Meister Y
Ein bisschen ärgere ich mich, dass es gerade bei einer Übung, bei der es weder auf Können, noch auf Perfektion, noch auf irgendetwas (von den Regeln mal abgesehen) ankommt, so wenig Beteiligung gibt. Gerade hier, wo man sich einfach mal ausprobieren könnte, wo niemand jemanden angreift weil mal etwas nicht hundertprozentig passt. Hier wo sich keiner über Rechtschreibfehler oder falsch gesetzte Kommata aufregt, gerade hier könnte man doch, wenn man sich einfach mal trauen würde.
Ich rufe daher noch mal in die Runde: Traut Euch, es kann wirklich Spaß machen
.
Ohne Deinem Aufruf seine besten Absichten streitig zu machen, fleißiger Mitschreiber MeisterY, vielleicht gibt es hier eine Reihe Schreibende, die sich verbessern wollen? Und um mich zu verbessern, muss mich jemand auf meine Fehler hinweisen. Deshalb bin ich froh, wenn das geschieht. Weil ich den Fehler selbst eben nicht wahrgenommen habe, weil er mir einfach passiert ist. Und damit meine ich keine Rechtschreib- oder Kommafehler, sondern sprachliche Unsauberkeiten, unlogische Abläufe usw.
Wer eine sachlich begründete und vorgetragene Kritik als Aufregung oder gar Angriff versteht, mag das aber naturgemäß anders sehen.
Klar soll die Übung Spaß machen. Aber so wenig wie keine Kritik schon Lob ist, so führt reine Lobhudelei doch eher zu einem Auf-der-Stelle-treten als zu einer Weiterentwicklung ... und für die übt man doch schließlich (zumindest) auch.
Wölfin

).

17.07.2018 um 22:03 Uhr
„Kannst Du noch?“
Da sie nicht antworten kann und auch den Kopf nicht schütteln, weitet sie ihre Augen.
Er zieht ein weiteres Buch vom Stapel unter ihren Füßen weg. Ihr Körper längt sich um weitere Zentimeter. Das Seil hält. Er lässt seinen Blick daran entlang bis zum Balken unter dem Dachfirst in die Höhe wandern. Ich bin der Zimmermann. Ich bin die Axt, denkt er.
„Kannst Du noch?“
Winzige Schweißtröpfchen pressen sich aus den Poren ihrer bloßen Haut hervor, verlieren den Halt, vereinigen sich zu Perlen der Schonungslosigkeit und rinnen im Zickzack getrieben über Hügel und Täler hinab. Erstarrt versucht er ein Muster darin zu erkennen. Der Nabel als Rückhaltebecken? Und wo wird sich ein See bilden? Doch hoffentlich nicht auf seinem guten Buch. Auch deswegen wischt er es unter den Fußsohlen hinweg und sie steht nun auf den Spitzen ihrer Zehen. Sehnen, Äderchen, winzige Muskeln, was für Kunstwerke! Noch einmal um Buchrückenbreite tiefer und das Seil staubt, als es alles Lebendgewicht dem Balken, um den es gewunden ist, überträgt. Jetzt pendelt sie langsam aus. So leicht. So unbeschwert. Schwebend.
Er prüft ihre Hände, die er warm und weich vorfindet. Ihr sanfter Gegendruck ist Signal genug. Und doch wirkt ihr Leib angespannt, als müsse er sich noch an etwas festhalten. Das ist das Ungewohnte.
Er lässt sie ohne Flügel schweben. Und auf dem Dachboden ist nur Atmen. Konzentriertes, wartendes Atmen. Das Ungewohnte macht Angst. Die braunen Augen schließen sich, und sie wird ganz sanft ohne Schwerkraft. Jetzt lässt sie los. Jetzt hab ich sie, denkt er. Und sie ist wie eines der in der Luft schwebenden Staubteilchen.
Ein Knarren des Balkens zerreißt das gerade gewachsene Vertrauen. Sie reißt die Augen auf, er erschrickt, und beide starren nach oben. Dort jedoch ist Halt.
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