BDSM-Geschichten und andere erotische Texte und Literatur

Zusammenfassung Zusammenfassung

Wer immer sich offensichtlich in sie verknallt hatte, verstand es, sich interessant zu machen. Aber woher wusste er? Mit niemandem hatte sie darüber gesprochen, wie sehr dieser Film sie bewegt hatte. Der Film, dem das Buch zugrunde lag, das sie nun in den Händen hielt, und in dem sie einen weiteren Zettel fand.

Nutzer Sub Anna

Sub Anna

Geburtsjahr 1969

Leidenschaft: submissiv

Sub Anna ist zuhause in Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland.

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Dieser Text wurde am 18.03.2016 in der Rubrik BDSM veröffentlicht.

Stil Stil

Die meisten Leserinnen und Leser fanden diesen Text fantasievoll, berührend, unterhaltsam.

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2 Geschichten wurden von Sub Anna veröffentlicht, zuletzt diese:

Ein Waldstück

Voller Lust hatte ich mich zu einem Wochenendevent in der Natur angemeldet. Die Vorbereitung machte der Veranstalter sehr einfühlsam, doch als ich dann im dröhnenden Bus mit zwei anderen Frauen zum Ort des Geschehens gefahren wurde, kamen mir Zweifel. War das so eine gute Idee gewesen, mich unbekannten Männern in einem Wald auszuliefern?

Das halb geleerte Wasserglas

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Verzettelt

von Sub Anna

Leselupe

Wie jeden Morgen empfing sie die Universitätsbibliothek mit der vertrauten Atmosphäre geballter Konzentration. Der Gang zu den Spinden war mittlerweile zur Routine geworden. Er half ihr die Hektik der Straße abzustreifen, den Rausch, in den sie ihre schnelle Jagd mit dem Fahrrad durch die Stadt jedes Mal versetzte. Sie packte Schreibzeug und Wasserflasche in den Bibliothekskorb, passierte den Einlass und betrat den Tempel der Wissenschaft. Auf dem Weg zu ihrem gewohnten Platz suchte sie sich die Bücher zusammen, die sie heute brauchen würde. Dazu die täglichen Standardwerke. Sie freute sich, in der hinteren Reihe einen guten Arbeitsplatz zu finden. Von hier hatte sie eine gute Sicht über die Leute vor ihr und aus der Glasfront den Blick auf den Vorplatz. Nicht, dass sie diese Aussicht großartig genießen würde. Seit drei Wochen lernte sie täglich hier, war längst darin aufgegangen und konnte über lange Zeit tief in die Texte versinken, die vor ihr lagen. Auch heute würde sie nichts davon abhalten. Sie nahm einen großen Schluck aus der Wasserflasche, zog das Buch zu sich, bei dem sie gestern ihre Arbeit unterbrochen hatte, und schlug es auf.

Beim Suchen der richtigen Seite schnappten ein paar über. Sie stutzte. Die Ursache war ein gefalteter Zettel zwischen den Seiten, den sie gestern nicht bemerkt hatte, sie mochte fast sagen, der gestern noch nicht da war, aber sie konnte sich auch täuschen. Zettel hatten in Bibliotheksbüchern allerdings nichts zu suchen. Sie nahm ihn, wendete ihn hin und her und legte ihn schließlich zur Seite. Als sie ihn losließ, öffnete er sich leicht. Also hatte er noch gar nicht lange eingeklemmt zwischen den Seiten gelegen. Egal, es ging um Quantenphysik für die Prüfung und nicht um irgendwelche Zettel. Sie blätterte bis zur gesuchten Stelle, holte ihren Füller raus, legte den Block zurecht und starrte auf die gedruckten Buchstaben.

Aber wenn sie Geheimnisse nicht interessieren würden, hätte sie nicht mit einem Physikstudium angefangen. Etwas unwillig ob der Störung aber doch kurz entschlossen klappte sie den Zettel auseinander. In einer sauberen Handschrift stand dort:

Wie war das mit der Selektion und was war das mit der Wahl des Geschlechtspartners? Da war doch jemand unterwegs mit der Beagel, um all das herauszufinden. Das war im 19. Jahrhundert.

Ob du ihn als Geschlechtspartner gewählt hättest, diesen Backenbärtigen?

 Was war denn das für ein kryptisches Zeugs? Sie hatte eine notierte Telefonnummer oder ein vermerktes Buch erwartet. Aber nichts über Geschlechtspartner. Schließlich waren das hier die heiligen Hallen des Wissens. Selektion, das erinnerte sie an die Evolutionstheorie. Und hieß das Schiff, mit dem Darwin gesegelt war, nicht "Beagel"? Das Jahrhundert könnte vielleicht auch hinkommen, sicher war sie sich in Geschichte allerdings nicht. Ein komischer Zettel. Wer den wohl geschrieben hatte, und wofür?

Sie schob ihn wieder weg und überflog ihre Aufzeichnungen vom Vortag, um nun endlich in ihren Stoff zu kommen. Nur gelang ihr das nicht richtig. Ihre Routine war durcheinandergekommen. Also betrachtete sie wieder den Zettel. Wenn Charles Darwin gemeint war, war das dann eine Fährte zu einem Buch von ihm? Das wäre dann vielleicht sein berühmter Reisebericht. Sie könnte ja mal nachsehen. Seufzend stand sie auf und ging zu einem Bibliothekscomputer. Unter Darwin waren etliche Bücher aufgelistet. Ihr Blick fiel auf "Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl". Das hörte sich ein bisschen nach Selektion des Geschlechtspartners an.

Sie fand das Buch, und als sie es aufschlagen wollte, öffnete es sich von selbst an der Stelle, an der ein weiterer Zettel gleicher Art steckte. Ihr wurde mulmig. Es war also eine Art Schnitzeljagd, die irgendwer für jemand anderen entworfen hatte. Hatte sie heute Morgen nicht dasselbe Buch wie gestern gegriffen, vielleicht den Nachbarband erwischt? Oder hatte sich der Fährtenleger vertan? Sie fühlte sich unwohl, so als würde sie das Briefgeheimnis missachten, indem sie den Zettel, der ja nicht an sie gerichtet war, aufschlug und las:

Ja, genau du bist gemeint, Du grazile Antilope. Und du hast recht, es ist ein Rätsel, das ich dir stelle. Du wirst es lösen können, keine Frage. Wirst du mir auch folgen?

Puh! Schnell steckte sie den Zettel wieder zwischen die Seiten und stellte das Buch zurück. Sie war keine Antilope, sondern eine Physikstudentin. Und das war auch kein weiteres Rätsel, zumindest nicht für sie. Was sie betraf, hatte sie den Zettel in ihrem Buch analysiert und konnte jetzt endlich an ihr Tageswerk gehen.

Zurück an ihrem Platz sah sie ihn sofort. Er lag unter ihrem Füller. Ihr schoss das Blut in den Kopf. Verdammt, was war dass denn?! Sie wollte doch einfach nur lernen und nicht so eine blöde Anmache! Antilope, pah!

Noch stehend ließ sie wütend ihren Blick kreisen, sah aber nichts als konzentriert arbeitende Menschen. Der Schreiber musste jedoch hier sein, er war an ihrem Platz gewesen. Mit mulmigem Gefühl schlich sie schnell zurück zu Darwin und nahm den Zettel raus. Wenn er für sie war, dann sollte schließlich auch kein anderer ihr Briefgeheimnis verletzen. Ganz unauffällig setzte sie sich wieder hin. So viel Unruhe war an diesem Ort nicht angesagt. Bald würde sie die ersten bösen Blicke ernten.

Der Zettel lag noch genauso da. Jetzt wusste sie, dass wirklich sie gemeint war. Sie holte tief Luft und klappte ihn auf.

Ich sagte ja, ich meine genau dich, du Schöne, du Wilde mit deinen fragenden Augen. Augen, die sagen, dass du suchst. Nicht nur Wissen. Etwas noch Stärkeres. Einen Halt, der deine Wildheit beschützt. Lass deine Neugierde dich weiter führen. Suche das Buch, in dem es um vollkommene Hingabe geht. Ein Werk, das viele Menschen ermutigt hat, ihre Leidenschaft auszuleben.

Erst Geschlechtspartner, jetzt Hingabe und Leidenschaft. Ihr Herz raste. Von vielen Menschen schrieb er. Gehörte ihr Verehrer einer Sekte an? Vielleicht die Darwinisten, die sich miteinander vermehren, um irgendwas zu retten? So ein Blödsinn. Aber was, wenn das auf irgendwas Obszönes hinauslaufen würde? Unruhig zappelte sie auf ihrem Platz herum und wühlte in ihren Haaren. Prompt lag der stechende Blick ihrer Nachbarin auf ihr. Immerhin, sie konnte die Zettelschreiberin nicht sein, oder doch? Sie zwang sich zur Ruhe und dachte nach. Um herauszufinden, worum es ging, musste sie letztendlich das Rätsel lösen. Es war auf jeden Fall kein Sachbuch gemeint. Gab es in der Unibibliothek auch Belletristik?

Sie ahnte bereits, eigentlich wusste sie es schon, denn das gemeinte Buch war ihr wohl bekannt. Sie hatte es noch nicht gelesen, aber den Film hatte sie einmal gesehen und seitdem nie vergessen. Nur ob sie es hier finden würde, bezweifelte sie stark.

Ganz leise stand sie auf und schlich sich weg. Der Bibliothekskatalog lehrte sie eines Besseren. Die "Geschichte der O" war in der Abteilung Germanistik zu finden. Das wunderte sie wirklich, denn im Vergleich zum Niveau, der hier zu findenden Schriften war dieser Text wahrscheinlich Schund. Vielleicht gab es da aber einen verrückten Professor, der dieses Buch zu Vergleichszwecken seinen Studenten empfahl und darum auch in die Bibliothek hatte aufnehmen lassen? Oder gehörte es zum Lesestoff der Sexualwissenschaftler? Es sollte ihr egal sein. Sie machte sich auf den Weg durch die Reihen der Regale. Je näher sie dem gesuchten Buch kam, je aufgeregter wurde sie. Wenn sie jetzt jemand dieses Buch herausnehmen sah? Aber es war keiner in der Nähe, auch keiner, der sie beobachtete. Also griff sie zu und schlug es auf. Beim Anblick des Zettels wurden ihre Knie weich.

Du hast es gefunden. Wusstest Du es so oder brauchtest Du Hilfe? Ich tippe auf Ersteres.

Traust Du Dich weiter zu gehen? Ich bin mir sicher, du ahnst bereits, wohin dich der Weg führen wird. Überlege es dir gut. Wenn du fortfahren möchtest, dann gehe in einer Stunde zu deinem Schließfach. Dort findest du die nächste Botschaft.

Ihr war heiß. Etwas benommen ging sie zurück und schlängelte sich möglichst unauffällig auf ihren Stuhl. Es war gerade mal kurz vor zehn Uhr. Sie beugte sich über das Bohrsche Atommodell, nahm aber keine Worte wahr. Was sollte das? Was für eine blöde Frage, das wusste sie ziemlich genau. Es hatte sich jemand in sie verguckt und versuchte sich nun interessant zu machen. Es gelang ihm auch ziemlich gut, musste sie gestehen.

Das alles war jedoch total hirnrissig und aus der Luft gegriffen. Mit niemandem auf der ganzen Welt hatte sie über ihre krankhaften Ideen gesprochen, keinem gegenüber erwähnt, dass sie der Film damals tief bewegt hat. Nachdenklich kaute sie auf einem Fingernagel. Auch wenn sie wusste, dass es im Internet Gruppen von Leuten gab, die so was machten, so hatte sie sich noch in keiner angemeldet. Und wenn niemand von ihr wusste, dann ist sie es nicht. Sie ist nicht pervers! Irritiert zog sie ihren Finger aus dem Mund und spuckte den abgekauten Nagel aus. Den Ersten seit zehn Jahren.

Ach was, der Zettel konnte ja nur ein Versuchsballon des Schreibers sein. Das mit den suchenden Augen war ja wohl absoluter Quatsch. Sie schielte auf die Armbanduhr, es war noch reichlich Zeit. Zeit wofür denn bloß?! Sie war hier, um zu studieren, und nicht, um sich durch diesen Fremden ablenken zu lassen, der ihren Puls hochtriebt, sie schwitzen ließ und ... sie erregte. Unauffällig musterte sie die anderen Besucher. Niemand sah zu ihr herüber und auch hinter den Regalen sah sie keinen. Aber er musste im Gebäude sein. Die Spur der Zettel war ja brandneu. Sie fühlte sich wie ein Kaninchen vor der Flinte des Jägers. Ob sie jetzt schon zu ihrem Spind gehen sollte? Nein. Wenn es das war, was sie vermutete, und sie noch nicht sicher war, ob sie dieses Spiel nicht doch weitertreiben wollte, dann durfte sie nicht schon jetzt gegen die Anweisung handeln. Wollte sie das denn vielleicht? Wie nachdenken, wenn nur Gedankenfetzen durch den Kopf wirbeln. Die Stunde wurde ihr zur Qual. Sie konnte vor Unruhe nicht arbeiten und beherrschte nur mit Mühe ihre Gliedmaßen. Aufstehen und ein bisschen umhergehen konnte sie auch nicht, möglichst nicht bewegen, damit die Katze sie - die Maus - nicht sieht. Oh, nicht Katze, sondern Kater. Zerknirscht pulte sie den nächsten abgeknabberten Fingernagel aus dem Mund.

Um zehn vor elf straffte sie sich endlich, stand auf und schlenderte bewusst gelassen los, bog mal rechts, mal links rum, besuchte andere Abteilungen, bewegte sich im Zickzack durch die Bibliothek. Aber sie entdeckte niemanden, der sich auffällig verhielt. Um elf Uhr stieg sie die Kellertreppe zu den Schließfächern hinunter. Im Lüftungsschlitz ihres Schranks steckte ein zusammengerollter Zettel.

Du ahnst gar nicht, wie froh du mich machst, meine Schöne, meine Knospe.

Ich habe dir etwas in deinen Spind gesteckt. Hol es raus. Weißt du, was das ist? Falls nicht, wirst du bestimmt in den Büchern eine Antwort finden. Leg es erst um, wenn du dir sicher bist. Überlege dir vor jedem weiteren Schritt genau, ob du ihn gehen willst.

Im Schrank lag eine Kette und auf sie gefädelt war ein Ring, an dem ein kleinerer Ring befestigt war. Nachdem er sie zur „Geschichte der O“ geführt hatte, konnte sie sich vorstellen, dass es was mit dieser zu tun hatte. Hatte die O nicht einen Halsreif mit so einem Ring dran getragen? Aber es war kein Fingerring gewesen und schon gar nicht an einer Kette. Oder doch? Ganz abgesehen davon: Sie stand zwischen den Spinden und hatte nichts weiter als diese Kette in der Hand. Und nun? Was sollte das jetzt? Forschen.

Sie steckte die Kette in ihre Hosentasche, ging zurück und setzte sich an einen Computer, um ein paar Titel herauszusuchen, die ihr die richtige Bedeutung des Rings zeigen konnten. In einem dicken Buch über Symbole fand sie es schließlich. Der Ring der O wird in der BDSM Szene als Erkennungszeichen getragen. Auf welcher Hand er steckt, zeigt an, ob man dominant oder submissiv ist. Durch die Kette konnte sie sich also zu ihrer Perversion bekennen, ohne sich einer Seite zuzuordnen, wenn sie es denn überhaupt wollte. In einem Lexikon der Psychoanalyse fand sie außerdem heraus, dass, je nach Studie und Fragestellung, etwa zwischen 10 und 30 % der Bevölkerung solche Fantasien haben wie sie. Nahm man den Mittelwert von 20 %, dann war das also jeder Fünfte? Wie viele mögen wohl hier sein? Und wie viele davon träumen von solchen Dingen wie sie? Die Richtung, die diese ganze Sache genommen hatte, gefiel ihr nicht. Oder doch? Ihr Herz hörte gar nicht mehr auf zu pochen. Sie stellte das Buch zurück, versuchte, ohne viel Erfolg, ihre zerzausten Haare zu ordnen, und ging los, unsicher, wohin sie überhaupt sollte. Gleich beim zweiten Schritt stieß sie mit der Hüfte gegen die Ecke eines Tischs und stolperte über ihre eigenen Füße. Unter dem erstaunten Blick dessen, der an diesem Tisch arbeitete, rappelte sie sich hoch und bog schnell um eine Ecke, weg von den Augen aller Beobachter. Sie brauchte eine warme Tasse zwischen den Händen, um sich wieder zu finden. Schnurstraks ging sie in die Cafeteria und setzte sich mit einem Milchkaffee in eine Ecke.

Da war also einer, der meinte, sie als eine solche erkannt zu haben. Oder er war einfach so von sich überzeugt, dass er dachte, sie gehe ihm eh auf den Leim. Aber woher weiß er, dass sie die Idee einer devote Seite in sich hat? Nun ja, wenn jede Fünfte solche Träume hat, ist die Trefferquote nicht all zu schlecht. Sie zählte die Gäste der Cafeteria ab wie mit einem Kinderreim. "Eins, zwei, drei, vier, Treffer, eins, zwei, ...". Oder war er submissiv und hoffte, sie als dominante Frau zu gewinnen? Nein, so jemand würde nicht auf diese Weise vorgehen. Das Ganze erinnerte sie an einen Rattenfänger. Er spielt eine Melodie und schaut, ob sie hinterhergelaufen kommt. Wer weiß, wie viele Frauen schon seiner Schnitzeljagd gefolgt waren? Wer weiß, ob es nicht sein Hobby ist, Frauen vom Lernen abzuhalten und sich über ihre Reaktion zu amüsieren. Vielleicht war es gar der, vor dem sie sich gerade eben auf die Nase gelegt hatte, während er innerlich johlte? Dieser Gedanke tat weh, denn ihre angestachelte Lust verlangte deutlich nach mehr. Doch in eine derartige Falle tappen wollte sie auch nicht. Sie trank den letzten Schluck aus und ging wieder an ihren Platz.

Die Bücher sahen sie vorwurfsvoll an, aber um ein schlechtes Gewissen entwickeln zu können, hatte sie keine Zeit, denn es lugte ein neuer Zettel unter ihrer Wasserflasche hervor. Zwischen Verzagtheit und Freude schwankend, klappte sie die Nachricht auf.

Du hast ihn also gefunden und weißt, was er bedeutet.

Wenn du dir sicher bist, dann lege ihn so an, wie es dir richtig erscheint, und treffe mich im Bistro neben der Mensa. Du wirst mich erkennen.

Ein Treffen also. Jetzt musste sie sich entscheiden. Sie fluchte innerlich. Nicht hinzugehen hieße, dass sie sich ihre Feigheit immer vorwerfen würde. Und falls das eine Falle ihrer Kommilitonen war und sie sich zum Affen machte, dann konnte sie sich immer noch überlegen, wie sie aus der Nummer raus kam. Vorsichtig holte sie die Kette aus ihrer Tasche. Sie war aus Silber und ganz warm. Der Ring war fein gearbeitet. Sie zog ihn auf den Finger und freute sich, dass er passte. Dann schoss ihr die Röte ins Gesicht. Schnell zog sie ihn wieder ab und verdeckte ihn mit ihrem Arm. War das jetzt die submissive Seite gewesen? Hatte sie jemand beobachtet? Quantenphysik, Atommodelle, auch die Atome, aus denen der Ring bestand, waren vollkommen unwichtig geworden, so stark war ihre Hoffnung, dass sich ihr ewig schlechtes Gewissen ob ihrer Perversion zu einer entspannten Erfüllung wandeln konnte. Dass ihr jemand die Hand reichen und sagen würde: Es ist alles gut. Dass der Korken aus der Flasche gezogen werden könnte und sich ihre Lust frei entfalten dürfte. Dass da ein Mann sein könnte, der sie führen, sie gekonnt zwingen, benutzen würde für seine Lust, ihr vielleicht sogar wehtun wollte. Pfui, so etwas konnte sie in dieser Welt niemals zulassen, das ginge höchstens in einem Paralleluniversum. Aber vielleicht gab es dieses Universum ja. Sie suchte den Verschluss der Kette, legte sie um und ließ den Ring unter ihr Shirt verschwinden, wo er sich deutlich als Beule abzeichnete. Stand er nicht sogar weiter heraus als ihre Brüste? Waren die nicht viel zu klein? Herrje, und warum hatte sie sich diese Hose angezogen und nicht einen netten Rock? Sie wirkte wahrscheinlich wie ein Junge. Und ihre Fingernägel hatten deutlich gelitten und sahen grauenhaft aus. Und die Haare standen bestimmt zu allen Seiten ab. Und warum machte sie sich darüber überhaupt Gedanken, das interessierte sie doch sonst nur mäßig! Genervt von ihrer Unsicherheit packte sie schwungvoll ihre Sachen zusammen. Er hatte keine Zeit angegeben. Sie machte sich also besser auf den Weg, bevor er nicht mehr da war.

Das Bistro war zu Fuß zu erreichen. Mit jedem Schritt hämmerte ihr Herz stärker. Als sie schließlich die Tür sah, kribbelten ihre Finger vor Aufregung. Ohne nachzudenken, machte sie auf dem Hacken kehrt. An der nächsten Straßenecke schalt sie sich einen Angsthasen und drehte wieder um. Der Ring brannte auf ihrer Haut. Damit nichts mehr schief ging, streckte sie ihre Hand bereits weit vorher aus und lief auf die Eingangstür zu wie eine Verdurstende. Sie stieß sie auf, trat hinein und sah ihn sofort. Dort in der Ecke saß er und blickte gelassen und aufmerksam zu ihr herüber.

*

Eine gefühlte Ewigkeit saß er nun schon im Bistro. Er hatte einen guten Platz erwischt. Von hier hatte er einen direkten Blick auf den Eingang und war soweit von den anderen Gästen entfernt, dass ein Gespräch über delikate Themen möglich war. So weit, so gut. Aber wie sollte er sitzen. Cool einen Arm über die Rückenlehne gehängt war bestimmt nicht angesagt. Beide Ellbogen auf den Tisch gestützt, dann würde er schnell mit krummem Rücken zusammensacken und wie ein Nerd aussehen. Verdammt, wie saß denn ein Dom? Warum durfte man denn keine Zigaretten mehr rauchen, dann hätten wenigstens seine nervösen Hände etwas zum Festhalten gehabt. Er faltete sie ineinander, fühlte sich wie ein Pastor, zog sie wieder auseinander und klemmte sie unter seine Schenkel. Jetzt, wo die Chancen auf seine erste Sub gut standen, war er ein reines Nervenbündel. Dieses Klasseweib. Wo war bloß sein Superdom? In der Theorie war alles viel einfacher.

Zudem beschäftigte ihn noch ein anderes dringendes Problem. Er hatte auf dem letzten Zettel keine Zeit angegeben. Nun drückte die Blase, aber würde er jetzt auf Toilette gehen, würde sie bestimmt genau dann zur Tür reinkommen, er könnte sie nicht mit seinem dominanten Blick ansehen und alles wäre verdorben.

Würde sie denn wirklich kommen? Er hatte sie deutlich aus der Bahn gebracht. Es war schon verblüffend, wie sie plötzlich, ihrer sonstigen Zielstrebigkeit beraubt, auf dem Boden lag. Niemals hätte er damit gerechnet, dass seine Briefchen sie dermaßen trafen. Aber zogen sie auch so, dass sie seinem Ruf folgen würde? Wie lange konnte seine Blase dieser Belastung noch standhalten, sie drückte ihm schon mächtig auf die Augen.

Da tauchte sie vor dem Fenster auf, und drehte sofort wieder ab. Mist. Schlagartig verließ ihn die Aufregung und Enttäuschung nahm ihren Platz ein. Er entspannte sich und lehnte sich zurück. Hätte er es anders machen sollen? Konnte er jetzt noch was retten? Er wusste ja gar nicht, wie sie wirklich tickt.

Da sah er sie wieder. Sie schien den Türgriff mit Anlauf zu nehmen und stolperte regelrecht in den Raum. Wie ein Wunder sah er sie an. Ein Engel, der kam, ihn zu retten. Jetzt wurde alles gut. Mit seiner Blase und dem ganzen Rest.

 

 

 

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Kommentare von anderen Leserinnen und Lesern

10.04.2016 um 20:49 Uhr

Sehr schön. Danke.

01.04.2016 um 16:21 Uhr

Schnitzeljagd, das ist eine sehr schöne Idee!

01.04.2016 um 02:46 Uhr

Mit Grips und Lust geschrieben ...

25.03.2016 um 11:26 Uhr

Autorin. Fördermitglied.

Wunderbare Geschichte!

Eine Schnitzeljagd zwischen wissenden Büchern, tolle Idee!

Und wieder hast du beide Seiten nachvollziehbar und glaubwürdig menschlich erzählen lassen.

Danke dafür!

Signatur

Erfülle deine Träume, damit du Platz für neue hast!

22.03.2016 um 06:34 Uhr

Klasse!!

Allein die Idee einer Schnitzeljagd zwischen Quantenphysik und Atommodellen macht diese Zeilen lesenswert. Gekonnt baut sich dann ein Spannungsbogen auf, der immer wieder von Selbstbetrachtungen (ich möchte nicht Selbstzweifeln sagen) unterbrochen wird. Der fragende Blick auf den Nachbarplatz, die Suche, das Nachdenken. Spannung pur, bis das gewinnt, das letztlich gewinnen muss. Die Neigung, das wahre Ich. Wieder vom Überlegen, vom Zaudern unterbrochen. Bis, ja bis, sie den entscheidenden Schritt geht, die bildliche Tür aufstösst.

Auch er, der sie klug herausfordert, alsbald zu führen beginnt und wie nebenher einfach nur menschlich dargestellt ist, verdient großes Lob.

Danke für wirklich sehr gute Zeilen, für Morgenunterhaltung, die besser als jedes Morgenmagazin mein Ich anspricht. Danke für Zeilen, die mir wirklich gut gefallen haben, die ich sehr gern gelesen habe.

Signatur

Niemand ist gut genug, einen anderen ohne dessen Zustimmung zu regieren (Abraham Lincoln).

21.03.2016 um 17:09 Uhr

Autorin.

Sehr schön!

Besonders die Beschreibung auch seiner Zweifel hat mir gefallen. Das macht beide menschlich, macht die ganze Fantasie beinahe real.

Ist doch egal, wie er sie hätte erkennen sollen - man wünscht sich einfach, so erkannt zu werden, träumt davon und hofft.

Das Ende lässt Raum für die eigene Vorstellungskraft und ist trotzdem kein offenes Ende.

Vielen Dank, Sub Anna

Signatur

komm küss mich rief ich der Muse zu da wurde sie pampig (PAMPELMUSE v. GERHARD C. KRISCHKER)

20.03.2016 um 21:49 Uhr

Sehr gute Qualität. .. toll geschriebene Empfindungen. . Ging echt unter die Haut 

20.03.2016 um 09:38 Uhr

Autor.

Eine Kurzgeschichte erzählt in kurzer Form eine Geschichte. Da sie kurz ist, sind weitläufige Beschreibungen von Aussehen und Charakter, Motivation und Gefühlen der Handelnden schwierig, da sie in der Kurzgeschichte einen überproportional großen Raum füllen und die Gefahr aufkommender Langeweile beim Leser in sich tragen. Wenn die Kurzgeschichte stark ist, kommt sie ohne diese Beschreibungen aus, sie entwickeln sich von selbst in der Geschichte.

Beim Lesen wurde ich durch einen gut entwickelten Spannungsbogen in die Handlung gezogen. Ich habe nichts vermisst, mich über einen sauberen Textfluss gefreut und mich an keiner Stelle geärgert. Die Darstellung von Bedenken und Unsicherheiten sowie menschlichen Bedürfnissen am Ende hat die Handelnden ausreichend gezeichnet und mir die Geschichte sehr sympathisch gemacht.

19.03.2016 um 15:17 Uhr

Fantasievolle Geschichte, schön geschrieben - Danke!

Da ich doch recht neugierig bin, hätte ich gerne noch das Erkennen oder Nicht-Erkennen der beiden Protagonisten und ihre Reaktion auf ihn gelesen.

19.03.2016 um 11:13 Uhr

Profil unsichtbar.

Gelöscht.

ohhaa das letzte war ein Schlenker auf ihn ...musste mein Hirn erst mal registrieren , aber danke diese Geschichte war faszinierend

Berücksichtigt wurden nur die letzten Kommentare.

Zu allen Beiträgen im Forum zu dieser Veröffentlichung.

 

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