BDSM-Geschichten und andere erotische Texte und Literatur

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Dieser Text besteht aus mehreren Teilen.

Dies ist der erste Teil. Folgender Teil: Stimme der Hingabe - Teil 2: Vertrauen.

Stimme der Hingabe - Teil 1: Verzweiflung

BDSM-Geschichte von eileen und Kaoru

Leselupe

Melinda saß in ihrem Wohnzimmer und ging die dürftigen Notizen für den morgigen Arbeitstag durch. Bei dem Gedanken an die Präsentation bekam sie Magenschmerzen. Sie erinnerte sich an die kurze Vorbereitungszeit für die Rede, zu deren Ausarbeitung sie sich selbst erst viel zu spät hatte überwinden können. Jedes Mal wenn sie anfangen wollte, schien sich in ihrem Inneren etwas zu verschließen und es war unmöglich gewesen, sich zu konzentrieren. Schreckliche Filme flackerten vor ihrem inneren Auge auf. Wie sie mit hochrotem Kopf und stotternd im Meeting stand, während die anderen sie auslachten. Wie Stuart, ihr Abteilungsleiter, sie anbrüllte und fragte, ob sie eigentlich für alles zu blöd war. Wie sie sich und die komplette Firma blamierte. Und dann hatte Melinda es eben einfach verdrängt, so weit von sich geschoben wie möglich. Und morgen war ihre Präsentation. 

Sie fuhr ihren Computer hoch und betrachtete die Werbeseiten, die sie für die Kundenfirma erstellt hatte. Diese waren ihr gut gelungen, das wusste sie, denn als Webdesignerin hatte sie Talent. Doch wie sollte sie die einzelnen Vorschläge morgen verständlich erklären? Wie die Rede richtig aufbauen? Sie sah wieder auf die Notizen. Alles was darin stand, kam ihr dumm und unzulänglich vor. Zum wahrscheinlich hundertsten Mal kam die Überlegung auf, sich davor zu drücken. Aber sie hatte sich bei ähnlichen Gelegenheiten schon zweimal krankgemeldet, noch einmal würde Stuart das sicher nicht akzeptieren. 

Melinda seufzte und ging in sich gekehrt ins Schlafzimmer. Sie öffnete die Schranktür und holte ihr kurzes Lederkleid vom Bügel. Versonnen rieb sie das Material an ihrer Wange und sog den Duft ein. Es war schon so lange her ... 

Ihr Sexualleben war auch so ein leidiges Thema. Die Doms, die sie in letzter Zeit kennengelernt hatte, erwiesen sich bestenfalls als unpassend und schlimmstenfalls als verantwortungslos. Ihre schüchterne Art schien vor allem Rohlinge anzuziehen, die unter dem Deckmantel von BDSM versuchten, ihre Komplexe zu kaschieren. Obwohl sie sich beim Thema Komplexe wohl nicht aufzuregen brauchte.

Melinda dachte an ihre Kindheit. Einsame Jahre, in denen ihre überforderte Mutter sie meistens im Kinderzimmer abgestellt hatte wie ein Möbelstück. Jahre, in denen niemand mit ihr gespielt, gesprochen oder sie getröstet hatte. Sie hatte das Sprechen erst sehr spät gelernt und sich damit schwergetan. Einen Kindergarten hatte sie nie besucht und war darum beim Eintritt in die Schule völlig überfordert gewesen. In den ersten Schuljahren hatte sie furchtbar gestottert und ihre Mitschüler und Lehrer hatten darauf mit wenig Verständnis, manchmal sogar grausam reagiert. Die Angst, vor einer Gruppe zu sprechen, hatte sich während dieser Zeit tief in ihr festgesetzt.

Mit Hilfe einer logopädischen Therapie hatte sie das Stottern mit zehn Jahren überwunden, doch die panische Angst, vor einer Gruppe zu sprechen, würde wohl nie verschwinden.

*

„Du hättest sie sehen sollen, echt eine heiße Stute war das“. Wilde Armbewegungen begleiteten die Erklärungen. „Und wild war sie im Bett, das kann ich euch sagen.“

Er war bei Weitem nicht der klügste, aber mit Sicherheit der lauteste aus der Gruppe von Hobbyathleten, die sich um einen der Stehtische im Foyer der Trainingshalle drängte. Weder ihre Sport- noch ihre Straßenkleidung ließen auf so etwas wie guten Geschmack schließen, und ihre übertriebenen Erzählungen von heißen Bettgeschichten weckten nicht unbedingt in jedem den Wunsch, sich mit ihnen zu unterhalten.

Raphael zählte zu jener Gruppe, die lieber etwas Abstand hielten und ihre Ruhe haben wollten. Sein eigenes Training hatte der Mittdreißiger inzwischen beendet und nun saß er entspannt auf einer der niedrigen Sitzgelegenheiten und genoss einen warmen Tee.

Das blonde Haar war etwas zu lang und fiel ihm schon bis zum Kragen seiner Jacke, was ihm ein leicht derangiertes Aussehen verlieh. Ein Umstand, der den hochgewachsenen Mann selbst nicht störte, genauso wenig wie die Meinung anderer. Wobei sich das primär auf seine Arbeitskollegen bezog, die mit ihren teuren Haarschnitten und unbezahlbaren Anzügen nur zu oft versuchten, ihre Unfähigkeit zu verbergen. Ein Umstand, der ihm zumeist nur ein inneres Kopfschütteln entlockte, während er versuchte, die Aufträge seiner Firma trotz dieses Mangels an Unterstützung zum Erfolg zu bringen.

Dass er das Ganze mit einer inneren Ruhe anging, lag nicht zu geringen Teilen an seinem zweitliebsten Hobby. Dessen Handwerkzeug fand sich in der Sporttasche zu seinen Füßen und der langen, seidenen Bokken-Tasche, die an der Stuhlseite lehnte. Iaido wurde die Kunst genannt und offerierte geistige Reifung und Disziplin, die das Verständnis von Männern wie den Prahlern am Stehtisch weit überstieg.

Genau wie sein liebstes Hobby, sofern man seine Ausflüge in diesen besonderen Lebensstil so nennen konnte. Auch hier wurde großer Wert auf Selbstkontrolle und innere Stärke gelegt, was zu Begegnungen führen konnte, gegen die halb erfundene Geschichten einfach nur fantasielos wirkten. Sofern man in der Lage war, jemanden zu finden, der sich darauf einzulassen wagte.

Mit einem leisen Seufzen griff Raphael nach seiner Tasse und trank einen Schluck, während er an die morgige Präsentation dachte. Für die anderen war es ein willkommener Grund, Zeit totzuschlagen, aber er würde aufmerksam lauschen und versuchen, sein Wissen zu erweitern. Zumindest war das der Plan, den er gefasst hatte.

*

Melinda war so bereit, wie sie nur sein konnte. Ihre hellbraunen Haare glänzten seidig im Licht. Das dezente Make-up betonte ihre blaugrünen Augen, und die hohen Wangenknochen und das blaue Kostüm umschmeichelte ihre kurvige Figur, ohne aufreizend zu wirken. Die Mappe mit den Unterlagen hielt sie fest umklammert.

Stuart begrüßte sie lächelnd vor dem Besprechungszimmer. Melinda arbeitete gern mit ihm zusammen. Er war fair, humorvoll und immer bereit, harte Arbeit anzuerkennen. Leider wollte er einfach nicht verstehen, wie problematisch ihre Redeangst wirklich war. Für ihn war Melinda einfach etwas schüchtern, was sich sicher legen würde, wenn man sie ins kalte Wasser warf.

"Hallo Mel. Bist du bereit für deinen Auftritt?"

"Ich hoffe es", antwortete sie ihm wenig überzeugt. 

Doch er lächelte beruhigend. "Du schaffst das. Du musst dich einfach mal trauen. Na komm, gehen wir rein."

Sie folgte ihm und betrat den Raum, aus dem Gespräche und Lachen zu hören waren. Um einen langen Tisch verteilt saßen sechs Männer und eine Frau, Andrea Hewig aus Melindas Abteilung. Andrea war eine gut aussehende, energische und kluge Frau, die Melinda meistens mit leicht unterdrückter Verachtung behandelte. Die Männer waren ihr alle fremd, Vertreter der Firma, für deren Internetwerbung sie verschiedene Vorschläge erarbeitet hatte. 

Als sie eintraten, verstummten die Gespräche langsam und alle sahen sie an. Sofort spürte sie, wie sich sämtliche Muskeln verspannten. Ihr war nur zu bewusst, wie steif und ungelenk sie sich jetzt bewegte. Andrea sah schon jetzt etwas verzweifelt aus. 

Die Männer waren typische, aalglatte Businesstypen und nur der Mann, der etwas abseits saß, stach heraus. Er strahlte eine gelassene Ruhe aus, um die Melinda ihn im Augenblick zutiefst beneidete. Sein blondes Haar ging ihm bis zum Kragen seines schlichten Anzugs und schien sie förmlich einzuladen, mit den Fingern hindurchzufahren. Er hatte schöne blaue Augen, die alles aufmerksam beobachteten, und ein Gesicht, das auf markante Weise gut aussah. Das Letzte, was Melinda brauchte, war ein attraktiver Mann, der sie noch mehr durcheinanderbrachte. Außerdem hatte sie das Gefühl, ihn irgendwann schon mal gesehen zu haben. Sie versuchte sich zu erinnern, aber sie kam nicht darauf, wo sie ihm begegnet sein könnte. Als er ihren Blick bemerkte, lächelte er sie freundlich an. Dann glitten seine Augen kurz an ihr hinab und wieder nach oben, fast unbewusste Blicke, die Männer ihr oft zuwarfen. Als er ihr dann forschend und nachdenklich ins Gesicht blickte, wandte sie sich verlegen ab. 

Stuart ging unterdessen direkt auf den Mann zu.

"Raphael", begrüßte er ihn und schien sich ehrlich zu freuen. "Ich bin sicher, Ihnen werden unsere Konzepte gefallen."

Die beiden Männer begannen nun, sich leise zu unterhalten.

'Raphael', dachte Melinda innerlich lächelnd. 'Der Engel der Heilung, Schutzpatron der Kranken und Reisenden.' Der Name gefiel ihr, er passte zu ihm.

"Melinda, wollen wir anfangen? ", riss Stuart sie aus den Gedanken.

Alles in Melinda wollte sich sträuben, aber sie brachte ein Nicken zustande. Alle Augen waren wieder auf sie gerichtet. Ihr Herz klopfte schmerzhaft gegen die Rippen, plötzlich schien jedes kleine Geräusch ohrenbetäubend laut zu sein. Sie begann zu schwitzen, und die Angst war so überwältigend, dass ihr etwas schwindlig wurde.

"Also im ersten Vorschlag geht es ... naja also, der Grundgedanke war, das ... also wir wollten damit ...", ihre Luftröhre schien zu schrumpfen, sie versuchte verzweifelt, genug Luft zu bekommen und zitterte hilflos.

"Melinda?", Stuart sah sie bestürzt an, doch sie drehte sich bereits um und rannte nach draußen.

*

Raphael hatte kaum Gelegenheit gehabt, die Vortragende eingehend zu mustern, als er auch schon von Stuart zu einem Gespräch genötigt wurde. Nicht, dass er so unhöflich gewesen wäre, ein solches abzulehnen, aber im Moment war ihm wirklich nicht nach Smalltalk zumute. Denn er hatte die Frau bereits zuvor getroffen, auch wenn es ihres Namens gebrauchte, um sie in dieser Umgebung zu erkennen.

Doch bedurfte es weder der Sinne eines aufmerksamen Iaidoka oder gar Doms, um zu erkennen, dass Melinda nicht nur nervös war, sondern sie die ersten Anzeichen von Panik erkennen ließ. Ob das an den fremden Leuten lag oder einfach daran, dass sie - Stuarts Worten nach - zum ersten Mal eine Präsentation hielt, konnte Raphael nicht sagen. In jedem Fall hielt er einen Teil seiner Aufmerksamkeit auf sie gerichtet und fand seine Befürchtungen bestätigt, als der erste Versuch, den Vortrag zu eröffnen, kläglich scheiterte und die Frau kurzerhand die Flucht ergriff.

 „Was zum ...“, Stuarts Ausbruch unterbrach Raphael, indem er sich wortlos erhob und ihn mit erhobener Hand daran hinderte, den Raum zu verlassen: „Warum bringen Sie die anderen nicht schon einmal auf den aktuellen Stand. Ich werde unterdessen nach ihr sehen.“

Ohne dem anderen Mann Chance auf eine Antwort zu geben, verließ er dann den Besprechungsraum und eilte hinter der Frau her. Weit konnte sie noch nicht gekommen sein und so fand Raphael sie nur ein Stück entfernt im Gang.

Melinda stand dort, die Stirn an die Wand gepresst. Panik hielt sie fest in ihren Klauen, ihr Herz raste, sie bekam noch immer nicht richtig Luft und es gab keine Gedanken, nichts außer die alles umfassende Angst. Von den Angestellten, die hinter ihr den Gang entlanghasteten, bekam sie nichts mit. Erst, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte, zuckte sie zusammen und drehte sich um. Sie erwartete Stuart und fühlte sich daher erbärmlich. Als sie jedoch Raphael sah, erstarrte sie.

Unübersehbar für ihn, war sie bereits in den ersten Phasen einer Panik und hatte sich in eine Situation manövriert, in der sie weder vor noch zurück konnte. Ihre Flucht hatte Melinda zwar unterbrochen, aber für alles Weitere war sie viel zu aufgewühlt. Ein Umstand den Raphael zu beenden gedachte, und nachdem er sich versichert hatte, dass das nächste Büro leer war, schob er sie sanft dort hinein.

"Ich glaube, wir sollten uns einen etwas weniger öffentlichen Platz suchen", erklärte er, während er die Türe hinter sich schloss.

Melinda wollte nicht, dass Raphael sie so sah. Es war so jämmerlich, wie sie zitternd und nach Luft ringend versuchte, die Panik niederzureißen. Wie ein gleißendes Licht brach ein Gedanke durch die Angst. Sie musste hier raus, weg von ihm und sich noch einen kleinen Rest Würde bewahren. Sie wollte wieder nach draußen stürmen, aber er hatte sich vor die Tür gestellt und blockierte diese.

Er hatte sie beobachtet und erkannte die Anzeichen an ihrer Körpersprache, noch bevor sie sich zur vollen Blüte entfalten konnten. Rasch legte Raphael ihr erneut die Hände auf die Schultern und dann erklang seine Stimme. Dank der geschlossenen Tür ohne den Hintergrundlärm der belegten Räumlichkeiten wirkte sein Tonfall dunkler und deutlich befehlender.

"Atme tief durch!", forderte er und machte es ihr vor. "Beruhige dich und dann zeig mir durch ein Nicken oder Kopfschütteln, ob es dir besser geht."

Sie spürte den sanften Druck seiner Hände, die Wärme seiner Haut. Seine Stimme, der befehlende Tonfall drangen durch den Nebel ihrer Panik. Sie klammerte sich an ihm fest, wie an einer Sicherheitsleine und sah ihn mit großen Augen an. Sie sah keine Verachtung darin, kein Urteil, nur ein ruhiges Verständnis, das ihr erlaubte zu nicken.

Zufrieden hatte er die geforderte Geste erkannt und ein leichtes Lächeln teilte seine Lippen, während er seine rechte Hand hob und ihr den gekrümmten Zeigefinger unter das Kinn legte.

"Halte dich so lange an mir fest, wie du willst", fuhr er fort. "Nimm dir die Zeit, um dich wieder zu fangen."

Raphael trug nun den geduldigen Ausdruck zur Schau, der besagte, dass sie sich alle Zeit nehmen konnte, die sie wollte. Er würde warten, auch wenn sie doch noch in Panik geraten sollte.

Melinda fühlte sich von diesen blauen, so schönen Augen gefangen. Wie von ihm gefordert, achtete sie weiter auf ihre Atmung, während ihre Hände auf seinen Armen lagen und sie sich an ihm festhielt. Ganz langsam wurde sie ruhiger, bekam das Zittern unter Kontrolle und hatte nicht mehr das Gefühl, gleich zu ersticken. Plötzlich erinnerte sie sich wieder und schreckte zurück. Sie wusste, wo sie ihm begegnet war, hatte wieder vor Augen, wie er sich im SM-Club durch die Menge bewegt hatte.

'O Gott', dachte sie, 'hat er mich erkannt?'

Im ersten Moment dachte Raphael, Melinda würde wieder die Flucht ergreifen wollen, doch dann konnte er erkennen, dass es mehr Überraschung als Furcht war, die da in ihr aufkeimte. Sein Lächeln wurde breiter, als er mit dem Daumen der rechten Hand sanft unter ihrer Unterlippe entlang strich.

"Mir scheint dieser hübsche Mund braucht keinen Knebel, um zu schweigen", begann er und hielt den Blick ihrer blaugrünen Augen gefangen. "Ja, wir kennen uns bereits und nein, niemand erfährt davon, wenn du es nicht willst. Einverstanden?"

Melinda brachte ein Nicken zustande. Raphaels Lächeln und seine jetzt neckende Stimme ließen sie dahinschmelzen. Sie fühlte sich unwillkürlich zu ihm hingezogen und ihre Gedanken kreisten um all die wunderschönen Dinge, die er mit ihr tun, oder die er ihr befehlen könnte. Durch diese willkommene, gedankliche Ablenkung schaffte sie es, den Rest der Angstattacke abzuschütteln. 

"Danke. Es geht jetzt wieder." Ihre Stimme klang leise und beschämt.

Zufrieden hatte er bemerkt, wie sie sich etwas entspannte und ganz offenbar aus ihrer privaten Gemeinsamkeit genug Zutrauen schöpfte, um ihre Stimme wieder erklingen zu lassen. Wenn auch so leise, dass sie kaum zu hören war.

"Das freut mich zu hören, leider bin ich übervorsichtig, was das Wohl anderer angeht", begann Raphael dann und legte seine Hand auf ihre Wange. "Also, willst du mir sagen, was da drinnen geschehen ist oder soll ich raten?"

Sie sah ihn verlegen an. "Ich bekomme Panikattacken, wenn ich vor einer Gruppe reden soll. Das da drinnen war so ziemlich der schlimmste Albtraum, den ich mir vorstellen kann. Aber die Attacke ist vorbei, es geht jetzt."

Erneut folgte eine prüfende Musterung, die seine dominante Seite offenbarte. Melinda konnte zweifellos wieder sprechen und wirkte auch entsprechend ruhiger als zuvor, was an sich ein gutes Zeichen war. Jedoch befanden sie sich alleine hier und ihren Worten nach betrachtete sie ihn nicht als vollkommen Fremden. Ein Umstand, den Raphael sich zunutze machen wollte, als der Drang eines Doms, zu beschützen und zu helfen, in ihm aufkeimte.

"Mir scheint, die schlimmste Panik hast du vorläufig überwunden", erklärte er mit ernster Stimme. "Es war unverantwortlich von deinem Boss, dir das aufzudrängen, aber ich vermute, dass er nichts von deinem Problem weiß? Doch damit ist nicht zu spaßen, hast du verstanden Melinda?"

"So schnell wird er mich wohl eh nicht mehr in eine Präsentation lassen", seufzte sie. "Oh Gott, ich habe die ganze Firma blamiert. Wenn er mich rauswirft, könnte ich das verstehen."

"Du wärst nicht die Erste, die einen Fehler macht. Und in diesem Fall, war es nicht deine Schuld", klärte Rapahel sie auf und sein Blick machte deutlich, dass er nicht zulassen würde, dass sie jetzt in Selbstvorwürfen versank. "Wir werden mit ihm sprechen und die Sache klären, natürlich ohne dein Problem zu erwähnen. Und ich erwarte ein Ja als Antwort."

Bei seinem Tonfall und seinem Blick wäre eine andere Antwort für sie gar nicht möglich gewesen, auch wenn es ihr insgeheim wiederstrebte, Stuart einfach zum Alleinschuldigen zu machen. Doch Raphael hatte völlig recht, jetzt ging es darum, eine Lösung zu finden.

Sie lächelte ihn schief an. "Ja"

Er erwiderte das Lächeln, während seine blauen Augen erneut über ihr Gesicht und auch ihren Körper wanderten. Doch trat die Bewunderung ihrer weiblichen Rundung in den Hintergrund, als er nach Schwierigkeiten oder Anzeichen dafür suchte, dass ihr Problem doch ein paar bleibende Spuren hinterlassen hatte.

"Braves Mädchen", lobte er, fügte jedoch im nächsten Moment hinzu: „Allerdings wird dein eigentliches Problem nicht dadurch verschwinden und du hast nicht nur meine Neugier geweckt. Ich werde an diesem Wochenende wieder im Club sein und würde mich freuen, wenn du dazu kommst."

Melindas Gedanken rasten. Gab es auf seiner Seite mehr, als nur den Wunsch, ihr zu helfen? Seine Blicke, seine Berührungen ließen sie das hoffen. Oder war es nur seine natürliche Fürsorglichkeit, der Wunsch, die arme, labile Frau etwas zu  unterstützen. Dieser Gedanke erfüllte sie mit Frustration.

"Warum willst du mich da sehen?" Sie konnte sich nur für das, was auf sie zukommen könnte, öffnen, wenn sie darauf eine klare Antwort hatte.

Offenbar fiel es ihr ganz und gar nicht schwer, in seiner Gegenwart ihre Stimme zu nutzen. Ein Lächeln teilte seine Lippen, als Raphael seine Hand senkte, um ihr zwei Finger unter das Kinn zu legen.

"Brauche ich einen anderen Grund, als den, dich wiedersehen zu wollen?", wollte er wissen, bevor er sanfter hinzufügte: "Oder dir zu zeigen, dass ich ein Mann bin, der mit dir zusammen ins kalte Wasser springt, um dich über den Fluten zu halten, bis du von alleine schwimmen kannst?"

Sie ließ sich von diesen Worten umfangen, wie von einer warmen Decke. Er hatte sie in einem der schlimmsten und demütigsten Situationen überhaupt erlebt. Und doch wollte er sie sehen, hatte sie etwas in ihm angerührt. In diesem Moment fiel ihre Entscheidung. Sie würde ihm beweisen, dass sie weder schwach noch feige war. Kein Zögern mehr, sie würde seinen Wünschen Folge leisten. Nicht zuletzt, weil sie ihm wirklich glaubte, dass er sie das Schwimmen lehren könnte.

"Ich werde da sein."

 

 

Dieser Text besteht aus mehreren Teilen.

Dies ist der erste Teil. Folgender Teil: Stimme der Hingabe - Teil 2: Vertrauen.

 

Kommentare von Leserinnen und Lesern

06.05.2017 um 00:53 Uhr

Der Einstieg in eine BDSM Geschichte ist gelungen. Neugierig auf die Fortsetzung!

18.09.2016 um 14:40 Uhr

der anfang ist gut. ich werde den 2 teil bestimmt lesen

08.08.2016 um 23:16 Uhr

Sehr schöner Einstieg in eine BDSM Geschichte. Wird spannend wie es weiter geht. Das Finale ist eine Einladung zum lesen der Fortsetzung

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

03.08.2016 um 00:45 Uhr

01.08.2016 um 23:53 Uhr

Die Spannung baut sich langsam weiter auf...

eine sehr schöne Geschichte, die sehr gut geschrieben ist

Danke!

Bin gespannt auf die Fortsetzung!

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

29.07.2016 um 00:52 Uhr

Macht auf jeden Fall neugierig, werde weiterlesen. Bin gespannt wie es weitergeht .

26.07.2016 um 13:46 Uhr

Eine wundervolle Geschichte, ich konnte die Dituation gut nachvollziehen. Die sensible und doch dominierende Art des Raphael gefällt mir gut. Bin gespannt auf die Fortsetzung 

Signatur

Es ist alles erlaubt, was zum Erlebnis führt

11.06.2016 um 19:07 Uhr

Eine einfühlsame Geschichte die sehr sensibel geschrieben wurde. Ganz toll. Danke.

04.05.2016 um 01:40 Uhr

bin gespannt auf den nächsten teil

Quälgeist

Autor.

28.04.2016 um 12:04 Uhr

Ich kann mich den Kommentaren nur anschließen, es wird eine Dominanz der leisen Art werden. Ich bin gespannt...

Signatur

Pure Vernunft darf niemals siegen! Quälgeist

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Stimme der Hingabe - Teil 1: Verzweiflung

Seit ihrer Kindheit hat Melinda ungeheuere Angst, vor Menschen zu sprechen und soll nun geschäftlich eine Präsentation halten. In dieser angespannten Situation begegnet ihr auch noch Raphael, den sie aus einem sehr speziellen Club kennt.

Stimme der Hingabe - Teil 2: Vertrauen

Melinda und Raphael sehen sich im Club wieder, unterhalten sich und flirten miteinader. Er hat jedoch schon Vorbereitungen für ein ganz besonderes Rollenspiel getroffen, das Melinda nicht nur erregen soll.

Stimme der Hingabe - Teil 3: Verwirklichung

Das Spiel, das Raphael sich ausgedacht hat, bedeutet eine ganz besondere Herausforderung für Melinda, die sich vor fremden Doms ihren Ängsten stellt und dafür von Raphael belohnt wird.

Stimme der Hingabe - Teil 4: Verbundenheit

Raphael will die ledernen Fesseln für das gemeinsame Vergnügen mit Melinda nutzen und führt sie in eine Nische des Clubs, die einem Büro nachempfunden ist. Über den Schreibtsci gebeugt liest Melinda aus einem Buch vor.

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