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Schattenzeilen

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Forum - Veröffentlichungen auf den Schattenzeilen - Geschichten und Gedichte

'Der Ast' von Nachtasou

Bezieht sich auf die BDSM-Geschichte 'Der Ast'.

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Schattenzeilen

Autorin. Teammitglied.

Der Ast

von Nachtasou

Irene überlegt, ob sie weiterschlafen solle und ob es ihr möglich sein würde, an ihren Traum von eben anzuknüpfen. Sie drückt ihre Hände in den Schoß und schließt die Augen, geht zu den zwei jungen und biegsamen Birken, stellt sich zwischen sie und streckt ihre Arme nach ihnen aus.

Die BDSM-Geschichte lesen: Der Ast von Nachtasou

Söldner

Autor. Lektor. Förderer.

09.09.2016 um 07:36 Uhr

Ein Blues der verpassten Gelegenheiten, eine Geschichte von der verlorenen Zeit und dann, als Abrundung, die Hoffnungslosigkeit einer Erkenntnis. Hier passiert nichts mehr, nicht in diesem Leben.

Oder doch? Der Trost, in eigenen Träumen anderswo zu sein? Ach, die kleine Flucht der Phantasie.

Was macht diese Kurzgeschichte?

Sie verbittet sich jegliche Wertung denn sie zeichnet lediglich ein Bild mit dem sie bei mir folgende Empfindungen hinterlässt.

1. Mann, was für ein armes Huscherl.

2. Mensch, geht es mir gut.

3. Wie kann man sich nur so im Weg stehen?

4. Böses Beispiel, ich muss immer dran bleiben, meine Dinge konsequent verfolgen.

5. Ja, gut, aber weltweit kommen auf die Frau immer noch 10 Andere, denen es bedeutend dreckiger geht.

6. Zu viel Reflexion führt zur Psychomacke. Immer mehr Leute haben ein Ding weg. Nach heutiger Sicht hätte man nach dem letzten Krieg 60 Millionen Deutsche in die Geschlossene stecken müssen.

7. -

Noch etwas verbreitet die Geschichte, Aura. Der ganze Ablauf liegt hinter einem dicken Nebel, der mich beim Lesen einhüllt, ängstigt und ab und an einen flüchtigen Blick in eine andere Welt gestattet.

Nachtasou, mich gruselt. Du hast mich in eine Welt mitgenommen, in die ich nicht will. Dieser Text bewegt mich, er regt mich zum Nachdenken an.

Feiner Pinsel! Vielen Dank für diese überaus gelungene Kurzgeschichte.

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Schattenwölfin

Autorin. Lektorin. Förderer.

09.09.2016 um 07:53 Uhr

Söldner

6. Zu viel Reflexion führt zur Psychomacke. Immer mehr Leute haben ein Ding weg. Nach heutiger Sicht hätte man nach dem letzten Krieg 60 Millionen Deutsche in die Geschlossene stecken müssen.

Vollkommen losgelöst von dieser Geschichte: Danke für diese Aussage.

Mich beschleicht häufig das Gefühl, dass man heute - überspitzt ausgedrückt - schon schräg angesehen wird, wenn man sagt, man fühle sich psychisch im Gleichgewicht. Am Ende sogar trotz durchaus "schräger" kindlicher Erfahrungen, die man ganz ohne professionelle Hilfe erkannt, benannt, überwunden hat. Vielleicht aus einer simplen Überlebensstrategie heraus.

Ich sehe die Erhebungen, denen zu Folge die Zahl der psychischen Erkrankungen zunimmt, und zwar rasant. In einem friedlichen und wohlhabenden Land. Und ich habe dabei immer das Bild von dem Wald im Kopf, den man vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Jeder pflegt sein seelisches Zipperlein, aber diejenigen, die es wirklich nur mit professioneller Hilfe schaffen können, müssen halbe bis ganze Jahre auf einen entsprechenden Therapieplatz warten.

Wölfin. Sicher aneckend.

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Gelöscht.

09.09.2016 um 21:21 Uhr

Lieber Nachtasou,

ich bin ganz ehrlich. Ich musste Deine Geschichte mehrmals lesen, weil sich mir ihre Bedeutung einfach nicht erschließen wollte. Weil ich besonders gespannt war und einer Deiner ersten Leser sein wollte, las ich sie mitten in der Nacht. Ich war eindeutig zu müde, daher las ich sie noch einmal im Laufe des Tages. Es wurde klarer. Nun habe ich sie zum dritten, vierten und fünften Mal gelesen. Ob ich sie tatsächlich richtig interpretiere, vermag ich nicht zu sagen. Zumindest fühle ich mich jetzt in der Lage sie zu kommentieren: 

Gelesen habe ich einen melancholischen, tiefsinnigen Ausschnitt aus dem Leben von Irene R., die seit ihrer Pubertät auf der Suche nach sich selbst scheint, sich nie ernst oder richtig wahrgenommen fühlte. Die Versuche ihr Leben in gesellschaftliche Raster zu pressen (Beruf, Ehemann, Kind), ließen sie irgendwann erkennen, dass sie in gar keiner Weise mit sich selbst und anderen glücklich ist. Der Versuch die gesellschaftlichen Normen  weitestgehend abzustreifen (Kind erwachsen, Trennung Ehemann, Halbtagsjob) brachte hingegen auch nicht die Erfüllung, nach der sich Irene sehnte. Sie empfindet sich als anders und nicht zugehörig, vielleicht schon ihr Leben lang, sehnt sich nach einem anderen Leben in einer anderen Zeit. Nun begleiten wir sie schließlich bei dem letzten Versuch sich zu finden, sich zu erden bzw. zu besinnen, indem sie in der Natur versucht Antworten und sich selbst zu finden. Die Antworten jedoch befinden sich bereits in ihr. Irene hat sie bereits entdeckt, ihre Neigung zum Schmerz und damit zum SM, welche immer wieder in Form des einen Traumes, der einen Phantasie an die Oberfläche tritt. Nur leider kann sie diese so gar nicht annehmen, weshalb sie auch Hilfe bei einem Facharzt sucht. Irene versucht Ihrer Phantasie immer wieder zu entkommen und damit ihrer Neigung, weil sie Probleme hat diese anzunehmen und diese als einen Teil von sich zu verstehen.

Lieber Nachtasou, für mich hast Du auf sehr komplexe Weise ein Thema aufgegriffen, in dem sich gewiss ein großer Teil der BDSMler wiederfindet. Das sind nämlich diese Menschen, welche ihre Neigung (zumindest im Anfangsstadium der Realisierung) nicht als Bereicherung wahrnehmen, sondern als etwas Unnormales oder gar Krankes, als etwas das behindert und von dem man sich wünscht, dass man es nicht hätte. Du hast dies wundervoll verpackt in mehreren Episoden, die in der Geschichte nebenher geschehen (Irenes Beruf- und Lebenswelt, ihr Traum/ ihre Phantasie, Irenes Arztbesuch) und Deine Protagonistin schließlich in ihrer Zwiegespaltenheit und den unterschiedlichen Rollen dargestellt. Der bewusste Einsatz der Wortwiederholung von "Sie hatte" zum Beginn der Geschichte, welche schließlich mündet in "jetzt ging sie ...", fesselt nicht nur und baut eine ungeheure Spannung auf, sondern unterstreicht auch Irenes Versuche endlich Bestätigung und Erfüllung zu finden. 

Nach wie vor bin ich der Meinung, dass es schwer fällt Dich und Deine Geschichten zu lesen. Aber wieder hast Du für mich in beeindruckender Weise bewiesen, dass sich jedes nochmalige Lesen lohnt, man immer neue Aspekte entdeckt und immer wieder einen neuen Leseeindruck erhält. Zwar gruselt mich Deine Geschichte weniger, jedoch danke auch ich Dir sehr für dieses komplexe Werk.

P.S. Die nächtliche Leseaktion hat sich gelohnt. Ich bin zwar nur die dritte Person, welche ein Kommentar zu Deiner Geschichte verfasst, jedoch war ich die erste Leserin! 

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Devana

Autorin. Lektorin. Teammitglied.

09.09.2016 um 21:38 Uhr

Darf ich auch ganz ehrlich sein? Ja, natürlich.

Gerade habe ich die Geschichte gelesen, blickte dann auf und fragte Jona, der mir gerade gegenüber sitzt, ob er die Geschichte schon gelesen habe. Hatte er nicht.

Darauf meinte ich sinngemäß folgendes:

"Nachtasou ist ein Wortkünstler, aber manchmal ist es mir zu viel."

Was ich damit meine? Man liest Deine Geschichten, ist überwältigt von Sprache, Ideen, Stimmungen, Komplexität und vielem mehr - und doch ist der Lesegenuß getrübt, da man so sehr damit beschäftigt ist, den Sinn der Geschichte zu begreifen oder auch nur zu erahnen. Ich war fast erleichtert, als ich nach meinem kleinen Dialog  mit Jona Doros Kommentar las.

Bei dieser Geschichte auch ganz am Anfang die Frage: Handelt es sich um eine oder drei Personen (Sie, die das Haarband getragen hat, Frau R und Irene).

Ich würde mir bei Deinen Texten oft eine etwas bessere Lesbarkeit wünschen. Nicht jeder Satz muss ein Kunstwerk sein. Manche Sätze können dem Leser auch einfach beim Lesen und Verstehen helfen.

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Nachtasou

Autor.

10.09.2016 um 00:06 Uhr

Danke für Eure prompten wohlmeinenden und auch kritischen Kommentare.

Ein Motiv, mich wieder auf den Schattenzeilen eingefunden zu haben, war auch, zu lernen etwas besser zu erzählen als bisher. Ja, ich schreibe verschwurbelt. Aber nicht, weil ich das so will *g. Ich bewundere z.B. Sisa, die gut erzählen kann und Leser durchlotst.

Unter Marktbedingungen liest niemand einen Text dreimal. Umso wertvoller ist mir, dass auf den Schattenzeilen Ausnahmen gemacht werden.

Natürlich kannst Du ehrlich sein, Devana, nur zu! Mir hilft´s. Und wenn nächstes Mal nicht wenigstens ein Hauch Besserung zu verzeichnen ist, würde ich das auch erfahren wollen.

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Gelöscht.

10.09.2016 um 00:34 Uhr

,,,

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11.09.2016 um 17:36 Uhr

Kritik hin oder her. Beim zweiten Lesen habe ich Deinen Text wirklich genossen.

Mehr noch: Er hat Appetit auf wirklich gute Literatur voll von schöner Sprache geweckt.

Du gibst Deinem Leser zwischendurch durchaus kognitive Atempausen.

Der Wechsel von einfachen Dialogen mit der sprachlich wundersamen Bilderwelt gibt der Geschichte Halt.

Nur statt einem trotzigen "Hex hex, wer bin ich denn!" hätte ich mir am Schluss vielleicht

ein "Ja, ich lebe!" gewünscht.

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Meister Y

Autor. Förderer.

13.09.2016 um 11:03 Uhr

Mhm...

Lieber Nachtausou, eines schaffst Du mit Deinen Geschichten immer wieder, mich zu wirklichem Lesen zu zwingen. 

Sprachlich wunderbar, durchzogen von einfachen Dialogen und wundervoll gestalteten Bildern durfte ich einen kurzen Einblick in ein Leben lesen, dass eigentlich nicht gelebt schien. Voller Melancholie und Traurigkeit, Versuchen des Ausbrechens und der Erkenntnis, dass da tief im Ich etwas schlummert.

Ein Ausschnitt, der eigentlich nicht bewertet gehört mich aber durch die außergewöhnliche Art des Schreibens, die Art Worte zu setzen, damit ein teils schauriges Bild zu zeichnen wieder begeistert hat.

Vielen Dank für Zeilen, die ich wirklich gelesen habe, die Fragen in mir aufwerfen, die ich mit Sicherheit mit ein wenig Abstand nochmals lesen werde.

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Knurrwolf

Autor.

16.09.2016 um 22:25 Uhr

Ich finde die Geschichte von der Bildsprache sehr gut, dir gelingt es wirklich gut innere Eindrücke zu erwecken. Der eigentliche Sinn hinter dem Text hat sich mir zwar nicht ganz erschlossen - vielleicht werde ich sie später einfach noch einmal lesen - aber er hat mir rein von der Form her gefallen.

Leider muss ich zugeben, dass solche eher biografische Werke die scheinbar Gedanken, Gefühle und Situationen frei ineinander übergehen lassen nicht so das meine sind. Aber für all jene, denen es anders geht, hoffe ich du wirst noch weitere Werke zu Papier bringen

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Margaux Navara

Autorin. Förderer.

19.09.2016 um 09:52 Uhr

Mir haben es besonders die ersten drei Absätze angetan, in denen Du mit wenigen Sätzen und kleinsten Hinweisen ein Leben zeichnest. Ich wünschte, das könnte ich auch so!

Ja, Deine Geschichte ist schwer zu lesen und man muss immer wieder nachlesen, wie Du das nun gemeint haben könntest, aber sie fasziniert auch und hinterlässt vor allem Eindruck. Ob es der gewollte ist? Ein Teil Mitleid, ein Teil Empörung über die immer noch anhaltende Verweigerung, ein Teil Glück, weil ich nicht so leben muss, weil ich diesen Schritt längst getan habe, weil ich mich als zufrieden und vollständig empfinde, nicht als krank und einsam und leer.

Nein, Du hast recht, sie ist nicht marktgerecht. Aber ich glaube fest daran, dass sie genau hier, auf diesen Seiten, gut aufgehoben ist. Gerüchten zufolge soll es hier Menschen geben, die auch hinter die Worte schauen können.

Kompliment also, von einer, die im Vergleich zu dir oberflächlich schreibt, dafür aber für den Markt.

Meine Spannung in Bezug auf die Schreibwerkstatt steigt zusehends.

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