Schattenzeilen - Erotische Geschichten, Gedichte und andere Literatur über BDSM und Fetisch

Zusammenfassung Zusammenfassung

Sie zog ihr Halsband an und spürte die Sicherheit, die sie schon immer damit verbunden hatte, wenn sie es trug. Dann fischte sie die Gerte aus dem Schrank und kniete sich gegenüber der Zimmertür auf den Boden. Warum sollte sie ihm ausgerechnet heute nicht gefallen, wenn es doch gestern und vorgestern auch nicht so war? Sind Äußerlichkeiten wichtiger als innere Werte?

Nutzer kitty

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weiblich

Geburtsjahr 1970

Leidenschaft: submissiv

kitty ist zuhause in Hessen, Deutschland.

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Dieser Text wurde am 07.11.2005 in der Rubrik SM veröffentlicht.

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Mirror

von kitty

Kühles Wasser floss über ihren Körper, sie drehte den Kopf und ließ es über ihr Gesicht laufen. Genoss die Erfrischung an diesem doch recht warmen Tag. Dann drehte sie die Dusche ab, schob den Vorhang zurück und stieg aus der Badewanne. Als sie nach dem Handtuch griff, das über der Edelstahlstange an der Wand baumelte, hielt sie kurz inne. Ihr Blick war an ihrem Spiegelbild hängen geblieben. Sie biss sich auf die Lippe, wendete den Kopf, zog schnell das Handtuch heran und wickelte es sich um ihren Körper.

Auf die Body-Lotion verzichtete sie heute, sie wollte raus aus dem Badezimmer und vor allem weg von diesem grässlichem, unbarmherzig kalten Spiegel. Im Schlafzimmer zog sie ein weites T-Shirt und lässige Jogginghosen aus ihrem Schrank und schlüpfte schnell hinein. Sie legte sich auf das Bett und begann in dem Buch zu lesen, das sie vor ein paar Tagen angefangen hatte. Besser gesagt, sie versuchte es, denn ihre Aufmerksamkeit ließ sich von den Buchstaben nicht gefangen nehmen. Immer wieder schweiften ihre Gedanken ab. Nicht schwer zu erraten, wohin. Sie haderte mit sich und ihrem Aussehen, das nun wirklich nicht im entferntesten mit dem gängigen Schönheitsideal einer Frau zu vereinbaren war.

Sie hatte helle, empfindliche Haut, die im Gesicht immer zu Unreinheit neigte. Der Kampf gegen die (zu) vielen Kilos war unendlich und nahezu erfolglos. Von schönem, glänzendem, dichtem Haar war sie meilenweit entfernt und ihre Fingernägel brachen mit schöner Regelmäßigkeit ab. Und jetzt kamen schon wieder diese neuen Modekataloge mit den schlanken Models, die schöne Kleidung in ebenso schönen Farben trugen. Kleidung, die es in ihrer Größe nicht gab. Farben, die es für ihre Kleidung ebenso wenig gab. In der Kleidergröße, in der sie zuhause war, gab es schwarz, dunkelblau und grau.

Doch das empfand sie nicht mal als das Schlimmste. Nein, das Schlimmste war, ihrem Herrn so unter die Augen treten zu müssen. Sich nackt vor ihm zu präsentieren. Keine Chance, irgendetwas zu kaschieren. Dabei würde sie ihn so gern mit einem dieser tollen Outfits überraschen, einen engen Lederbody tragen oder auch nur halterlose Strümpfe und lange Stiefel. Sie grub den Kopf etwas tiefer ins Kissen und drehte sich auf die Seite. Natürlich, Äußerlichkeiten sind vergänglich und es sind die inneren Werte, die zählen. Netter Trostversuch und doch nur bitterer Gedanke.

Schnell wischte sie sich eine Träne von der Wange, als sie den Schlüssel im Türschloss hörte. Sie schloss die Augen und stellte sich schlafend. Nicht reden jetzt. Nicht darüber. Sie hatten schon so oft darüber gesprochen und sie wollte nicht wieder damit anfangen. Er kam zum Bett und sie spürte seine Lippen auf ihrer Stirn. Spürte seine Zärtlichkeit und Liebe. Und natürlich musste gerade jetzt die nächste Träne runterkullern und ihren Täuschungsversuch verraten.
"Du bist wach?" hörte sie ihn überrascht fragen, "ist etwas passiert?" Sorge schwang in seiner Stimme mit. Sorge, die ihr schlechtes Gewissen nährte.
"Nein, nein. Es ist nichts. Entschuldige bitte." Sie schaute ihn an und konnte seinen Blick gerade mal ein paar Sekunden erwidern, bevor sie ihren senken musste. Er setzte sich auf die Kante des Bettes und zog ihren Kopf in seinen Schoß. Streichelte über ihren Kopf und flüsterte "Sag es mir!" in ihr Ohr. Eine Bitte oder ein Befehl? Sie wusste es nicht, es spielte auch keine Rolle. Er streichelte ihren Hals und ließ ihr Zeit. Sie spürte seine warme Hand und wusste, dass es keine Weigerung von ihr geben würde. Er würde sie sowieso nicht gelten lassen. Also begann sie mit leiser, stockender Stimme, ihm ihr Herz auszuschütten. Was sie gesehen hatte, was sie gedacht hatte. Alles, was ihr in diesen Sekunden auf der Seele brannte. Danach war sie still. Wartete mit geschlossenen Augen auf eine Reaktion von ihm. Die Reaktion kam. Eine andere als sie erwartet hatte, denn was sie hörte war:

"Steh' auf, zieh' diese Sachen aus und präsentiere Dich Deinem Herrn!"

Sie verkrampfte auf der Stelle. Jetzt? Nach allem, was sie gesagt hatte? Sie öffnete den Mund und ein entsetztes "Nein!" drückte all ihre Gefühle über seinen Befehl aus. Seine Augen wurden schmal und das "Wie bitte?" drückte im Gegenzug alle SEINE Gefühle über ihren Widerspruch aus. Sie wand sich buchstäblich, rückte von ihm weg, zog die Beine an und schlang ihre Arme um sie. So zusammengekauert kam nur noch ein wimmerndes "Bitte nicht" von ihr. Er schaute sie lange und schweigend an, bevor er zu ihr sagte: "Ich gehe jetzt für einen Moment aus diesem Zimmer. Wenn ich zurückkomme, wird die Dienerin ihren Herrn erwarten! Angemessen erwarten!" Damit stand er auf und verließ das Zimmer.

Der Kampf tobte in ihr. Scham kollidierte mit dem unbändigen Wunsch, zu gehorchen. Ihre Phantasie schlug Purzelbäume... sie sah sich nackt vor ihm. Sah, was er sehen würde. Warum verlangte er das jetzt? Warum musste er sie mit all dem, was sie verabscheute, konfrontieren? Auf der anderen Seite... wie kam sie dazu, seinen Wunsch in Frage zu stellen? Wie kam sie dazu, sich zu verweigern? Wie kam sie dazu, ihre Meinung auf ihn zu übertragen? Ihre Gedanken rasten. Sie wollte doch, dass er stolz auf sie war. Wie konnte er das sein, wenn sie wie ein kleines Kind in der Ecke kauerte??? Zorn keimte in ihr auf. Zorn auf ihre dunklen Gedankengänge. Wieder biss sie sich auf die Lippe, ballte die Hände zu Fäusten und kletterte vom Bett. Sie schleuderte die Kleider weg und Trotz machte sich in ihr breit. Sie sah nun mal so aus, wie sie aussah! Er kannte sie. Hatte sie doch schon tausendmal gesehen. Sollte er ausgerechnet heute schockiert sein, wenn er es doch gestern und vorgestern auch nicht war? Sie zog ihr Halsband an und spürte die Sicherheit, die sie schon immer damit verbunden hatte, wenn sie es trug. Dann fischte sie die Gerte aus dem Schrank und kniete sich gegenüber der Zimmertür auf den Boden. Blickte zu Boden und versuchte dabei, die Speckröllchen (welch niedlicher Ausdruck) an ihrem Bauch und ihre dicken Oberschenkel zu übersehen. Vielleicht sollte sie die Augen lieber zumachen? Aber nein! Der Trotz war noch stark genug und gewann über den erneuten Anflug von Scham. Auch die leise Frage im Hinterkopf, wie eigentlich ihre Haare aussehen mussten, hatte keine Chance.

Sie hörte, wie die Zimmertür aufging, hörte seine Schritte und spürte ihren beschleunigten Herzschlag. Er blieb vor ihr stehen und der Zauber nahm seinen Lauf.

Wer bist Du?
Deine Dienerin, Herr.
Wem gehörst Du?
Dir, Herr.

Zwei Fragen, zwei Antworten und doch war damit alles gesagt. Sie hob die Gerte und reichte sie ihm. Er nahm sie an und streichelte mit der Spitze über ihren Hals zu ihren Brüsten, ließ sie über ihre Nippel tänzeln und hob letztlich damit ihr Kinn an. Sie blickte zu ihm auf, begegnete seinem Blick und ging darin unter. Versank in seiner Glut, in seinem Begehren, in all seinen Gefühlen, die er sie sehen ließ. Da war kein Platz für Abscheu, Ekel, Missfallen, Anwiderung oder etwa Mitleid. Das, was sie sah, war Begehren, war Liebe und Lust.

Als sie schüchtern lächelte, zog er sie in seine Arme und ließ sie spüren, dass das was sie gesehen hatte, auch wahr war. Sanft drehte er sie herum, bis sie sich in der Spiegeltür des Schlafzimmerschrankes sah. Er blieb hinter ihr stehen und umfasste ihre Taille. Sie senkte den Blick und hörte im gleichen Moment seine Stimme, die ihr sagte, dass sie hinschauen sollte. Also sah sie hin, sah und spürte im gleichen Moment, wie seine Hände über ihren Körper glitten. Spürte seine Fingerspitzen, die über ihre Brüste streichelten und ihre Nippel umkreisten. "Spüre mich!" hauchte er in ihr Ohr. "Fühle mich!"

Sie drängte sich an ihn, seufzte und genoss die Reaktionen ihres Körpers. "Du gehörst mir. Ich sehe Dich an und da ist nichts, was ich nicht sehen könnte. Ich sehe Deine Demut und Hingabe, Deine Leidenschaft und Deine Bereitschaft, Dich aufzugeben. Das ist, was wichtig ist. Und nur das!" Seine leise Stimme, seine Worte, verbunden mit dem Spiel seiner Finger, das immer intensiver wurde, durchdrangen ihre schwarzen Gedanken, lösten sie auf und nahmen ihnen die Macht. Sie drehte sich in seinen Armen, blickte in seine Augen und er erlaubte mit einem kleinen Lächeln ihre unausgesprochene Bitte. Dankbar senkte sie den Blick und sank vor ihm in die Knie, um ihm mit ihrer ganzen Leidenschaft und Liebe zu dienen.

Später, viel später, stand sie erneut im Bad, um sich etwas abzukühlen. Als sie nach dem Handtuch griff, das über der Edelstahlstange an der Wand baumelte, hielt sie kurz inne. Ihr Blick war an ihrem Spiegelbild hängen geblieben. Sie blickte hinein, musterte sich kritisch von oben bis unten. Dann holte sie tief Luft und streckte diesem vermaledeiten Spiegel die Zunge heraus. "Heute hast du nicht gewonnen!", dachte sie dabei. "Heute nicht! Und mit diesem wunderbaren Mann an meiner Seite hast Du auch in Zukunft immer weniger Chancen. Wohl wird der Kampf noch einige Zeit dauern, bis meine Träume wahr werden. Aber sie werden keine Träume bleiben!"

 

 

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Kommentare von anderen Leserinnen und Lesern

08.09.2010 um 13:09 Uhr

22 Kommentare.

wunderbarer text, vielen dank!

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lg aus der unendlichen weite

07.09.2010 um 11:56 Uhr

14 Kommentare.

Du sprichst wahrscheinlich vielen aus tiefster Seele. Wer von uns ist mit sich absolut im Reinen? Wohl kaum jemand. Umso schöner, dass der Herr nicht nur die äußere Hülle, sondern seine Sub in ihrer Gesamtheit sieht und liebt.

Für mein Empfinden ist die Geschichte sehr einfühlsam geschrieben. Danke dafür!

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...Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht?...

30.05.2010 um 20:07 Uhr

39 Kommentare.

Ich kann es sooo gut nachvollziehen...
Bleibt die Hoffnung, dass man findet was man sucht wenn der "Kampf" durchgestanden ist. Oder vielleicht doch schon eher?! Man wird sehen...

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Am Anfang steht die Sehnsucht...

23.08.2009 um 15:31 Uhr

Autorin.

82 Kommentare.

Viele Frauen denken so und "präsentieren" sich
wenn ein paar Pfunde zu viel zu sehen sind
nur sehr ungern ihrem Herrn.
Bei uns ist es umgekehrt....ich hülle mich gerne in ein
Walle-Walle Gewand, mein sub soll sich ja vor meinen
Aktionen und nicht vor mir gruseln
Weibliche Doms sind in Heften immer sooooo toll in Leder
gekleidet....ein Traum! Da kann man schon Komplexe bekommen.
Die wenigsten von uns haben Wunsch-Maße
....aber leben und aus-leben- sind wichtiger als falsche Scham!
Schöner ehrlicher Text!
Danke

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Ein Gruß von der Queen

22.08.2009 um 18:11 Uhr

6 Kommentare.

bezaubernd sich in das verantwortungsvolle zusammenspiel von D und S hineingedacht und mitempfunden; es geht nicht um Schmerz und Gewalt sondern um Vertrauen, Liebe und dem weigen spiel zwischen Mann und Frau

09.08.2009 um 02:11 Uhr

340 Kommentare.

es kommt eben nicht immer auf die kg sondern auf die Einstellung an....bei soviel Hingabe, Lust zur Unterwerfung, Sehnsucht, Sinnlichkeit schwinden auch ein paar kg , die "angeblich" zuviel sind, ist alles relativ... und es gibt eben Prioritäten .... viel Wichtigeres als ein paar "niedliche" Speckröllchen....

Signatur

liebe Grüße Sehnsucht

?

20.07.2009 um 05:27 Uhr

Gelöschter Nutzer.

In der heutigen Zeit, geprägt durch die Flut an "vermeintlich" schönen Frauen und Männerfotos trifft dies sicherlich sehr oft zu. Gut erzählt. Danke
alles Liebe
Astrid und Gerald von NOXUMBRA

16.07.2009 um 20:24 Uhr

Autor.

244 Kommentare.

Klar doch - eine sklavin hat ihren Herrn als ihren Spiegel zu sehen - wenn sie ihm gefällt, sollte sie glücklich sein, egal, was ein dummer Glasspiegel ihr sagt. Und da sie ihm gefällt, wird er sie so wollen, wie sie ist

Signatur

poet

01.02.2009 um 17:08 Uhr

340 Kommentare.

zeigt auf, worauf es wirklich ankommt, und mit diesem Bewusstsein verliert man von ganz alleine die lästigen kg, ist ein tolles Gefühl

Signatur

liebe Grüße Sehnsucht

26.01.2009 um 01:38 Uhr

18 Kommentare.

kitty, Du hast wunderschön beschrieben um was es wirklich geht. Danke Dir.

Signatur

Herzliche Grüsse Zaubersub

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