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Einen Himmel voller Fragen

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Profil unsichtbar.

Gelöscht.

10.04.2016 um 13:23 Uhr

Guten Tag,

ich möchte mich vorstellen: Mein Name ist Andreas, ich bin 48 Jahre alt und komme aus dem schönen Rheinland. Ich bin seit 15 Jahren verheiratet. Woraus sich auch gleich erklärt, dass ich hier keinerlei sexuellen Kontakte suchen will. Ich bitte das zu beachten!

Warum ich mich hier angemeldet habe, muss ich erklären. Nach vielen Jahren Ehe hat sich bei uns scheinbar Alltag eingeschlichen. Das ist nicht seit gestern so. Oder anders, um ehrlich zu sein hat meine Frau vor Wochen das Gespräch begonnen und mich kalt erwischt damit. Sie hat mir erklärt, dass sie seit langem auf SM steht und es ihr fehlt, das zu betreiben.

Ich habe das zuerst für einen Scherz gehalten, dann habe ich versucht, ihr klarzumachen, dass ich damit nichts anfangen kann. Ihre Meinung ist, dass sie nicht bereit ist, länger vollkommen ohne sowas zu leben. Gefragt danach, warum, sagt sie, sie könne es "nicht unterdrücken". Nach anfänglicher Panik (ist das eine Krankheit? brauch sie einen Psychologe?) habe ich beschlossen, mich im Internet kundig zu machen und bin hier gelandet. Nicht, weil es das erstbeste Suchergebnis war, sondern weil es die einzige Seite ist, die nicht so abstoßend aussieht wie andere.

Da sind wir auch schon bei meinem Problem. Mein Verständnis über das SM. Ich kann mich mit dieser Verhaltensauffälligkeit bislang nicht anfreunden. Ich bin ehrlich gesagt geschockt darüber, dass eine Frau (es ist meine Frau, die ich zu kennen dachte!) ein Halsband wie ein Hund umgelegt haben will. Und das ist noch ganz harmlos. Sie redet von Fesseln und Schlägen und mir wird übel bei der Vorstellung, was da noch auf mich kommt.

Ich suche hier Erklärungen. Wie kann eine Frau im 21. Jahrhundert sich von ihrem Mann schlagen lassen wollen? Wieso kann sie nicht darauf verzichten, gefesselt und gedemütigt zu werden? Wieso ist unsere Liebe zueinander umgeschlagen in das Bedürfnis von ihr, durch mich beschimpft und kontrolliert zu werden?

Meine Frau weiß, dass sie mein Weltbild ins Wanken gebracht hat. Sie weiß aber nicht, dass ich mich hier angemeldet habe und umsehe. Ich will gern versuchen, ihr irgendwie entgegen zu kommen, denn ich will unsere Ehe retten. Aber ich fühle mich absolut ratlos. Ich habe Sorgen, dass ich mich lächerlich mache (und ich fände es auch lächerlich), wenn ich ein Halsband kaufe und ihr um den Hals schnalle. Was dann? Soll ich warten, dass sie Wuff macht? Und wie soll ich sie schlagen, muss ich sie fragen, wohin? Und dann gibt es hier Dinge, die mir regelrecht Angst machen. Ihr habt eine Umfrage zu "Mumifizierung" und ich bin ehrlich gesagt geschockt, dass man sowas einem Menschen antut.

Bitte versteht mich und habt Rücksicht, ich habe mich in keiner Weise mit SM beschäftigt bisher. Ich kenne es aus einem Kinofilm, in den mich meine Frau geschleift hat, der sich mir aber nie erschlossen hat. Aber wenn das der Weg ist, um meine Ehe nicht zu verlieren, dann muss ich ihn mir ansehen. Ob ich ihn gehen kann, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Ich kämpfe schon damit, all diese Dinge nicht mehr pervers und schmutzig zu finden.

Wenn der Beitrag hier nicht hingehört, bitte verschiebt ihn.

Viele Grüße

Andreas

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Devana

Autorin. Teammitglied.

10.04.2016 um 22:39 Uhr

Lieber Andreas,

puh - das ist ein Sack voller Probleme, den Du da so ganz unerwartet plötzlich mit Dir schleppen musst.

Ich kenne den Konflikt, in dem ihr steckt, sehr genau, habe ihn selbst durchlebt. Gerne würde ich Dir ausführlich antworten, nur fehlt gerade die Zeit dafür. Ich komme erst am Dienstag oder Mittwoch wieder dazu.

Zunächst nur ein paar Gedanken. Betrachte das, was in Deiner Frau steckt nicht als Krankheit, Verhaltensauffälligkeit oder dergleichen, sondern als eine Neigung, die meist angeboren ist und irgendwann zum Vorschein kommt. Ich vergleiche das am liebsten mit Homosexualität. Auch das ist eine Neigung, die man nicht verleugnen,sondern andernfalls unterdrücken kann. Ich vermute, dass Deine Frau schon lange entsprechende Fantasien hat, sich aber nie getraut hat, Dir das zu sagen.

Sie ist nun diesen Schritt gegangen und ihr müsst beide damit umgehen.

Meine erste Bitte ist: Lasst euch Zeit. Redet viel, aber macht euch keine Vorwürfe. Das gilt für beide Seiten. Sie kann nichts dafür, dass sie diese Neigung in sich trägt und Du kannst nichts dafür, dass sie in Dir eben nicht steckt.

Es wird nicht leicht sein, damit umzugehen. Ihr müsst einen Kompromiss finden, mit dem beide leben können ohne sich total zu verbiegen.

Und ganz ehrlich: Es kann auch scheitern.

Dazu schreibe ich aber, wenn Du möchtest, im Laufe der kommenden Woche mehr. Vielleicht übernimmt es ja auch schon zwischenzeitlich jemand anderer in diesem Forum. Ich werde auch versuchen, Dir ansatzweise zu erklären, was SMler fühlen, was sie wollen und dass es ganz große Unterschiede zwischen "ein Mann schlägt seine Frau" und "ein Mann schlägt seine Frau (weil sie Smlerin ist)" gibt.

Ein schwerer Weg liegt vor euch. Ich wünsche euch viel Kraft und Glück dabei.

Liebe Grüße

Devana

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Profil unsichtbar.

Gelöscht.

10.04.2016 um 22:44 Uhr

Hallo Devana,

danke für die Antwort. Weil niemand was schrieb, hatte ich schon Angst, dass man sowas hier nicht fragen darf.

Ich werde noch ein wenig Geduld haben.

Danke und einen freundlichen Wink an Dich

Andreas

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Cayt

Autorin.

10.04.2016 um 22:47 Uhr

Hallo Schmusemann!

Von mir Hut ab! Denn daß jemand sich dennoch ernstlich damit auseinander setzen möchte, obwohl er sich davon eher abgestoßen fühlt, ist nicht die Regel.

Es ist - zumindest für mich - auch kein Problem, wenn Du SM pervers und abstroßend findest. Respektvolle Ehrlichkeit ist mir weit aus lieber, als geheucheltes Verständnis.

Ich bin aber auch ehrlich gesagt kein Fan davon, daß jemand sich nun - auch sei es noch sehr aus Liebe zu seinem Partner - verbiegt und sich zu etwas zwingt, was nun mal nicht seine Neigung ist. Sowas schafft nur wirklichen Frust. Man kann einen vollkommen unmusikalischen Menschen nun mal auch nie für Beethoven begeistern. Das ist kein Beinbruch. Es wäre aber Dir selbst und Deiner Frau - Euer Beziehung - gegenüber einfach nur falsch, nun ihr zu liebe auf Brechen und Biegen das in Dir zu erzwingen.

Nebenbei ist ja mit dem Wunsch Deiner Frau nicht mal bei einem eventuellen Anklang Deiner Seits gegeben, ob du wirklich dabei den dominanten Part magst, sondern eher den devoten.

Wenn Du es dennoch trotz Deiner Ablehnung dazu probieren möchtest, würde ich eher folgendes raten:

Deine Frau möchte, daß Du den dominanten Part einnimmst. Was Dir auch die Möglichkeit schafft, zu bestimmen, wie dieser Versuch laufen soll und wie weit er gehen kann. Du bestimmst es dabei, nicht sie. Und - so ich das nicht falsch erlesen habe - hat sie zwar seit Jahren die Phantasien. Aber reale Erlebnisse, um für sich zu wissen, das mag sie real ebenso wie sie es sich in ihrem Kopfkino so erdenkt, hatte auch sie nicht. In der Vorstellung klingt so einiges verdammt toll und geil, aber in der Realität ist es dann alles andere als happy.

Halsband, Fesseln, wirklich richtige "Schläge" müssen bei einem Versuch lange nicht sein. Ein Halsband symbolosiert für viele so und so den Besitz. Solang ihr beiden nicht wißt, ob Ihr wirklich SM für Euch auch zukünftig erobern wollt, finde ich braucht auch kein Halsband schon eine Rolle spielen. Das halsband hat Zeit bis, sollte es soweit bei Euch überhaupt kommen" Ihr wirklich Gefallen daran findet.

Fesseln brauchst Du auch nicht. Nimm sie einfach übers Knie, setz Dich dazu bequem aufs Bett oder Sofa, zieh ihr das Hinterteil blank und geh es einfach im ruhigen und harmlosen Rahmen an. Wenn sie aufbegehrt, weils ihr vielleicht zu wenig wäre, erinner sie daran, dass sie Dir die Fühung überlassen wollte dabei *g*. Das nimmt Dir auch ein wenig den Druck, da nun groß etwas bringen zu müssen. Denn Du bestimmst, wo es lang geht.  Befehl ihr, ihre Hände hinter ihrem Rücken zusammen gehalten zu belassen und das so lange, wie Du das so möchtest. Und dann beginn ein für Euch beide gleichsam anregendes und erregendes Wechselspiel aus Stimmulieren Deiner Frau und zwischendurch leichten Klappsen auf ihr Hinterteil. Vielleicht ja mal ein Klappser doch ein wenig fester - ohne dass es gleich damit ein richtiger, harter Schlag sein muß. Viele kleine harmlose Klappser auf ein und der gleichen Stelle können durchaus auch sehr anregend und wirksam sein.

Wichtig! Vergiß Deine Frau dabei nicht. Beobachte sie,macht es sie wirklich an, gefällt ihr das wirklich so, wie sie es sich vorstellt? Frag meinetwegen lüstern "Macht Dich an ?" "Soll ich weiter machen?" Vereinbare mit ihr vorab ein Codewort. Wenn das von ihr fällt, egal wie toll es vielleicht doch sich entwickelte, ist Schluß. Verlang von ihr Ehrlichkeit, daß sie ehrlich sagt, wenn sie sich doch nicht wohl fühlt dabei. Auch sie darf dabei dann nicht auf Teufel komm raus etwas erzwingen.

Was Du hier und anderen Stellen noch so alles liest oder siehst, das Dich noch mehr abstößt - vergiß erst mal vollkommen. Wenn es nach diesem "Versuch" bei Dir weiterhin keinen Anklang findet, ist es vollkommen egal, was es im SM so alles gibt.

Solltest Du danach doch Gefallen gefunden haben, lannst Du immernoch mit all Deinen Fragen dann wieder ankommen. Und sieh die große Bandbreite des SM/BDSM wie ein reisengroßes Buffet an. Der eine mag nur vegetarisch, der nächste nur herzhaft, der dritte knabbert lieber nur an einem trocken Knäckebrot und der vierte schaufelt sich nur Kuchen rein rein. Keiner von ihnen wird wirklich alles von diesem riesen Angebot des Buffet mögen. Sprich, was Dir nicht gefällt mußt Du auch nicht für Dich anwenden.

Warum ein Mensch im heutigen Zeitalter den Wunsch verspürt sich entwürdigen zu lassen, sich unter den Willen eines anderen zu stellen oder von ihm gezüchtigt werden möchte, lass ich auch mal aus Absicht hier jetzt unbeantwortet.

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Gelöscht.

11.04.2016 um 00:15 Uhr

Hallo Devana und hallo Cayt,

ich will Euch auf Eure Ratschläge Feedback geben, denn Ihr habt ja auch Zeit geopfert für mich. Danke nochmal.

Ja, Devana, das ist ein Sack voller Probleme, das stimmt. Im Moment weiß ich nicht, wo ich anfangen und aufhören soll und ich schlafe nachts schlecht, weil ich ständig daran denke, dass meine Frau auf Dinge wartet, die mich abstoßen. Das, was wir bisher als Sex erfüllend fanden, jedenfalls für meinen Teil kann ich das so sagen, findet nicht mehr statt. Ich frage mich da auch, ob sie überhaupt den Sex zwischen uns so erlebte, wie ich. Oder bin ich da jahrelang betrogen worden?

Wir haben mittlerweile getrennte Betten...

Dass Du das selbst durchlebt hast, macht mich neugierig, und auch sprachlos, Devana. Bitte sage mir, wieso eine Frau nach so vielen Jahren plötzlich ihrem Mann eine Neigung erklärt, die sie angeblich schon immer hat? Und warum das nicht von anfang an gesagt werden kann. Wie kam Dein Mann damit klar und was hat er getan? Ich bin um jeden Ratschlag dankbar!

Der Hinweis, dass dieses BDSM keine Krankheit ist, mag stimmen. Aber mir kam es so vor und manchmal ist es noch immer so. Weil ich das aus psychologischer Sicht nicht nachvollziehen kann. Welche Veränderung geht in einem Kopf vor, dass man solcherlei Dinge als schön empfindet? Ich weiß, es gibt Menschen, die sich selbst verletzen oder die sich tothungern, weil sie glauben, sie seien zu dick. Was genau ist der Anlass, dass man sich weh tun lassen will, wenn es kein klinischer ist? Bitte versteht das nicht falsch, ich möchte nur meiner Frau helfen und in keiner Weise bewerten, was Ihr hier tut und empfindet, denn das geht mich nichts an.

Dass meine Frau diese Sache in sich trägt, seit wir uns kennen, ist eine Sache, die ich erst begreifen muss. Ich kann es einfach nicht glauben, denn es hieße, dass sie mir fünfzehn Jahre etwas vorgemacht hat.

Vorwürfe machen wir uns nicht, Devana. Zurzeit haben wir leider kaum Kommunikation. Sie hat mir erklärt, dass sie dem BDSM verfallen ist und ich kaue an dem Brocken. Wir hatten ein Gespräch über das, was sie ihre Leidenschaft nennt, weil ich wissen wollte, was konkret sie überhaupt meint. Danach war ich schockiert genug, um noch mehr hören zu wollen. So viel abartiges Zeug, dass ich es hier nicht wiedergeben will.

Wie ein Kompromiss aussehen soll, weiß ich nicht, Devana. Was ich gerade mache, ist schon ein ungeheures Entgegenkommen an meine Frau, auch wenn sie davon nichts weiß. Ich will mir nicht nachsagen lassen, dass ich alles einfach abgetan hätte. Aber ich kann mir zum Beispiel auch nicht vorstellen, wie Cayt es vorschlägt, dass ich meine Frau über das Knie lege und ihr auf den Hintern haue. Bitte... das sind Dinge, die mittlerweile und glücklicherweise auch in der Erziehung von Kindern als unvertretbar gesehen werden. Und wenn, wie soll das ablaufen? Ich gebe ihr einen Klaps auf den Hintern und dann? Was hat das mit Sex zu tun? Mich jedenfalls erregt sowas nicht. Insofern bitte ich Dich, Devana, wirklich um die angekündigte Erklärung, was BDSM-Menschen fühlen, wenn sie sowas machen, und wo da der Unterschied ist. (Ich schließe daraus, Du praktizierst sowas auch?)

Die Alternative, die Du nennst, Devana, ist mir ein Grauen. Fünfzehn Jahre Ehe, dahin, weil die Frau plötzlich andere Dinge interessanter findet? Ich liebe meine Frau, wir haben ein Haus, eine Familie, sie muss nicht mehr als den Haushalt erledigen - ich dachte eigentlich, wir seien glücklich! Vielleicht war der Anlass, dass es zu wenig Probleme gab? Habe ich es zu einfach gemacht?

Danke für die Blumen, Cayt. Aber ich setze mich damit auseinander, weil es eine existentielle Frage für mich ist, deren Antwort ganz bedrohliche Ausmaße haben kann. Nicht mehr und nicht weniger als der Fortgang meines gewohnten Lebens hängt davon ab. Wie kann ich das ignorieren.

Ob ich mich verbiegen kann, Cayt, weiß ich nicht. Ich befürchte eher ein Nein. Stell Dir vor, Du magst keinen Spinat und es wird Dir schlecht davon, und dann kommt jemand und sagt, dass Du ihm zuliebe doch essen sollst. Es wird Dir deswegen nicht weniger schlecht, auch nicht demjenigen zuliebe. Dein Beispiel mit Beethoven passt auch, nur, dass man sich auch Ohrstöpsel mitnehmen könnte und dem anderen zuliebe einfach neben ihm sitzt. Mag sein, dass ich gerade hier auf dieser Plattform wie ein Außerirdischer erscheine, das ist nicht anders, als würdest Du in einem Kfz-Mechanikerforum mitschreiben. Aber ich muss es mir ansehen. Wenigstens. Leider habe ich bislang nichts entdeckt, was es mir plausibler macht oder was mit einen Umgang erleichtet. Im Gegenteil. Ich habe die Umfragen hier durchblättert und so viel gefunden, über das ich ernsthaft den Kopf schüttele. Nochmal, ich will hier niemanden angreifen, ich weiß, dass ich derjenige bin, der hier eigentlich nicht hingehört.

Cayt, welchen Part ich mag, dominant oder devot, kann ich klar sagen: Keinen! (Die Begriffe musste ich mir auch erstmal erschließen.) Ich finde es genauso unglaublich, auf einen Menschen einzudreschen, wie es sich zu wünschen, die Dresche abzubekommen. In diesem Zusammenhang eine Frage - wie ist das überhaupt rechtlich? Das ist doch Körperverletzung, wenn ich mich nicht täusche? Was macht Ihr, wenn Euch jemand anzeigt? Was mache ich, wenn ich gemäß des Vorschlags meiner Frau auf den Hintern schlage und sie nachher von häuslicher Gewalt redet? Das Schlimme ist, sie hätte recht!

Dein Vorschlag, Cayt, Halsband und Fesseln sein zu lassen, ist lieb gemeint, aber ich werde so ein Zeug ohnehin nicht in unser Haus schleppen. Mir sträubt sich alles allein bei dem Gedanken, dass  meine Frau so ein Ding um den Hals hat. Ich finde das lächerlich. So sehr ich mir auch Mühe gebe, es zu verstehen.

Dass Du unbeantwortet lässt, Cayt, warum ein Mensch im heutigen Zeitalter den Wunsch nach Mittelalter verspürt, war nach Deinen Worten Absicht. Warum? Genau das ist doch das Stück Verständnis, das mir fehlt. Es wäre wirklich nett, wenn es da eine plausible Erklärung gibt. Eine für Unbedarfte wie mich.

Jedenfalls ein ganz großes Dankeschön an Euch zwei, Cayt und Devana. Schade, dass das Wochenende schon vorüber ist, ich hätte gern noch mehr erfahren. Aber die Arbeitswoche ist sicher schnell vorbei und vielleicht bin ich mir dann auch in der einen oder anderen Sache klarer geworden.

Viele Grüße

Andreas

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Nachtasou

Autor.

11.04.2016 um 00:48 Uhr

Bester Andreas,

Wenn Du 100 SM-er fragst, wirst Du 100 Antworten bekommen. Entscheidend für Eure Ehe dürfte aber die Antwort-Version Deiner Frau (und Eurer Beziehung) sein.

Auch wenn Du z.B. nichts mit Hundehalsbändern anfangen kannst (wie manche andere SM-er auch), kannst Du vielleicht etwas anfangen, wenn Du erführest, was es für Deine Frau bedeutet. Es geht dabei nicht um Gegenstände und Techniken, sondern für was diese stehen. Und ob das, was Deine Frau sucht und braucht, in Eurer Beziehung verbindend sein kann und nicht trennend.

Ohne selbst die Antworten zu erwarten, fallen mir noch einige Fragen ein:

Von wem stammt der Kosename „Schmusemann“; wer nennt Dich so und warum?

Wie sieht es mit Deiner(!) Zufriedenheit über die 15 Ehejahre aus?

Was heißt „der Alltag hat sich eingeschlichen“ für Dich; und was heißt es für Deine Frau; weißt Du es?

Und vor allem: Was war vor der Zeit, bevor sich der Alltag einschlich?

Was macht Deine Frau, während Du im Internet Ratschläge einholst?

Weiß Deine Frau um Deine Angst vor dem Scheitern Eurer Ehe?

In welcher Situation und Stimmung hat sich Deine Frau Dir eröffnet (ultimativ, bittend, fordernd, verzweifelt, vorwurfsvoll …)?

das ist mein kleiner Beitrag zu Deinem Problem, und ich wünsche Dir alles Gute

Signatur

Die Zunge hat keine Knochen

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Cayt

Autorin.

11.04.2016 um 09:25 Uhr

Hallo Schmusemann!

Wenn Du Dir nicht mal den von mir geschilderten Versuch auch nur ansatzweise vorstellen kannst, dann ist das auch nichts für Dich. Man kann in sich nichts - auch nicht, oder eher schon gar nicht, um eine Ehe zu retten - erzwingen, was in einem einfach nicht vorhanden ist. Damit begehst Du keinen Fehler, noch bist Du da in meinen Augen ein Außerirdischer . Am wenigsten bist Du allein deswegen am Ende an einem drohenden Scheitern der Ehe verantwortlich. Und ja, Deine Fragen und Deine Verwirrung ist berechtigt, warum sie nach 15 Jahren erst auf einmal damit ankommt, nie in all den Jahren zuvor. Aber hör ihr dabei erst mal zu :).

Ich schrieb Dir darum nichts über das was in mir vorgeht, weil es wirklich sehr schwer ist, da jemandem eine innere Gefühlslage zu erklären, für die der andere so gar nichts übrig haben kann. Ich denke mir da auch, warum Dir da nun nur noch mehr Fragen zu geben, die dabei garantiert aufkommen lassen, noch mehr Chaos in deinem Kopf. Ich kann Dir sogar soweit nachempfinden, weil für mich der dominante Part auch nie in Frage kommen würde. Ich habe logischer Weise nicht wie Du die Abneigung generell dazu, ala "Wie kann ich meine Frau/meinen Mann schlagen", "Wieso will er/sie das so?" Ich habe dabei eben nur u.A. dieses Gefühl, dass ich mich dabei unwohl fühle, das - sollte mein Lebensgefährte von mir wollen - dann wirklich auch nur ihm zu liebe sein würde, wenn überhaupt. Ich empfinde dabei nicht das, was er dabei empfindet. Ich denke nur, Ihr beiden habt im Moment echt andere Probleme, als zu ergründen wieso jemand einen Lustgewinn daraus zieht, wenn er/sie sich Schmerzen zufügen lässt durch einen anderen, sich ihm unterwirft und von ihm erniedrigen/dehmütigen lässt.

Und zu Deiner Angst, bezüglich Ehe. Ich kann nun nur von mir reden. Meine Ehe scheiterte an vielem (beiderseits, nicht nur einseitig), aber nicht allein an einem BDSM-Vorhandensein oder Nichtvorhandensein. Ich persönlich, allein aus dem was Du so schilderst, sag auch - jemanden nun mit dem Aus der Ehe "erpressen", ist der gänzlich falsche Weg. Wenn die Kommunikation nicht mehr da ist, getrennte Betten da sind, dann läuft da doch mehr schief. Ich hab auch, weil anfängliche Versuche (u.A. allein wegen meiner Neigung polygam) scheiterten, mein damaliger Mann auch so fühlte, wie Du heute, eine ganze Weile darauf verzichtet. Aber das war keineswegs der Grund, warum unsere Ehe scheiterte. Das waren viele, über lange Zeit angesammelte Probleme. Und persönlich ich hab damals auch niemals ihm das als Vorwurf auf den Tisch gebracht, ich empfand das doch als unfair. Ich mußte auch nach den gescheiterten Versuchen fairer Weise einsehen, dass ebenso, wie ich das trotz selbst gewählten Verzicht es nun mal nie vollkommen einfach in mir vergraben konnte, im Umkehrprinzip mein damaliger Mann es nun mal nicht in sich erzwingen konnte, was da nun mal nicht ist.  Meiner Meinung nach darfst Du diese Bereitschaft, nicht nur sich selbst sondern auch den anderen dabei zu bedenken, von Deiner Frau erwarten, was diese Sache angeht entweder so oder die Ehe ist aus.

@Nachtsasou über mir gibt Dir zudem eigentlich schon die richtigen Denkanstöße.

Fahr mit ihr - sofern möglich/es gewollt - ein Wochenende hin, irgendwohin, wo ihr dabei auch richtig ungestört reden könnt. Sag ihr all das, was Du hier an Sorgen und Zweifeln uns anvertraut hast. Und redet beide offen und ehrlich mit einander, ohne nur Fehler bei sich oder dem anderen zu suchen :).

Gruß, Cayt

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Söldner

Autor. Fördermitglied.

11.04.2016 um 09:31 Uhr

Hallo Andreas,

ich habe Dich gelesen und ganz ehrlich – ich glaube Dir kein Wort.

Du nimmst alle gängigen Klischees gegen BDSM, verpackst sie in buntes Coming-out-Papier und bemühst Dich, unter dem Vorwand der Bitte um Aufklärung, den Nachweis der Perversion zu führen.

Ich gebe Dir völlig Recht. BDSM ist pervers, ebenso wie beispielsweise Homosexualität.

Stell Dir vor, ich gehe in ein Schwulenforum und erkläre, dass ich völlig überrascht davon bin, dass mein Sohn einen Freund hat und dass ich es absolut abstoßend finde, all dieses unnatürliche männliche Schwitzen, die Penetration fern des natürlichen Zweckes und nah den Exkrementen. Ich bin völlig im Recht aber gleichzeitig bin ich auch völlig im Unrecht. Jeder absoluten Wahrheit steht eine andere, ebenso absolute Wahrheit gegenüber. Der schwule Sohn hat die Wahrheit, dass er seinen Freund liebt. Er empfindet anders.

Der Ansatz im Verständnis Anderer liegt immer in Toleranz und im Willen des Verstehens Anderer.

Deine Texte lese ich als Herausforderung. Ich meine, hier nicht die Suche nach Verständnis, Toleranz und Unterstützung zu lesen sondern Vorurteil und Dogma.

Insofern kann ich Dir auch nicht raten, Dich im Netz über BDSM zu belesen, ich kann Dir auch nicht raten, hier in den Geschichten zu lesen, die BDSM als Form oder Steigerung der Erotik darstellen, denn ich sehe in Deiner Argumentation Front und nicht Gespräch.

Dein Diskussionsansatz ist aus urteilender Perspektive logisch. Aber er ist aus urteilender Sicht auch vergeblich. Wer nicht schwul ist, sollte die Finger vom Schwulsein nehmen.

Wer nicht BDSM-interessiert ist, sollte es gar nicht erst versuchen, es führt nur zu mehr Konflikten und zur Verbiegung der eigenen Person, es rettet keine Partnerschaft.

Oder anders – Schwule zu Schwulen und BDSM-Freunde zu BDSM-Freunden.

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hexlein

Autorin.

11.04.2016 um 09:35 Uhr

Lieber Schmusemann,

auch von mir ein paar Worte dazu, wie es sein kann und vielleicht funktionieren kann.

Ich habe meinen Drachen, eigentlich meine große Jugendliebe, nach über 20 Jahren wieder gefunden. Allerdings war ich nicht mehr das kleine Mädchen, dass damals so unendlich viel für ihn empfand, sondern eine "gestandene" Frau, die sich ihrer selbst und ihrer Wünsche und Bedürfnisse bewusst geworden war.

Und dann, als wir uns frisch wieder gefunden hatten, habe ich nicht lange gezögert ihm zu erklären, wer und was ich bin und brauche.

Heute weiss ich, dass ich ihn damals zutiefst geschockt hatte.

Wir haben extrem viele Gespräche geführt. Denn auch ich war nicht bereit, das, was ich bin zu verstecken und/oder zu unterdrücken.

Und er hatte große Angst davor Fehler zu machen und, ebenso wie Du, plagten ihn auch "praktische" Fragen.

Langsam, ganz ganz langsam haben wir uns gemeinsam vorgetastet. Spielerisch teilweise sehr gut, teilweise aber auch mit Rückschlägen.

Leichter gefallen ist ihm, der immer schon sehr dominant und fordernd war, das "drumherum". Das Submissive. Das, was für mich auch der wichtigere Part ist.

Heute sind wir immer noch, wie wahrscheinlich alle irgendwo, auf einem gemeinsamen Weg. Ein Weg, auf dem ich immer noch lieber schneller laufen würde, aber durch meinen Partner "ausgebremst werde. Das ist auch gut so, denn seine Grenzen habe ich ebenso zu respektieren, wie er meine. Und es ist wichtig, dass der dominante Part in einer Beziehung auch seine eigenen Grenzen erkennt.

Am Anfang waren die Grenzen sehr sehr eng in Erziehung und Konformität gesteckt. Doch hat mein Herr mittlerweile erkannt, dass die gesteigerte Lust, die er im Spiel an mir beobachtet, für ihn so luststeigernd ist, dass er immer neue Wege sucht, oftmals ganz abseits von Halsband und Co., um seine eigene Lust durch das Erleben der meinen anzustacheln und auszuleben.

Signatur

das hexlein "Macht was Ihr wollt. Die Leute reden sowieso"

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Schattenwölfin

Autorin. Teammitglied. Vereinsmitglied.

11.04.2016 um 12:49 Uhr

Hallo Schmusemann,

auch mir fällt es schwer, in Dir einen ernsthaft Ratsuchenden zu sehen, ich vermag kaum Offenheit in und/oder zwischen Deinen Zeilen zu lesen. Aber vielleicht ist es eine dem Schock geschuldete Abwehrreaktion. Immerhin bist Du hier und stellst Fragen, auf die schon umfangreich geantwortet wurde.

Vielleicht findest Du in diesem offenen Brief hier ein paar Ansätze, die Dich weiterbringen und auf anstehende Gespräche mit Deiner Frau vorbereiten. Das ist übrigens nach einer weit verbreiteten Ansicht das perverseste am BDSM: dass man so viel miteinander reden muss.

Wölfin

Signatur

Wo Liebe ist, ist Lachen.

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