie ich  so wurde, wie ich bin. BDSM ist ein Teil von mir, eine glasklare Fortsetzung meiner Persönlichkeit, die sich in der Sexualität nur spiegelt. Erst seit ich dieses Spielzeug für mich entdeckt habe, mach Sex überhaupt einen Sinn für mich.

Wenn eine Interesse besteht, kann ich das gerne mal ausführen.

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10.05.2019 um 12:47 Uhr

Mai

Wenn eine Interesse besteht, kann ich das gerne mal ausführen.

Ja bitte sehr. 

Ich habe zwar keine Lust, über mich nachzudenken.

Aber wenn du das genau weißt, möchte ich es gerne lesen. 

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Schattenwölfin

Autorin. Lektorin.

11.05.2019 um 11:19 Uhr

Meister Y

Es stimmt, niemand stellt heute noch Homosexualität in Frage ... 

Niemand??

Das sehe und beobachte ich (leider) ganz anders ... von den homofeindlichen Sprüchen im Stadion bis hin zur Hatz auf schwule Männer, vornehmlich z. B. im östlichen Nachbarland und darüber hinaus. Gut, dass es Menschen gibt, die dagegen Zeichen setzen.

Inwiefern der Einfluss der katholischen und anderer rückwärtsorientierter Glaubensträger dabei eine Rolle spielt, mag jeder für sich beantworten ...

Zum Thema zurück:

Ich bin davon überzeugt, meine Neigung gehört zu mir, wie zu meine Blutgruppe. Dass es dann in der Biografie ein paar Punkte gibt, die das Erkennen, Benennen und Ausleben begünstigt haben, mag sein. Ich würde das aber gegenüber dem Faktor "angewölft" nicht überbewerten. *

Dass es Grenzfälle gibt, in denen ein persönliches Leiden durch Schmerz relativiert wird, mag so sein. Ob das ein dauerhaft wirksames Mittel z. B. gegen BPS ist? Ich habe daran jedenfalls Zweifel.

In gar keinem Fall halte ich die Lust am Schmerz und/oder der Unterwerfung für therapierbar ... und das auch gar nicht für wünschenswert.

Viele Grüße

Wölfin

* Insofern wäre ich sehr interessiert an Deinen weiterführenden Gedanken, Mai:

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15.05.2019 um 13:27 Uhr

Wo liegen die Ursachen für sexuelle Neigungen?

*Lächel* Ja, die Frage die sich bei jedem stellt, der (bzw die) sich intensiver mit dem Thema befasst. Fast so elementar wie die Frage nach dem "Wo kommen wir her?" 

Die Frage habe ich in den letzten 20 Jahren in der Berliner Szene (anderswo mag es etwas anders aussehen) mehrfach diskutiert und dabei festgestellt das man vielleicht auch die Motivation zum BDSM dabei in Betracht ziehen sollte.

In den 90ern und frühen 2000ern gab es noch relativ wenige Informationen, Treffen bzw Stammtische (die meisten BDSM-Vereine/Organisationen in Deutschland wurden Ende der 90er gegründet.) Dadurch muße man sich doch schon deutlich mehr anstrengen und größere Hürden überwinden um Gleichgesinnte zu finden. Zur Folge hatte das, daß der "intrinsische Leidensdruck" sich mit dem Thema zu beschäftigen bei den Menschen in der Szene bzw Subkultur deutlich höher war.

Inzwischen sind die Informationen (IMHO oft ziemlich verwässert) fast frei und jedermann zugänglich und eine vielzahl von Leuten sind "von außen" also eher extrinsich auf das Thema aufmerksam geworden. Diese , ich will sie mal hedonistische BDSMler nennen, haben eine deutlich andere Motivation. Hier würde ich es eher mit der Vorliebe für eine gewisse Speise, Modestil oder ähnlichem vergleichen. Die Gründe für diese Vorlieben sind sehr vielfältig, zudem können sie sich auch mit der Zeit wieder ändern.  - Vielleicht noch als Hinweis aus früheren Diskussionen: Dies ist eine Beschreibung, wie ich es sehe und beinhaltet keine Wertung!

Die Menschen die ich um die Jahrtausendwende im Bereich BDSM und insbesondere im D/s Bereich kennen lernen durfte (überwiegend intrinsische BDSMler)hatten meisten eine ... euphemistisch gesagt: charakterliche Konfiguration, die sie zu solchen Beziehungsformen trieb. - Im SM Bereich habe ich in Gesprächen oft mit bekommen, daß ein gewisse Selbstbestrafung/Selbstverletzung auf den Top übertragen wurde um dadurch "geerdet" zu werden und dadurch ein Ventil für die entsprechenden negativen bzw unerwünschten Gefühle zu bekommen.

Im D/s Bereich habe ich dann eher gesehen, daß sehr viele (und ich nehme mich da nicht aus) D/s-ler Probleme mit Nähe/Distanz haben. Im allgemeinen waren die Doms eher distanziert und hatten Probleme mit (emotionaler) nähe. Während submissive Menschen eher Probleme mit Distanz hatten. Eine durchaus explosive Mischung . Die sich allerdings durch das Gerüst des D/s und die damit erzeugte Formalisierung der Beziehung handhaben ließ. Etlichen Paaren ist es daraufhin durchaus gelungen deutlich langlebige erfüllende Beziehungen zu führen und über die Jahre in ihren persönlichen Themenbereichen deutlich mehr Sicherheit zu gewinnen und diese Schwächen deutlich zu mildern.

Neben den Beobachtungen von außen haben zahlreiche D/s ler beiderlei Geschlechts in meinem Umfeld irgendwann zu den verschiedensten Anlässen professionelle Hilfe aufgesucht. Sei es um Probleme in einer Partnerschaft zu lösen, sich übers ich selber und seine Verhaltensweisen Klarheit zu verschaffen, oder um irgendwelche vorhandenen Traumata zu bearbeiten. Daraus hat sich ebenfalls gezeigt, daß zahlreiche BDSMler durchaus gewisse Tendenzen zu emotionalen Störungen haben.

Mein eigener Therapeut hat das dann recht gut auf den Punkt gebracht: Fast alle Menschen haben an der einen oder anderen Stelle unverdaute (Kindheits-)Traumata, Störungen in der emotionalen Steuerung oder bei der Wahrnehmung der eigenen Emotionen. Das führt im Allgemeinen dazu, daß man sich entsprechende Hilfsmittel, Berufe oder Umfelder schafft, in denen man ohne größeren Aufwand lebensfähig ist. - Mit etwas Einfühlung z.T. sehr gut an verschiedenen Politikern, Sportlern, etc zu sehen, die durch ihre Defizite getrieben hier eben besondere Leistungen zu bringen imstande sind. Entsprechend haben sich eben viele der (frühen)  BDSMler dieses Feld als "Ausgleich" gesucht.

Zu den Fragen ob BDSM genetisch bedingt  ist kann ich ein klares Nein geben. Das ist Sozialisation auf den verschiedensten Ebenen. Was sich z.B. schon an der Häufigeit des Auftreten erkennen läßt: Wäre es genetisch bedingt, müßte man sich wirklich fragen, warum sich die Zahl der BDSM-Treibenden innerhalb von etwa 15 Jahren von 0,3%-2% der Bevölkerung (Studien in den 90ern) auf 25%-40% (Spitzenwert  >80%, bei Studien ab 2010) erhöht hat.

Und ob BDSM therapierbar ist? Es kommt darauf an, welche "Sorte" BDSMler man ist. Bei hedonistischer Motivation ist das sicherlich ein vergeblicher Versuch. Wenn der Hintergrund eine tatsächle "Narbe auf der Seele" ist, kann sich da sicherlich etwas im BDSM evrändern, wenn ein guter(!) Therapeut an die Hintergründe geht. Bei mir selber hat es definiiv Verhaltensschemata aufgebrochen und Unsicherheiten herausgenommen, was mich - man erlaube mir die Selbsteinschätzung- zu einem deutlich besseren, aber auch gemeineren Dom gemacht hat.

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15.05.2019 um 16:21 Uhr

Nach euren doch auch längeren Texten, Einschätzungen, komme ich ins Grübeln. Sollte ich mir doch Gedanken machen um das Warum? 

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Schattenwölfin

Autorin. Lektorin.

16.05.2019 um 08:24 Uhr

griche

Nach euren doch auch längeren Texten, Einschätzungen, komme ich ins Grübeln. Sollte ich mir doch Gedanken machen um das Warum? 

Spontan möchte ich laut rufen: „Bloß nicht!!“

Jedenfalls dann nicht, wenn Du Dich in Monika Mustermann erkennst, die in der TV-Zeitschrift einen Artikel über Hautausschläge liest und sofort wegen einer x-beliebigen Rötung denkt: „Oh Schreck, ich auch!“

Etwas ernsthafter: Sich über ein Warum Gedanken zu machen, ist in meinen Augen (nur dann wirklich) sinnvoll, wenn man etwas als belastend empfindet oder ein Verhalten andere belasten (im Sinne von belästigen, verletzen) könnte.

Ich käme jedenfalls nicht auf die Idee, mich zu fragen, warum ich gerne Spaghetti mit Tomatensoße esse. Es schmeckt mir, meine Sinne haben Freude daran, Nudeln machen glücklich ... so isses auch mit der Lust an Schmerz und Unterwerfung.

Ich habe übrigens bewusst die Tomatensoße gewählt und keine Bolognese, die schon wieder ethische Fragen auf den Pastateller wirft. Kann man natürlich auch bei der Tomatensoße: Wie viel Trinkwasser wurde für die Tomaten verwendet? Wurden die Gemüsebauern anständig bezahlt? Wie wirkt sich der Transport der Tomaten aus Südeuropa zu uns auf meinen ökologischen Fußabdruck aus?

Was ich sagen will: Wenn man sucht, wird man immer etwas finden. Sollte man halt vorsichtig sein, wie man damit dann umgeht. Traue ich Dir, @griche , aber zu, dass Du Dich davon nicht wuschig machen lässt.

Morgengrüße

Wölfin

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16.05.2019 um 09:02 Uhr

Neee.....ganz und gar nicht. Die Schrecksekunde ist schon vorbei. 

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Mai

Autorin.

16.05.2019 um 10:21 Uhr

geändert am 16.05.2019 um 10:24 Uhr

So, hier mal meine vorläufige Selbstanalyse:

Ich bin, wie ich bin, ein Ergebnis aus Genen, Erlebnissen, familiären Konstellation und auch einer gehirnstoffwechslerischen  Variation.

Fangen wir mit dem Gehirn an:

Ich habe die Verhaltensoriginalität ADS geerbt. Ganz vereinfach ein Blick in das Gehirn, bei mir versickert ein Impuls im Gehirn schnell. Das bedeutet ist ein, in dem Fall sexueller, Impuls zu soft, dann verliert er sich sofort in meinen Synapsen und ich spüre das kaum und bin sofort abgelenkt von etwas anderem. Sprich, streichelt ein Mann zärtlich meine Brüste, fühlt sich das so an wie eine Schmeißfliege,  die drei Zimmer weiter immerzu dusselig  an eine Scheibe fliegt, kaum wahrzunehmen, aber irgendwie nervig. So wie einmal eine Textzeile für eine Blinde geschrieben wurde: „Sie spürt Musik nur, wenn sie laut ist“. So spüre ich Sex nur, wenn er brutal ist. Ich brauche von allem immer ziemlich viel. Es muss mich kicken, am besten auf mehreren Ebenen, Schmerz, Angst, Lust. Dann bildet sich genug Dopamin und ich bin total bei der Sache. Gefesselt sein hilft mir auch, bei der Sache zu bleiben. Ist wie eine Art Lesezeichen, das mich immer dran erinnert, dass ich jetzt Sex habe und nicht drüber nachdenke, was ich morgen einkaufen muss, oder mir überlege, ob das gerade ein VW-Käfer war, den ich hörte, oder ob das ein Grün-oder Bundspecht war, der am Fenster vorbeigeflogen war. Ich sehe dann auch nicht die Spinnenwebe in der Ecke, oder was ADSler sonst noch so ablenkt, wenn er wie meist nicht bei der Sache ist. Das war bei mir schon immer so. Den Tanz auf Messers Schneide hab ich schon immer gesucht, dann bin ich auch bei der Sache und fokussiert. Es muss aber gefährlich, kompliziert und kickend sein, sonst konzentriere ich mich nicht.

 

Masochismus:

Ich habe so mir 5 meinen leiblichen Vater aus meinen Leben verloren durch eine ziemlich üble Geschichte, auf die ich nicht weiter eingehen möchte, tut auch nichts zu Sache. Jedenfalls war mein Urvertrauen in Männer früh ruiniert.  Deshalb konnte ich lange nur Männer lieben, die schlecht für mich waren. Gutmeinende waren mir zu langweilig. Bis ich den Zaubertrick sexuelle Neigung fand, das stillt meinen Hang zu „Liebe muss wehtun“. Seither kann ich aufrichtige und gutmeinende Liebe ertragen und bin sehr glücklich. Also kein Realmasochismus mehr, sondern körperlicher.

 

Warum unten sein wollen?

Ich habe ehemals ziemlich flippige Hippieeltern. Bin also ohne Machstrukturen aufgewachsen. Und dadurch ziemlich geschwommen. Dazuhin war ich ziemlich erziehungsresistent. Da ich Autoritäten nie anerkannt habe. Dabei hätte ich ziemlich dringend Grenzen gebraucht. Heute genieße ich die klaren Strukturen meines dominanten Freundes. Mag es das erste Mal, mich einer Entscheidung eines anderen Menschen auch mal zu fügen. Was früher nur zu Trotz geführt hätte. Klar kann ich das nicht immer. Dazu bin ich zu autonom. Aber ich sehe heute, wie wohltuend es ist, einmal jemandem zu folgen, der es gut mit einem meint. So etwas kenne ich nicht. Da mich das sexuell kick, belohnt sich Fügsamkeit aber direkt.

 

Das ist mein Weg nach Rom. Ich sehe aber gar nichts als Makel an, fühle mich weder psychisch krank, noch traumatisiert, ich bin eben so, wie ich bin und die Neigung ist die natürliche Entsprechung meines Wesens. (und nein, ich brauch auch nicht aus verschiedenen Schattierungen des Graus ins Licht geführt werden)

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