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Strege
von Gryphon
Regen! Nichts anderes hatte er erwartet nach dem, was die letzten Tage gebracht hatten. Eigentlich normal für die Jahreszeit, wenn sich die vom Mittelmeer kommenden Wolken an der Barriere der italienischen Seealpen stauen. Da der Strand also ausschied, hatte er sich entschieden, etwas für die Bildung zu tun und ist ins Gebirge gefahren, zu einem Ort, der in seinem Reiseführer als sehr malerisch beschrieben wird. Triora. Je höher er in die Berge fuhr, desto schmaler wurden die Straßen, desto spärlicher der Verkehr, und - besonders unangenehm - desto dichter der Nebel. So dicht, dass er glaubte, die Wolken hätten ihn verschluckt. Zweimal ist er an Wegweisern vorbeigefahren, musste sich jedes Mal den Weg zurück zur richtigen Straße mühsam suchen, und beide Male hat er sich beinahe verflucht, dass er jetzt nicht bequem in einer Bar am Meer sitzt, ein Buch liest und in den Regen schaut.
Aber immerhin hat er zuletzt seinen Wagen auf dem großen Parkplatz von Triora abgestellt, der heute völlig leer ist und hat sich die so genannten Sehenswürdigkeiten angeschaut. Museum für Hexen und Landwirtschaft, diese Bezeichnung hätte ihn schon an der Kasse stutzig machen sollen. Ein zusammengetragener Haufen Plunder, dazwischen einige billig aufgebaute Szenerien mit Hexen, hexend, Kräuter suchend, eingesperrt in Käfige und eine, die ihm doch ein wenig einen Schauer den Rücken hat hinunter laufen lassen. Eine Inquisitionsszene, so wie die Bauern hier im Ort sie sich wohl vorstellen, mit einer angeketteten Puppe und einem Geistlichen und einem Folterknecht. In einer Esse ein hinterleuchtetes Pappfeuer, aber immerhin genug, um sich vorzustellen, was noch Mitte des achtzehnten Jahrhunderts hier mit armen Frauen gemacht wurde, die das Pech hatten, durch die Missgunst anderer der Hexerei bezichtigt zu werden. Triora war die letzte Bastion der Inquisition in Italien, die letzte in Mitteleuropa überhaupt, wenn er die Wandtexte im Museum richtig verstanden hat.
Nun sitzt er in der kleinen Bar am Ortseingang und wartet darauf, dass der Nebel sich ein wenig lichtet, damit er den Ort besichtigen kann, der sich an eine Felsnase schmiegt. Nur der untere Teil des Ortes ist noch wirklich bewohnt, weiter oben sollen nur Ruinen stehen, und ein paar wieder aufgebaute Häuser von reichen Mailändern und Genuesen, wie der Wirt ihm bestätigt. Außer ihm sitzen in der Stube nur ein paar Einheimische, trinken Café und Grappa, der eine oder andere hat es ihm gleichgetan und isst. Es gibt nur ein einziges Gericht, Kaninchen mit Rosmarin, aber wie fast überall in dieser Gegend kocht die Mama selbst, es schmeckt sehr gut. Allerdings hat sie nicht mit Olivenöl gespart, so dass er sich zum Café ebenfalls einen Grappa genehmigt, obwohl er sonst um diese Zeit keinen Alkohol trinkt. Während er da sitzt, noch eine Zigarette raucht und durchs Fenster auf den gegenüberliegenden bewaldeten Hang schaut, an dem Wolkenfetzen vorbeiziehen, hört er, wie sich die Tür zur Gaststube öffnet. Der Wirt begrüßt jemanden mit Signora und er nimmt eine angenehme raue Stimme wahr, die den Gruß erwidert. Neugierig schaut er sich um und sieht am Tresen eine Frau, die gerade zwei Päckchen Zigaretten kauft, denn diese Bar ist gleichzeitig die Tabaccheria des Ortes. Während auch sie noch einen Café bestellt und ihren Schirm zusammenklappt, kann er sie von hinten bewundern. Eine lange lockige rote Mähne, ein halblanges, tailliertes Kleid, viel zu elegant für diesen Ort und darunter... Gummistiefel. Sehr vernünftig bei dem Wetter. Jeder Schuh, der zu dem Oberteil passen würde, hätte sich bei den Sturzbächen von Wasser, die durch die kanalisationslosen Gassen fließen, hoffnungslos in seine eleganten Einzelteile zerlegt.
Als sein Blick wieder nach oben wandert, hat sie ihren Oberkörper gedreht und schaut ihm mit einem spöttischen Lächeln genau in die Augen. Er blickt in Seen von Grün. Peinlich, dass er sie so gemustert hat, das ist sonst gar nicht seine Art. Aber was gibt es hier schon sonst groß zu sehen, wenn nicht diese hübsche Signora? Hastig blickt er zu seiner Tasse, nimmt einen Schluck vom Café und hofft, dass sie sich nicht belästigt fühlt. Als er wieder nach oben schaut, steht sie direkt vor ihm, ihr Lächeln ist weniger spöttisch.
"Es sieht ... wie sagt man ... komisch aus mit den Gummistiefeln, nicht wahr, Signore?" - "Äh, ich wollte ..."
Mehr bekommt er in diesem Moment nicht heraus, denn diese grünen Augen sind wie Seen, nein, eher wie das offene Meer.
"Wissen Sie, Luigi hat mir gerade gesagt, dass Sie ein Tedesco, ein Deutscher sind. Darf ich?" Sie zeigt auf den Stuhl ihm gegenüber. Er nickt. "Das ist ja ein unglaublicher Zufall, oder besser gesagt, ein Geschenk des Himmels, an einem Tag, an dem er uns so mit Regen bedacht hat!"
Sie lacht, und er glaubt, noch niemals ein solches Lachen gehört zu haben. Ohne eine Antwort seinerseits abzuwarten, fährt sie fort.
"Ich habe da gerade ein Problem. Ich muss einen recht offiziellen Brief an ein deutsches Amt richten und habe da ein paar Schwierigkeiten beim Formulieren. Es ist etwas anderes, ob man spricht oder schreibt." - "Oh, Sie sprechen sehr gut deutsch," gibt er ehrlich zurück, denn außer einem Akzent ist ihre Aussprache beinahe perfekt. "Wo haben Sie das gelernt?" - "Das ist schon lange her", gibt sie ausweichend zurück, "Sie sind ein Schmeichler! Aber meine Frage ... könnten Sie sich vielleicht einmal diesen Brief ansehen und ihn korrigieren? Das wäre sehr nett, Signore!"
Bittend schaut sie ihn an, und sein Blick auf die Armbanduhr ist völlig überflüssig, denn was sollte er schon vorhaben an einem Tag wie diesem, und selbst wenn es so wäre, einer Frau wie dieser wäre er überall hin gefolgt.
"Ich habe Zeit, Signora." sagt er darum lächelnd und winkt dem Wirt, um zu zahlen. "Nicht notwendig," lacht sie ihn an, "wenn Sie schon mein Lebensretter sind, dann übernehme ich die Rechnung." Und sie ruft dem Wirt etwas auf Italienisch zu, so schnell und in einem merkwürdigen Dialekt gesprochen, dass er gar nichts versteht. Beim Hinausgehen sieht er noch, wie Luigi den Kopf schüttelt und führt das auf puren Neid zurück. Wer wäre nicht eifersüchtig, von einer solchen Frau eingeladen zu werden, und sei es nur zum Korrigieren eines Briefes. Sie gehen nebeneinander die steilen Gassen hinauf in den alten Teil des Dorfes, und er versucht einzuschätzen, wie alt die Frau wohl ist, die mit weit ausholenden Schritten die flachen und langen Stufen aus Kopfsteinen hinaufsteigt, aber er kommt zu keinem Schluss Jung ist sie nicht, eher eine dieser alterslosen Schönheiten, die oft genug von geschickten Chirurgen so erhalten werden. Aber dann haben sie normalerweise eine eingeschränkte Mimik, und das ist bei ihr überhaupt nicht festzustellen. Als sie bemerkt, dass er sie beobachtet, lächelt sie ihn wieder an, so dass er schnell den Blick abwendet.
Sie biegen in einer Gasse ab, in der es nur noch Ruinen gibt, Mauern mit hohlen Fenstern, halb eingestürzte Eingänge, in den Räumen dahinter Schutt. Auf seinen fragenden Blick hin antwortet die Frau: "Hier in der Gegend gibt es eine Menge an Erdbeben. Und seit die Passstraße nicht mehr von Händlern genutzt wird, sind die meisten Leute weggezogen. Es gibt hier keine Arbeit außer im Tourismus. Und - Sie dürfen niemals vergessen, der Ort hatte einen schlechten Ruf, hier wurden die letzten Hexen Italiens auf dem Scheiterhaufen verbrannt!"
"Ja!" echauffiert er sich. "Diese armen Frauen. Was für eine Tragödie muss das gewesen sein. Und das alles zu einer Zeit, als sich die Aufklärung fast überall in Europa schon verbreitet hatte. All die Unschuldigen, die hier noch sterben mussten..." - "Die Unschuldigen..." hört er sie murmeln und unterbricht sich, "die unschuldigen Frauen? Ja, so kann es gewesen sein!"
Sie lacht ihn offen an, und er wundert sich ein wenig über diesen Satz. Plötzlich wendet sie sich nach links, so dass er nicht weiter darüber nachdenken kann und sieht sich einer wundervollen Eichentür gegenüber, massiv und neu in eine frisch restaurierte Bruchsteinwand eingelassen. Die Signora hat einen großen Schlüssel in der Hand und sperrt die Tür auf.
"Bitte, treten Sie ein! Meine bescheidene Behausung." - "Wow!" entringt es sich seiner Kehle, als er die Diele des Hauses betritt. Schlicht und weiß gekälkte Wände, an manchen Stellen zielsicher unverputzt gelassen, Antiquitäten und an den Wänden große Ölbilder, die absolut echt und teuer aussehen. Dazu Teppiche, in denen seine Schuhe halb versinken; es ist ihm beinahe peinlich, sie so schmutzig, wie seine Treter vom Matsch der Gassen sind, zu betreten. Im Umsehen sieht er, wie die Frau die Gummistiefel ausgezogen und sich ein Paar hochhackige Pantoletten übergestreift hat.
"Das ist ja Wahnsinn. Dieses Haus so herzurichten muss ein Vermögen gekostet haben!" - "Ein wenig Mühe hat es schon gekostet", gibt die Signora mit einem Augenzwinkern, das er kaum deuten kann, zu und führt ihn in einen Wohnraum, der alle seine Erwartungen noch übertrifft. Ein riesiges Fenster erlaubt einen atemberaubenden Blick über das Tal und den gegenüberliegenden bewaldeten Hang. Davor eine riesige Sitzgruppe aus Leder, an der linken Wand ein Kamin, in dem ein Feuer flackert, rechts im Raum ein gewaltiger alter Reflektoriumstisch, wohl genutzt als Esstisch, mit einer ausreichenden Anzahl an Stühlen darum, ein Festbankett zu geben.
"Nehmen Sie doch bitte Platz!" Sie bedeutet ihm, es sich im Sessel mit dem besten Ausblick auf die Berge bequem zu machen. "Ich komme gleich. Trinken Sie ein Glas Weißwein mit mir?" Er überlegt einen Moment. Einen Grappa hat er schon getrunken und muss noch durch das schlechte Wetter zurück zur Küste. Aber ihre Augen sind so bittend, dass er nicht ablehnt, allein schon aus dem Grunde, sich weiter mit dieser wunderbaren Frau unterhalten zu dürfen. Als sie mit laut klappernden Absätzen durch die Diele zurückkommt, hat sie zwei langstielige Weingläser in den Händen und eine schwarze Mappe unterm Arm. Sie reicht ihm ein Glas, als er ihr aber die Mappe abnehmen will, geht sie einen Schritt zurück.
"Später, mein Lieber. Sie haben doch ein wenig Zeit mitgebracht an einem solch trüben Tag?" Er bejaht, während sie sich ihm gegenüber in einen Sessel setzt, die Beine anzieht und ihm zuprostet. Sie nehmen beide einen Schluck.
"Wie schmeckt Ihnen der Wein?" - "Oh, er ist köstlich," gibt er wahrheitsgemäß zurück, "kühl und vollmundig und dennoch in keiner Weise süßlich." Er ist kein Weinkenner, aber dass dies hier ein besonderer Tropfen ist, bemerkt er sofort. Und als er einen zweiten Schluck aus dem Glas nimmt, sieht, er, wie sie die Mappe öffnet, mit einem Stift etwas ankreuzt, dann sieht er noch, wie sie zusammen mit dem Fenster und dem herrlichen Panorama leicht verschwimmt und er hört sie sagen:
"Sehr gut, dann stimmte die Mischung ja..."
Schwärze, die übergeht in graue Schemen... Er ist sich sicher, die Augen geöffnet zu haben, aber er kann nichts erkennen. Das erste, das zurückkehrt, ist sein Hörvermögen.
"Aha, er kommt zu sich, meine Liebe. Kaum eine Viertelstunde. Das bedeutet einen weiteren Punkt für Dich. Gratulation." - "Danke, meine Tante und Lehrerin. Ich habe fleißig geübt in der letzten Zeit."
Er versucht, sich an der Stimme zu orientieren und wendet seinen Kopf in die Richtung, aus der sie kommt. Schemenhaft erkennt er den Umriss einer weiblichen Person.
"Das will ich Dir auch geraten haben, Kleine. Nicht umsonst nehme ich all diese Mühen auf mich und komme in dieses gottverlassene Kaff!" - "Tante! Du sollst doch nicht fluchen! Die..." - "Still, Kind! Der Konvent geht mich nichts an, und abwählen können sie mich nicht." Die Stimme lacht, und er erkennt das Lachen der Signora Als er seinen Kopf in ihre Richtung dreht, werden die Schemen deutlicher und er sieht sie dort stehen, die schwarze Mappe in der Hand, den Stift gezückt.
"Signora..." Seine Stimme ist kaum mehr als ein Krächzen, und als er sich aufrichten will, stellt er fest, dass er weder Arme noch Beine an den Körper anziehen kann. Was ist das? Er versucht es noch einmal, schaut dann zu seiner Hand und sieht, dass sie mit einem Strick an einer Holzplatte fixiert ist. "Signora!"
"Ah, unser Gast ist wieder bei uns!" ruft sie mit Amüsement in der Stimme aus, und sofort fällt die andere Stimme wieder ein. "Gast, Tante? Mein Studienobjekt ist er!" - "Nun, meine Kleine, mach ihm doch nicht jetzt schon Angst ... Gast ist doch ein viel hübscheres Wort."
"Hey, was soll das?" Er hat seine Stimme wiedergefunden. "Machen Sie mich sofort los! Ich will hier weder Gast noch Studienobjekt sein!"
Ein lautes Lachen der jüngeren Stimme lässt ihn seinen Kopf in die andere Richtung lenken. Da steht eine junge Frau, nicht älter als fünfundzwanzig, eher jünger und amüsiert sich köstlich.
"Losmachen? Du bist ein Giocoso, ein ... wie sagt man ... Scherzbold ... wo wir Dich doch gerade gefangen haben!" Er schaut genauer hin. Lange dunkle Haare fallen in Locken auf ihre Schultern, vom Schnitt ihres Gesichts her muss auch sie eine sehr schöne Figur haben, doch davon sieht er so gut wie nichts, da sie einen Umhang trägt, dunkel wie die Nacht und mit kostbar wirkenden goldenen Stickereien darauf. Und er stellt fest, dass er sich immer noch im gleichen Raum wie zuvor befindet, er kann die Sitzgruppe vor dem Fenster sehen, das jetzt allerdings durch einen schweren roten Samtvorhang geschlossen ist. Überall im Raum sind brennende Kerzen verteilt, eigentlich ein schöner Anblick, der ihm allerdings eher einen kalten Schauer den Rücken hinunter laufen lässt. Und er selbst? Nun, das, worauf er gefesselt ist, muss dieser riesige Esstisch an der Stirnseite des Raumes sein. Das alles sieht so aus wie die Vorbereitung eines Ritualmordes, wie er so oft in den billigen Krimis, die er liest, beschrieben wird.
"Bitte! Machen Sie mich los!" ruft er der älteren zu, aber die schüttelt den Kopf. "Wir brauchen Dich, zumindest für eine Weile." Er verlegt sich aufs Drohen. "Wenn Sie mich nicht sofort gehen lassen, werde ich Sie anzeigen! Alle in der Bar wissen, wo ich bin! Und ich weiß auch genau, in welchem Haus ich mich hier befinde!"
Die Tante schaut ihn streng an.
"Sei jetzt ruhig! Und glaube nicht, dass es irgend jemanden hier im Ort kümmert, wo du bist." Und sie tritt ganz nahe an ihn heran und legt ihm eine Hand auf die Stirn, die ihm seltsamerweise ein wenig den Stress nimmt und ihn beruhigt.
"Was wollen Sie denn überhaupt von mir?" entfährt es ihm, auf dessen Stirn sich Schweißperlen bilden, sei es aufgrund der Wärme, die vom immer noch lodernden Kamin ausgeht oder auch nur aufgrund seiner Angst. Die junge Frau ist nun auch ganz nahe an ihn herangetreten und lacht ihm offen ins Gesicht. Eigentlich ganz sympathisch, denkt er, wenn ich hier nicht wie ein Opfer angebunden läge.
"Hast Du es noch nicht verstanden? Ich brauche Dich für meine Prüfung!" - "Was für eine Prüfung, um Himmels Willen?"
Erstaunt schaut die Nichte zur Älteren hinüber.
"Du hast ihm nichts gesagt, Tante? Nichts über Dich? Nichts darüber, wer wir sind?" - "Kindchen, Du glaubst doch nicht, dass er dann mit mir gegangen wäre ... und als er Deinen Wein getrunken hatte, fiel es so schnell in den Schlaf, dass ich ihm nichts mehr erklären konnte. Übrigens, für diesen Trunk hast Du die volle Punktzahl erhalten. Hervorragend im Geschmack, nicht einmal ein wirklicher Kenner hätte etwas bemerkt, und darüber hinaus schnell und nicht zu lange wirkend. Gratulation!" - "Oh, danke schön, Tante."
Verwirrt schaut er zwischen den beiden hin und her und wundert sich, dass die Kleine über das Lob ein wenig errötet.
"WER seid Ihr???" Er schreit seine Frage fast heraus.
Die Ältere nimmt sein Kinn zwischen eine Hand und zwingt ihn, sie anzuschauen. In dieser zarten Hand hätte er so viel Kraft niemals vermutet.
"Schätzchen, nicht so laut! Wir sind strege, das heißt, ich bin eine. Meine Nichte will erst noch eine werden." - "STREGE?" Er kramt in seinem Kopf. Irgendwo hat er dieses Wort heute schon gesehen. Hieß es nicht MUSEO DELLE STREGE...
"Hexen, Schätzchen ... wir sind das, was Du Hexen nennen würdest. Andere würden es Weise Frauen nennen oder auch Teufelsbrut ... aber das ist lang her." Sie seufzt. "Nicht umsonst hat hier in Triora die Inquisition noch so lange gewütet. Es gab halt keinen Ort in Europa, an dem wir sicher waren ... das heißt, natürlich unsere Ahninnen."
"Aber ... Ihr seid wahnsinnig! Ihr spinnt!" Trotz seiner misslichen Lage kann er sich diese Worte nicht verkneifen. Zwei Spinnerinnen, die sich diesen Ort ausgesucht haben, um ihrem wahnsinnigen Hobby nachzugehen. In eine Attacke von Zorn schlägt ihm die jüngere nun einmal mit der Hand ins Gesicht. Doch bevor sie weitermachen kann, hat die Tante schon ihre Hand genommen.
"Kindchen! Das habe ich jetzt nicht gesehen, sonst müsste ich die Prüfung sofort abbrechen. Eine Strega hat sich immer und überall in der Gewalt. Was sollte sonst aus uns werden? Sollten wir genauso gewöhnlich sein wie die anderen Menschen.?"
Seine Wange brennt wie Feuer, bis die ältere Frau ihr Hand auf die Stelle legt. Diese Hand ist im gleichen Moment wie Balsam.
"Verzeih. Das Feuer der Jugend. Vor vielen Jahren wäre ich genauso gewesen. Aber verzichte lieber darauf, sie zu provozieren." Die Art, in der sie das "vor vielen Jahren" ausspricht, lässt ihn leicht erschauern. Er glaubt zwar nicht wirklich, was sie da gerade alles erzählt, aber noch so eine Ohrfeige möchte er nicht riskieren. Und immerhin, zumindest die Signora ist freundlich. Er möchte noch etwas sagen. aber die beiden haben sich nun sich selbst zugewandt.
"Meine Kleine. Wir beginnen mit den leichteren Dingen. Was hast Du über die Heilung kleinerer Krankheiten gelernt?" - "Alles, Tante!" ruft die Kleine begeistert aus. "Alles, was in den Büchern steht!" - "Und hast Du schon etwas ausprobiert? Ehrlich, auch wenns verboten ist, ich habs auch getan seinerzeit." - "Mhm, Tante, eine wenig hier, ein wenig dort. Aber nichts Ernstes, und nichts, was hätte auffallen können!" Sie kichert. "Weißt Du, eine Freundin von der Uni erzählte mir eines Tages, ihr Freund könne nicht mehr so, wie er wolle. Sie ist mit so einem alten Kerl von Professor zusammen..." - "Und da hast Du...?" - "Ich habs nachgelesen, und ich bin in seine Vorlesung gegangen und hab ihn beeinflusst ... meine Freundin war begeistert, aber sie weiß nicht, dass ich etwas getan habe." - "Ah ja, und Du hast es mit Vorstellungskraft getan? Suggestion? Keine Pulver, keine Kräuter ins Essen gemischt?" - "Nein, wie ich es sagte! Obwohl es ein wenig schwierig war ..."
Sie errötet zart. Voller Verwunderung schaut die Signora sie an.
"Was war schwierig?" - "Nun, die Vorstellung..." - "Warum?" - "Weil ... weil ich ..." Die junge Hexe bricht ihren Satz ab.
"Du willst doch nicht sagen ...?" Auch die Signora lässt ihren Satz offen im Raum stehen. "Du hast noch nie...?" Kopfschütteln. "Du hast noch nie einen Mann verführt? Und da stehst Du hier und willst die vierte der Prüfungen ablegen?" - "Tante! Ich ..." - "Schweig, Kind! Ich denke nach ... in dieser Prüfung geht es über weite Strecken um die Kunst der Liebesbeschwörungen. Wie willst du anderen wirklich helfen, wenn Du selbst keine Ahnung vom Thema hast?" -"Aber die Jungs an der Uni sind alle so blöd!"
Die Signora wendet sich für einen Moment kopfschüttelnd ab und holt einen sehr dünnen Zigarillo aus einer Schublade. Sie raucht einen Moment schweigend, dann sagt sie:
"So kann ich Dir die Prüfung nicht abnehmen. Der Konvent würde mich steinigen, wenn es heraus käme. Aber ..." - "Was denn aber?" fragt die junge Hexe, die jetzt den Tränen nahe ist.
"Wir haben doch hier ein Exemplar, und nicht einmal das allerschlechteste." Beide schauen auf ihn, und er kommt sich so taxiert wie ein Bulle auf dem Viehmarkt vor. "Hey, dabei hätte ich doch auch noch ein Wörtchen mitzureden!" ruft er laut. "Das grenzt ja an Vergewaltigung! Und außerdem ... mit einem Mann gegen seinen Willen Sex zu haben, geht nicht, weil ..."
Beinahe muss er lachen. In jeder normalen Situation würde er gern mit einer der beiden schlafen, am liebsten mit beiden zusammen. Aber so! Die Signora lässt ihm allerdings keine Zeit, diesen Gedanken weiter auszuspinnen.
"Gegen Deinen Willen? Sag doch besser: Mit unserem Willen ..." Und kalt lächelnd schaut sie ihm zuerst in die Augen, dann wendet sie ihren Blick auf seine Hose, dorthin, wo sein Geschlecht verborgen ist. Und er bemerkt, wie es sich zu regen beginnt, und je mehr er dagegen ankämpft, desto schlimmer wird es.
"Aufhören!!!!" Die Situation ist ihm furchtbar peinlich. "Du hast Recht," antwortet die Signora "Wenn ich das mache, gilt es nicht."
Er schaut zur Seite. Auch der Kleinen scheint die Situation furchtbar unangenehm zu sein. Sie dreht die Hände ineinander. "Du meinst, Tante, ich soll jetzt hier ... und so? Darüber hab ich aber nicht so viel gelesen." Wieder ein Lachen der Signora, diesmal aber ein sehr herzliches. "Du bist doch eine Frau, Liebe .... und eine Strega dazu. Du WEISST, wie es geht, auch ohne jedes Buch." - "Ich soll ihn also ... ANFASSEN? Dort?"
Sie zeigt auf seinen Unterleib, und der Signora entringt sich ein weiteres Seufzen. "Ja, meinetwegen auch anfassen, aber erinnere Dich, warum wir hier sind. In erster Linie kommt es darauf an, Deine Fähigkeiten zu zeigen. Du weißt schon, mentale Verführung und so." - "Ja..." - "Schau mal, er will doch gar nicht, noch nicht." Sie spricht ihn direkt an. "Du willst doch nicht, oder?" Er schüttelt den Kopf, obwohl ... so ganz sicher ist er sich nicht mehr.
"Aber Tante! Nach dem Gesetzbuch ist das eine Vergewaltigung!" - "Madonna mia! Kind! Hätten wir Dich doch nie in dieses Sündenbabel Milano geschickt zum Studium! Früher, weißt Du, da haben wir uns die Männer reihenweise ungestraft genommen und... " - " Soooooo?" Die junge Frau zieht die Augenbrauen hoch. "Ich meine, da doch irgendwann einmal etwas von Inquisition, hochnotpeinlichen Befragungen und Scheiterhaufen gelesen und gehört zu haben!"
Die Signora wird nicht einmal rot, als sie barsch antwortet. "Lass das jetzt, das tut nichts zur Sache. Verführe ihn oder lass es sein. Dann verschwenden wir nur unsere Zeit." - "Ja, Tante..." Und sie stellt sich dicht neben ihn und berührt ihn mit ihrer Hand, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Sein nochmaliges "Nein" klingt nicht sehr überzeugend.
"Kindchen!" fährt die Stimme der Signora hart dazwischen. "Das ist nicht die Art, wie wir Strege verführen! So kann das jedes Bauernmädchen, das ansonsten die Kühe melkt. Erinnere Dich, es kommt auf die Feinheiten an." Und wieder nimmt sie ihr Heft nach oben und notiert etwas.
"Entschuldigung, Tante." Plötzlich sieht er ihre grünen Augen auf sich gerichtet, und eine Gänsehaut läuft ihm den Rücken hinunter. Er versucht sich von diesen Augen loszureißen, aber sie lässt es nicht zu, und auf irgendeine unbeschreibliche Weise hat er das Gefühl. dass sie durch seine Augen in seinen Kopf schaut, genau in das Zentrum seiner Gedanken. "Tante!" ruft die junge Hexe nach einer Weile aus. "Was ich da sehe, ist aber ein wenig schockierend!"
Mist! Er hat genau das Richtige vermutet! Sie kann seine Gedanken sehen! Vor lauter Scham schwindet ihm jede Erregung, die der Blick in ihm verursacht hatte. Er versucht krampfhaft, an etwas anderes zu denken. Ein alter Woody-Allen-Film fällt ihm ein. Der Protagonist hat mit vorzeitigen Ejakulationen zu kämpfen und denkt beim Geschlechtsverkehr immer an...? Was war das noch? TOTER FISCH! Ja ... an toten Fisch denken ... ekelhaft ... stinkend .... kein Sex, keine Erotik ... toter Fisch! Er sieht, dass auch die Signora an ihn herangetreten ist und ihn genau fixiert.
"Na ja, ein wenig außergewöhnlich, aber doch nichts so Besonderes, meine liebe Nichte." - "Ich meine nicht den Fisch, an den er gerade denkt ... ich meine das ... andere!" Die Signora lacht. "Das meine ich ja auch, seine krampfhaften Ablenkungsmanöver können mich eh nicht verwirren. Aber glaub mir, meine Süße, es gibt viel Schlimmeres als diese kleinen Vorlieben, die er hat!" - "Wirklich?" - "Ja, und es ist doch ganz interessant, wie er das zu verbergen versucht. Das kann dir einige Bonuspunkte bringen in der Umsetzung Deiner Verführung."
Die junge Hexe nickt und nimmt ihn wieder unter ihre Augen. Er spürt sie förmlich in seinem Geist graben. TOTER FISCH! DU MISTSTÜCK, ICH WERDE NUR AN TOTEN FISCH DENKEN! Plötzlich lächelt sie ihn, der sie böse anblitzt, sehr lange und sehr zufrieden an, tritt einen Schritt zurück und streift langsam den Umhang, den sie trägt, von den Schultern.
"TOTER FISCH!" schreit er und: "Du lässt mich total kalt, Du ..." Das letzte Wort bleibt ihm im Munde stecken, denn das, was unter dem Umhang zum Vorschein kommt, bringt beinahe sein Herz zum Stillstand. Sie trägt ein super kurzes Lederkleid, vorn tief ausgeschnitten, beinahe bis zum Bauchnabel, und als sie sich langsam und lächelnd einmal um ihre Achse dreht, sieht er, dass ihre feinen schwarzen Strümpfe Nähte haben und dass die Absätze ihrer Pumps sehr hoch und spitz sind.
"Wssrrrg..." bringt er noch hervor. Vor ihm steht das Abbild seiner wildesten Träume, die Frau, die jede Nacht zu ihm kommt und die er doch niemals erreichen kann. Das heißt, beinahe ist sie das. In seinen Träumen hat sie wirklich ... Die Signorina hat jetzt ihre Drehung vollendet und schaut ihn beinahe strafend an. Dort, wo zuvor eine zarte B-Größe das dünne Leder dehnte, drohen nun riesige Brüste aus dem Ausschnitt zu drängen, als wollten sie ihn erschlagen.
"Zuvvvvvviiieee .... " röchelt er und hört die Signora neben sich lachen. "Liebste, was denkst du dir denn?" -"Ich hab letztens mit Freunden einen alten Russ-Meyer-Film gesehen, und ich dachte..." Sie sieht ein wenig beleidigt aus. "Denk doch lieber an Deine alten Barbies, Nichte, ich glaube, dann kommst Du der Sache schon näher. Der arme Kerl bekommt ja noch nen Herzinfarkt." - "Das macht doch nichts, gehört nicht eh zur Prüfung, ihm das Herz auszureißen und wieder einzusetzen?" - "WAAAAASSSSSS???" - "Jetzt mach ihm doch nicht solche Angst, Kleine, wir sind doch nicht mehr im Mittelalter!" ertönt die Stimme der Signora sehr tadelnd.
Achselzuckend dreht sie sich noch einmal um ihre eigene Achse und beugt sich dann über ihn. "Wie gefällt Dir das?" fragt sie ihn süffisant, ohne eine Antwort zu erwarten. Was sollte er auch schon groß sagen, da sein gesamtes Weltbild in den letzten fünf Minuten völlig auf den Kopf gestellt wurde.
"Kleine, es gefällt ihm", antwortet statt seiner die Signora, "schau doch mal auf seine Hose!" - "Hm ... Männer! Ist doch immer das Gleiche, sogar beim Tanzen in der Disco!"
Gedankenverloren streicht die junge Frau über seinen Schritt, dort, wo er, ohne dass er es beeinflussen könnte, ganz hart geworden ist. Er zerrt an den Fesseln, obwohl er weiß, dass diese niemals nachgeben werden, denn diese Situation ist ihm unendlich peinlich. Gleich darauf spürt er, wie eine Hand seinen Reißverschluss öffnet, seinen Slip zur Seite zieht - oh Gott, welchen hat er denn heute Morgen angezogen? - und sein bestes Stück freilegt.
"Oooooch!" Diesen Kommentar hatte er nun nicht erwartet, und er trifft ihn bis ins Mark. Er versucht den Kopf hoch zunehmen, aber das geht nicht. Irgendwie haben sie ihn auch fixiert. "Was willst Du denn?" lässt sich die Signora wiederum vernehmen, "das sieht doch ganz normal und sogar recht hübsch aus."
"Ich hatte da was anderes erwartet," gibt die junge Hexe mit enttäuschter Stimme zurück, "letztens hab ich ein Video gesehen, in dem ..." - "Du guckst eindeutig zu viele und die falschen Filme!" Die Stimme der älteren ist jetzt ziemlich barsch. "Wir hätten Dich nach Sizilien schicken sollen und nicht ins Sündenbabel Mailand!" - "Das musst du gerade sagen, Tante!" kommt der schnippische Kommentar. "Ich bin auch ein paar hundert Jahre älter als Du!" und, zu ihm gewendet, "Vergessen Sie das mit dem Alter!"
Er spürt, wie die junge Frau ein wenig lustlos an ihm herum fummelt. Plötzlich grinst sie sehr breit. "Weißt Du, Tante, ich hatte eigentlich an so etwas gedacht ..." Ihm schießt das Blut in den Kopf, als er meint, seine Haut an einer gewissen Stelle werde auf einmal zu klein für ihn. Viel zu klein! "Was ... was!?" stammelt er und versucht wieder vergeblich, den Kopf zu heben, kann aber nur das jetzt beinahe unverschämte Grinsen der Kleinen und die weit aufgerissenen Augen der Tante sehen. Die Ausrufe kommen beinahe gleichzeitig: "Gütiger, was für ein Film war das denn?" und "Was zum Teufel habt Ihr mit mir gemacht?" Die Antwort ist eindeutig: "Es war ein sehr spannender Film und ... ich hab einen Mann aus Dir gemacht, an dem mit jetzt wenigstens ein Aspekt wirklich gefällt."
Seufzend lässt sich die Signora in einen Sessel fallen und zündet sich einen weiteren Zigarillo an. "Mach, was Du willst, Kind, ich werde ab jetzt nur noch beobachten." - "Danke schön, Tante, ich werde Dich und die Prüfungskommission zufrieden stellen."
Ganz nah kommt sie jetzt mit ihrem Gesicht an ihn heran. "Möchtest Du es sehen, Süßer?" säuselt sie ihm ins Ohr und lächelt dabei. "Ja! Nein! Ich will, dass es wieder ... uuuuuh!"
...Safeword!
Natürlich geht der Text weiter. Aus Gründen des Jugendschutzes dürfen wir diese Veröffentlichung jedoch ab dieser Stelle nicht mehr frei zugänglich machen. Wir bitten Dich um Verständnis, dass wir nicht nur die rechtlichen Bestimmungen, sondern vor allem auch den Jugenschutz ernst nehmen.
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Kommentare von anderen Leserinnen und Lesern

Autorin.
Sehr spannend, sehr anregend... und hier: "Gütiger, was für ein Film war das denn?" musste ich herzhaft lachen!

Autorin.
Das würde ich mir noch etwas ausgeschmückter gerne
als --geheimnisvollen-- lustigen und anregenden Film ansehen.
Das ist doch mal was anderes! Ich bin begeistert
Ein Gruß von der Queen

Autorin.
Teammitglied.
Vereinsmitglied.
Ui, die Geschichte kannte ich noch gar nicht. Mal etwas ganz anderes und hat viel Spaß beim Lesen bereitet!

Autor.
Spannend, voll Witz, herrliche Sprache, ein echtes Lesevergnügen! Danke für eine höchst vergnügliche Lektüre!
poet

sehr schön geschrieben, da bekommt man(n) ja Lust sich eine "Strega" zu suchen.
lebe im Hier und Heute, wer weiß was morgen ist....
Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.
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